art bodensee startet

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Blickfang in Halle 11 in Dornbirn ist die textile Installation „EPOCA 7“ von Selina Reiterer (links im Bild) und Daniela Fetz (
Blickfang in Halle 11 in Dornbirn ist die textile Installation „EPOCA 7“ von Selina Reiterer (links im Bild) und Daniela Fetz (rechts). Dahinter befindet sich die 3,60 Meter hohe lackierte Alu-Skulptur „Tre 1999“ von Elmar Trenkwalder. (Foto: Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Sonderschau mitten in Halle 11

Die textile Installation „EPOCA 7“ im Zentrum der art bodensee haben die Künstlerinnen Selina Reiterer (*1985) und Daniela Fetz (*1981) für die nicht kommerzielle Institution Galerie Hollenstein/Kunstraum und Sammlung geschaffen. Inspiriert wurden sie von ihrer Recherche über Lustenauer Stickereibetriebe und der Umsetzung eines alten Musters ins Digitale. Leicht, transparent und von sattem Blau ist der wellenförmig und kurvig angebrachte Voilevorhang, der dezente Farbverlauf assoziiert Meeres- oder Landschaftsfarben, die Stickereimotive sind in unterschiedlicher Höhe angebracht und bezeichnen die Grenzen der imaginären Räume. In der Gesamtwirkung entsteht ein beweglicher Raumteiler, das Blau vermittelt im Kontrast zum weißen Boden frische Kühle. Die Sonderpräsentation des Kunstraums Dornbirn zeigt neben Elmar Trenkwalders „Tre 1999“ eine Arbeit von Thomas Feuerstein unter dem Titel „Deep And Hot“ von 2017, die einen Rührwerksbehälter aus der Chemieindustrie zur Darstellung chemischer Prozesse umfunktioniert. (dls)

Die art bodensee dauert vom

13. bis zum 15. Juli. Öffnungszeiten: täglich 11 bis 19 Uhr.

Zur Begrüßung zeigt die Glasfassade der art bodensee eine überdimensionale Rockerfaust mit Totenkopf und Megaringen. Die von einem elliptischen Rahmen eingefasste, mit roter Folie applizierte Silhouette nennen die Künstlerinnen Gabriele Fulterer und Christine Scherrer „hellsbells“. Na denn, willkommen bei der „internationalsten“ Messe in Dornbirn! Dieses Jahr sind 65 Galerien und Institutionen vertreten, bis auf vier spanische und drei französische Galerien alle aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. In Halle 11 – hoch, luftig, angenehm weiträumig – haben sie Platz.

Diese Kunstmesse sei für ihn fast wie eine Art Urlaub, findet Victor Lope, Galerist aus Barcelona. Das sieht völlig ein, wer die überfüllte katalanische Metropole kennt. Lope ist schon zum zehnten Mal hier und genießt die entspannte Atmosphäre. Neu dabei ist die 2017 eröffnete Galerie 21.06 aus Ravensburg. Die Galeristinnen Andrea Dreher und Stefanie Büchele haben Malerei von Richard Schur, Glasskulpturen von Julius Weiland, zarte Aquarelle von Ute Robitschko und skurrile Stoffobjekte von Anne Carnein dabei. Gespannt sind sie, wie die aufwendigen Carbonskulpturen des Briten Alastair Gibson ankommen: ein Hai oder ein Tintenfisch, geformt aus Carbon und Originalmaterial aus der Formel-1-Welt, ziemlich crazy, aber unerhört dekorativ und von eindrucksvoller Perfektion der Oberflächen.

Bei Bege Galerien Ulm fallen besondere Papierarbeiten von Thomas Röthel neben dessen differenziert bearbeiteten Stahlskulpturen ins Auge. Röthel hat hier mehrere Schichten von weißem oder schwarz bemaltem Karton mit dem Hammer effektvoll durchlöchert und geformt. Galerie Tobias Schrade aus Ulm zeigt gewaltige Ölbilder, mit den Fingern gemalt von Christopher Lehmpfuhl, neben denen sich die zart-pastelligen Friesbilder von Isabelle Roth wie Palimpseste ausnehmen. Von oben schauen Thomas Putzes rudimentär-ausdrucksvolle Holztiere herunter, in der Andeutung von Kontur und Bewegung liegt hier die Kraft.

Mal meditativ, mal laut und bunt

Gegenüber fasziniert ein Blick auf die suggestiven Grisaille-Kleinformate mit Landschaftsmotiven von Susanne Knaack bei der Semjon Contemporary in Berlin, die auch zarte Stickwerke von Ute Essig und Papierarbeiten von Takayuki Daikoku zeigt. Bei Obrist Essen fallen leuchtende Plexiglasobjekte von Christiane Grimm oder eindringliche Fotografien des hauptberuflichen Kabarettisten Dieter Nuhr ins Auge.

Laut und bunt, nicht nur in der Lichtinstallation von zwei modifizierten Ampelmännchen von Markus Brenner, ist die Kunst bei Michael Oess’ Neuer Kunst Gallery aus Karlsruhe. Dagegen hat sich Galerie Knecht und Burster, ebenfalls aus Karlsruhe, diesmal auf die meditativ-stille Malerei von Franziska Schemel konzentriert.

Bei Michael Sturm aus Stuttgart, der lange Zeit im Fachbeirat der Messe fungierte, hängen drei hinreißende Miniaturen im Format 20 x 20 cm der Britin Mary Waters: scheinbar Ausschnitte von Frauenporträts aus dem Barock, ebenfalls in Grisaille, von ähnlicher Irritation wie Arbeiten bei der Skulpturale Galerie Lindau. Dort sind düstere altmeisterliche Bildnisse von Ben Beyer und gemalte Fleischbatzen wie auf barocken spanischen Stillleben zu sehen. Wie viel Anleihen und Zitate aus der Kunstgeschichte gibt es doch bei den Zeitgenossen. Und davon ist auf der art bodensee noch vieles mehr zu entdecken.

Sonderschau mitten in Halle 11

Die textile Installation „EPOCA 7“ im Zentrum der art bodensee haben die Künstlerinnen Selina Reiterer (*1985) und Daniela Fetz (*1981) für die nicht kommerzielle Institution Galerie Hollenstein/Kunstraum und Sammlung geschaffen. Inspiriert wurden sie von ihrer Recherche über Lustenauer Stickereibetriebe und der Umsetzung eines alten Musters ins Digitale. Leicht, transparent und von sattem Blau ist der wellenförmig und kurvig angebrachte Voilevorhang, der dezente Farbverlauf assoziiert Meeres- oder Landschaftsfarben, die Stickereimotive sind in unterschiedlicher Höhe angebracht und bezeichnen die Grenzen der imaginären Räume. In der Gesamtwirkung entsteht ein beweglicher Raumteiler, das Blau vermittelt im Kontrast zum weißen Boden frische Kühle. Die Sonderpräsentation des Kunstraums Dornbirn zeigt neben Elmar Trenkwalders „Tre 1999“ eine Arbeit von Thomas Feuerstein unter dem Titel „Deep And Hot“ von 2017, die einen Rührwerksbehälter aus der Chemieindustrie zur Darstellung chemischer Prozesse umfunktioniert. (dls)

Die art bodensee dauert vom

13. bis zum 15. Juli. Öffnungszeiten: täglich 11 bis 19 Uhr.

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