Abschied von Christian Altenburger

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 Der Wiener Geiger Christian Altenburger verabschiedet sich von Ochsenhausen.
Der Wiener Geiger Christian Altenburger verabschiedet sich von Ochsenhausen. (Foto: Volker Strohmaier)
Katharina von Glasenapp

Ochsenhausen - Mit einer Klaviermatinee von Gerhard Oppitz und Streicherkammermusik von Dvorak und Schubert gingen der diesjährige Schwäbische Frühling und die Intendanz von Christian Altenburger hochkarätig zu Ende. 17 Jahre lang hat Altenburger dem Schwäbischen Frühling seine persönliche Handschrift gegeben, hat allein in 51 Konzerten selbst mitgewirkt als Solist, Kammermusiker und Lehrer, hat Musikerinnen und Musiker, Studenten und Kollegen um sich geschart, die dem Publikum im Lauf der Jahre vertraut geworden sind. In den Konzerten spürte man, wie die große Familie der Musikerfreunde, die sich jeweils in den Tagen um Christi Himmelfahrt in den Räumen der Musikakademie zum Proben und Konzertieren zusammenfanden, zu einem harmonischen Ensemble wuchs.

Es sei eine tolle Zeit gewesen, sagte der Wiener Geiger in einem kurzen Rückblick, der Schwäbische Frühling sei für alle Beteiligten immer ein Höhepunkt im Jahresablauf gewesen. Stolz ist Altenburger, dass es im Programm kaum Wiederholungen gab – bei einem Schwerpunkt auf dem klassisch-romantischen Repertoire, den er hier setzte, fast ein kleines Wunder. Getragen von einem perfekt funktionierenden Organisationsteam, von einem Vorstand, der ihm in seinen Programmen Vertrauen schenkte, und einem treuen Publikum, dem sein besonderer Dank galt, hat der Musiker seine Geigentöne immer wieder aufblühen lassen.

Brausende Emotionen

Individuell wurde der Schwäbische Frühling durch die Zusammenarbeit mit der Musikakademie und die Meisterkurse mit renommierten Dozenten, deren Studenten sich ganz selbstverständlich in den Reihen der Kollegen einfanden. Die Konzerte am Samstagabend mit ihrer Ausrichtung auf Jazz, Chanson, Wortmusik oder jetzt mit dem Janoska-Ensemble haben die Tage auf dem Klosterberg ebenso geprägt wie die kundigen, fern aller trockenen Musikwissenschaft gehaltenen Einführungsvorträge durch Joachim Reiber – auch er wurde bei seinem Vortrag „Abschiede in der Musik“ mit stehendem Applaus verabschiedet.

Bevor die stets bewegenden Klänge von Schuberts Streichquintett das letzte Wort an diesem Festivalsonntag hatten, überreichte Bürgermeister Andreas Denzel Intendant Altenburger zum Dank für seine 17-jährige Tätigkeit die Bürgerehrennadel der Stadt Ochsenhausen.

Gerhard Oppitz, der renommierte Münchner Pianist und begeisterte Hobbypilot, hatte zwei Hauptwerke der Romantik gewählt, dazu einleitend eine der frühen Sonaten von Beethoven. „Konzert ohne Orchester“ wird die Sonate op. 14 von Robert Schumann genannt. Ein „Herzensschrei nach Dir“ sei sie, schrieb Schumann seiner Clara, komponiert zu einer Zeit, als die beiden noch gegen den Widerstand von Vater Wieck kämpften. Hier wurde Oppitz zum leidenschaftlichen Erzähler, der Schumanns Emotionen hochfliegen lässt. Im Mittelpunkt stand der langsame Variationensatz, dem als Thema ein Andantino von Clara zugrunde liegt.

Hatte Oppitz in den flammenden Figuren von Schumanns Finalsatz ein ganzes Orchester aufspielen lassen, so zeigte er in Modest Mussorgskis Zyklus „Bilder einer Ausstellung“ wiederum, wie stark dessen Originalfassung für Klavier ist und der Orchesterbearbeitung von Ravel eigentlich nicht bedarf. Vorausgesetzt natürlich, dass der Interpret zum Klangmaler wird, der unheimliche Gesellen oder archaische Szenen wie den vorüberziehenden Ochsenkarren, die Katakomben oder als Gegensatz das quirlige Treiben auf dem Marktplatz verwirklicht. Dämonisch aufgepeitscht klang die „Hütte der Baba Yaga“, bevor Oppitz die mächtigen Glockenklänge im „Großen Tor von Kiew“ anschwellen ließ.

Für sein letztes Konzert hatte Christian Altenburger blühende Musik von Dvorak und das großartige Streichquintett von Schubert gewählt: Mit der dänischen Geigerin Amalie Elmark, einer seiner Meisterstudentinnen in Wien, und dem französischen Bratschisten Théo De-lianne, der bei Hartmut Rohde in Berlin studiert, wurde auch wieder die junge Generation miteinbezogen. In vier Miniaturen von Dvořák ließ Altenburger seiner Studentin den Vortritt, übernahm die bewegten Figuren der Mittelstimme, während Hartmut Rohde das satte Klangfundament übernahm. Böhmische Musizierfreude vom Feinsten bestimmte die Interpretation des Streichquintetts op. 97 von Dvorak, das dieser in Amerika geschaffen hatte und das so eng mit dem berühmten Streichquartett op. 96 und der 9. Symphonie verbunden ist.

Und gemeinsam mit den beiden Cellisten Reinhard Latzko und Patrick Demenga wuchsen die Musiker bei Schubert zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammen: Hohe Konzentration, großer Atem, brausende Klänge und Standing Ovations – mehr sei für diesmal nicht gesagt angesichts dieses Meisterwerks und seiner berührenden Interpretation!

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