125 Jahre Otto Berenbold GmbH - Ein Familienbetrieb mit Tradition

  

Roland Berenbold mit den Söhnen Daniel und Martin Berenbold im Interview (v.l.) FOTO: BERENBOLD GMBH
Die Otto Berenbold GmbH in Wilhelmsdorf-Zussdorf gilt als ausführender Spezialist in den Gewerken Hoch-, Tief- und Ingenieurbau. Der traditionelle Familienbetrieb besteht seit nunmehr 125 Jahren und wird in fünfter Generation geführt. Eine stolze Leistung und ein schöner Grund, Rückblick und Vorausschau zu halten.
   
WILHELMSDORF-ZUSSDORF - Im Interview mit Geschäftsführer Roland Berenbold und seinen Söhnen Martin und Daniel Berenbold spürt man die große, fachliche Kompetenz eines jeden - ebenso das starke, familiäre Band und das Herzblut zu diesem bodenständigen Familienunternehmen.

Würden Sie sich bitte mit ein paar Worten vorstellen?
Roland Berenbold: Ich bin Baujahr 1961, verheiratet, vier Kinder, wohnhaft in Zussdorf neben dem Betrieb, im Elternhaus meines Vaters Otto. Dieses Gebäude war das Gründungshaus der Firma Berenbold. Mein Urgroßvater Titus hat es 1895 erbaut. Vor 32 Jahren haben wir es komplett renoviert. Im Betrieb bin ich seit Juli 1979. Nach meiner Lehre zum Schlosser und Kfz-Mechaniker habe ich den Baumaschinenmeister draufgesattelt.

Martin Berenbold: Ich bin zum 1. April 2016 ins Unternehmen eingestiegen. Damals habe ich mein speziell auf den Bau bezogenes BWL-Studium beendet. Gerade in jener Zeit wollte sich mein Onkel, der kaufmännische Geschäftsführer Klaus Berenbold, vom Betrieb zurückziehen. Mit meiner kaufmännischen Ausbildung weiß ich mit Zahlen was anzufangen. So habe ich die kaufmännische Leitung übernommen, mit Erneuerung der alten Strukturen in der Organisation mithilfe eines kompetenten Beraters. Unser Vater ist alleiniger Geschäftsführer, aber wir sind ein Leitungs-Team und wir arbeiten in unseren Kompetenzen uneingeschränkt. Geboren bin ich 1991.

Daniel Berenbold: Nach der Realschule habe ich eine Maurerausbildung gemacht, danach die Fachhochschulreife, und schließlich in Biberach Bauingenieurwesen studiert. Direkt nach dem Studium war ich für ein halbes Jahr in Marktoberdorf in einer Firma als Bauleiter tätig. Seit 2016 bin ich technischer Leiter im Unternehmen. In diesem Jahr werde ich 33 Jahre.

Ein Blick in die Geschichte?
Roland Berenbold: Berenbold war schon immer ein Familienbetrieb. Mein Urgroßvater, der Illwanger Titus Berenbold legte 1895 den Grundstein. Er ist früh verstorben, und mein Opa Ferdinand übernahm. Mein Vater Otto trat 1955 in das Unternehmen in der dritten Generation ein. Er war gelernter Maurer, absolvierte erfolgreich die Meisterschule, hat den Betrieb auf 35 Mann aufgebaut und somit auf ein gesundes Fundament gestellt. Anfangs war ich für den Fuhrpark zuständig, da hatte ich mit dem Baubetrieb nichts zu tun. Nachdem mein Vater Otto im Dezember 1998 verstarb, leiteten mein Bruder Klaus und ich den Betrieb gemeinsam, bis Klaus 2016 ausgeschieden ist. Zusammen mit Klaus und Werner, der Bauleiter im Hochbau war, haben wir in einer sehr schwierigen Zeit eine große Hürde überwunden. Das war nicht einfach. 2016 haben meine Söhne Martin und Daniel die Anteile meines Bruders übernommen. Mein dritter Sohn Philipp arbeitet als Capo im Tiefbau. Tochter Theresa beendet dieses Jahr ein duales BWL-Studium in einem Ravensburger Finanz-IT-Unternehmen.

125 Jahre Berenbold. Wie war und ist solch eine Erfolgsgeschichte möglich?
Martin Berenbold: Ich kann hier ab dem Zeitpunkt meines Einstiegs sagen, dass 125 Jahre zustande kommen, weil drei verschiedene Meinungen zu einer Meinung zusammengeführt werden können. Natürlich haben wir auch mal Meinungsverschiedenheiten, aber wir stehen alle mit Herzblut dahinter. Wir denken langfristig. Wenn man Höhen und Tiefen überstanden hat, das schweißt zusammen. Hätten wir diese Mitarbeiter nicht, würde es nicht funktionieren. Sie haben uns immer die Stange gehalten. Einer zum Beispiel, Johann Stett, kommt noch als Rentner zum Raupenfahren. Er ist sehr gefragt. Vor 59 Jahren hat Johann im Betrieb angefangen.

Roland Berenbold: Die Firma hatte immer treue Mitarbeiter. Mit Fleiß und Zusammenhalt haben wir Höhen und Tiefen gemeistert. Deshalb stehen wir da, wo wir heute sind.

Welche Meilensteine gab es in der Geschichte?
Roland Berenbold: In den Sechzigern hatten wir einen Lkw, heute sind es sechs. Anfang der Siebziger setzten wir speziell im Tiefbau einen der damals ersten Hydraulikbagger ein. Das war schon ein Riesensprung. Im Hochbau schafften wir 1962 den ersten Hochbaukran an, bereits ein Jahr später den zweiten zum Bau einer Schule. Mein Vater hatte immer ein Gespür, was der Betrieb braucht. Polier Karl Lerch, über 50 Jahre im Betrieb, unterstützte ihn bei Investitionsvorhaben. So war er relativ früh gut eingerichtet. Ferdinand hat ihm wohl nie viel reingeredet und ließ ihm freie Hand. 2005 hat uns die Einführung des Berstlining-Verfahrens einen großen Sprung nach vorne gebracht. Es dient der grabenlosen Erneuerung von Rohrleitungen. Immer wieder kamen mir meine Kenntnisse als Schlosser und Mechaniker zugute. Seit fünf Jahren baggern wir mit GPS-Steuerung. Das ist schon gut, wenn gute Leute mit entsprechendem Know-how da sind.

Apropos freie Hand lassen - Vater und zwei Söhne in der Geschäftsleitung. Geht das gut?
Roland Berenbold: Zwar bin ich Geschäftsführer, doch zu 95 Prozent entscheiden meine Söhne in ihren Bereichen selbstständig. Ich bin froh, dass sie da sind. Heutzutage ist es nicht selbstverständlich. Viele Unternehmen haben externe Lösungen oder die Übernahme hat nicht geklappt. Klar besprechen wir vieles gemeinsam, sonst würde es nicht funktionieren. Loslassen ist nicht immer einfach, aber es geht. Ich habe bei anderen Betrieben gesehen, was passiert, wenn die Seniorchefs nicht abgeben können und es der weiteren Entwicklung des Betriebs weh getan hat.

Wie ist der Betrieb heute aufgestellt?
Martin Berenbold: Uns geht es gut. Zum Team gehören mit Geschäftsleitung, Bauleitern, gewerblichen Mitarbeitern und Büro 41 Leute. Darunter sind weitere Familienangehörige, Tante Sylvia Berenbold-Thum, Onkel Joachim und Bruder Philipp. Auch meine Mutter Ulrike ist im Betrieb mit eingebunden. Wir sind immer auf der Suche nach gutem Fachpersonal. Aktuell suchen wir Maurer sowie Tief- und Straßenbauer, die wir gerne in unser Team integrieren möchten.

Bilden Sie auch aus?
Martin Berenbold: Ja, wir bilden die Berufe Tief- und Straßenbauer, Baugeräteführer und Maurer aus. Für 2021 suchen wir einen Azubi Kaufmann/-frau für Büromanagement, jemand mit technischem Verständnis, da der Schwerpunkt auf dem Bau liegt. Betriebsinterne Abläufe müssen schon gut organisiert werden. Wichtig sind schlanke Strukturen und ein vielseitiges Können unserer Mitarbeiter. So kann man Vertrauen schenken, denn sie sollen selber Entscheidungen treffen. Da hat man auch bei Problemen in kürzester Zeit eine Lösung. Wir sind stolz auf unsere fähigen Mitarbeiter.

Waren und sind auch aktuelle Tiefs zu überwinden?
Roland Berenbold: Krisen gab es immer wieder. In den Neunzigern gab es einen starken Einbruch in der Baubranche. Aber so abrupt, wie Corona gekommen ist, das habe ich noch nie erlebt. Aber man kann nur das Beste daraus machen.

Daniel Berenbold: Der Einbruch für den Bau in den 90er-Jahren war schon schwierig. Aber im Moment weiß keiner, wie die Auswirkungen der Corona-Krise sind. Das ist nicht vorauszusehen. Seit der Corona-Krise sieht man vermehrt, wie viele Firmen es am Markt gibt. Waren es vorher bei Submissionen, also öffentlichen Ausschreibungen, zwei bis drei, so sind es jetzt sieben bis acht, die sich bewerben. Die Sorge treibt einen schon um, dass die Kommunen nach der Krise weniger Haushaltsmittel zur Verfügung haben und nur noch das Nötigste gemacht wird. Auch die Baugebietserschließungen für den privaten Wohnungsbau werden schwieriger, wenn man nicht weiß, was die Zukunft bringt. Das kann uns auch treffen. Am Bau ist es immer zeitversetzt. Denn die Projekte, die am Laufen sind, werden immer ausgeführt. Aber was ist dann?

Martin Berenbold: Mit Corona müssen wir abwarten. Erteilte Aufträge wurden nicht zurückgezogen, bis zu den Handwerkerferien haben wir volle Auftragsbücher. Wir sind froh, dass wir im Gegensatz zu anderen Branchen wie zum Beispiel der Gastronomie arbeiten konnten. Wenn die Baubranche dazu beitragen kann, dass der Einbruch gedämpft werden kann, finde ich das gut. Wir hoffen, dass wir weiterhin genügend Aufträge der öffentlichen Hand bekommen und wir nach der Krise von der Politik nicht vergessen werden.

Sind Sie ein Innungsbetrieb?
Roland Berenbold: Ja. Mit Otto Birk hat die Innung einen engagierten, guten Obermeister. Auch die Veranstaltungsangebote der Kreishandwerkerschaft sind sehr interessant. VON ROSA LANER

Hoher Qualitätsanspruch und Zuverlässigkeit

Ihre Firmenphilosophie?
Daniel Berenbold: Abhebung durch Qualität. Im Tiefbau haben wir zu 90 Prozent Aufträge aus öffentlicher Hand. Es freut uns, dass wir hier sehr gute Rückmeldungen für unsere Arbeit bekommen.

Martin Berenbold: Wir stehen für Vertrauen, Zuverlässigkeit und Nahbarkeit.

Welche Leistungen bietet die Otto Berenbold GmbH?
Roland Berenbold: Hochbau, Tiefbau und Ingenieurbau. Berstlining und Flüssigboden. Aufträge führen wir rund 50 Kilometer um unseren Betriebssitz in Zussdorf aus. Der Betrieb hat sich laufend weiterentwickelt. Gerade beim Berstlining habe ich vieles selbst entwickelt. Wir bauen auch Hochbehälter für Trinkwasserversorgung, in den letzten zwei Jahren zum Beispiel einen mit 400 Kubik in Herdwangen. Oder auch Fischtreppen legen wir an im Zuge der Bachrenaturierung. Ich arbeite überall mit, wo es fehlt. Es bereitet mir großen Spaß auf der Baustelle, aber ich sehe die Bedeutung des Büros genauso.
    
Welche Besonderheit hat es mit dem Flüssigbodenverfahren auf sich?
Daniel Berenbold: Mit diesem besonderen Verfahren wird zeitweise fließfähiger, selbstverdichtender Verfüllbaustoff hergestellt. Das Aushubmaterial einer Baustelle wird zwischengelagert und kann für die Verfüllung wiederverwendet werden. Durch Zugabe von Zement und Compo- und wird die notwendige Mischung erreicht. Die Rezeptur wird am Computer erstellt. Die Verfüllung mit Flüssigboden hat große Vorteile. So können die Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes synergetisch erfüllt werden. Seit 1. Januar diesen Jahres gibt es eine Änderung in diesem Gesetz, und es müssen bei Baumaßnahmen 70 Prozent an Material rückgeführt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Flüssigboden erschütterungsfrei und selbstverdichtend eingebaut werden kann. Dadurch verlängert sich die Lebensdauer des Bauwerks deutlich. Durch unser Verfahren kann eine komplette Grabenverfüllung erfolgen. Diese Maschine haben wir seit einem Jahr und das Verfahren erfolgreich an verschiedenen Baustellen angewandt, aktuell am Goetheplatz in Ravensburg. Auch den Graben vom Regenwasserkanal in Wilhelmsdorf haben wir mit Flüssigboden verfüllt. Es kann angewandt werden im Kanalbau, Rohrleitungsbau und u. a. im Hochbau zur Arbeitsraumverfüllung. Im oberschwäbischen Raum sind wir bisher die einzigen, die das anbieten.
       
Wie sieht es mit Fortbildungen aus?
Martin Berenbold: Weiterbildung geschieht auf Eigeninitiative unserer Mitarbeiter. Hier gibt es gute Angebote über die Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Vor kurzem waren vier unserer Mitarbeiter in Sigmaringen auf einem zweiwöchigen Vorarbeiterkurs. Alle vier haben die Prüfung erfolgreich bestanden.

Daniel Berenbold: Wenn Interesse der Mitarbeiter besteht, bieten wir das gerne an.
     
Wie pflegen Sie Beziehungen zu Ihren Kunden?
Martin Berenbold: Die Kunden sind zu zwei Dritteln öffentliche Hand und zu einem Drittel Private. Dazu gehören Bauträger, private Häuslebauer, Unternehmen oder auch landwirtschaftlicher Stallbau. Wir versuchen, mit allen Auftraggebern und Ingenieurbüros in gutem Austausch zu sein, dasselbe gilt im Hochbau.

Roland Berenbold: Als geselliger Mensch habe ich schon immer gerne persönliche Kontakte gepflegt und ich bin viel in Vereinen tätig, unter anderem als Vorstand im SV Zussdorf. So lernt man jemanden kennen. Das Vereinsleben und der persönliche Austausch sind wichtig. Auch mein Vater hat es schon so gemacht. Er hatte eine Gipser- und Fliesenlegerkolonne, da bekam er viele Aufträge für Renovierungen bei uns im ländlichen Raum. Bis in die Achtziger war mein Vater kundenmäßig stark in der Landwirtschaft tätig mit Stallbau und dergleichen. Das hat sich schon gewandelt. Mit dem Ingenieurbau haben dann erst wir angefangen.
      
Wem gilt Ihr Dank?
Daniel Berenbold: Unser besonderer Dank geht an Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten, mit denen wir zusammenarbeiten. In meinem Bereich, dem Tiefbau, haben wir eine faire, partnerschaftliche Zusammenarbeit, die gut funktioniert.

Roland Berenbold: Mein persönlicher Dank an meinen Bruder Klaus, der viel auf sich genommen hat. Und mein Dank an alle Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten.

Martin Berenbold: Unsere Mitarbeiter sind unser kostbarstes Gut. Auch alle Familienmitglieder haben schon immer viel Herzblut und Engagement investiert. Man kann nur stark sein, wenn Mitarbeiter und Familie zusammenhalten, wenn es darauf ankommt. Das ist bei Berenbold so. Als Dankeschön an unsere Mitarbeiter planen wir für Herbst einen Betriebsausflug und zudem Job-Bikes, die wir auf Leasingbasis zur Verfügung stellen.
  
Was wünschen Sie dem Betrieb?
Martin Berenbold: Volle Auftragsbücher, ohne die Umwelt zu vernachlässigen. Dass die Baubranche nach der Coronakrise nicht vergessen und weiter investiert wird. Dass es weiterhin Ausschreibungen und Projekte gibt. Denn es sind zwei Drittel unserer Arbeiter im Tiefbau eingesetzt. Auch wünsche ich mir einen Abbau der vorgegebenen Riesen-Bürokratie und der unendlichen Dokumentationen. Das Wort sollte wieder mehr zählen. Wir müssen zusammenstehen und mehr aufeinander achten.

Daniel Berenbold: Nach der Krise ein wieder einigermaßen normales Leben führen zu können.

Roland Berenbold: Weiterhin so gute Mitarbeiter zu haben, das ist der Grundstock jeder Firma. Viele kreative Ideen und Innovationen. Ständige Weiterentwicklung, Modernisierung, immer einen Schritt voraus zu sein.
        
Wird nach der Coronazeit gefeiert?
Martin Berenbold: Wir planen im nächsten Jahr einen Tag der offenen Tür. Da wollen wir auch die Zussdorfer Vereine mit ins Boot holen. Der Erlös soll den Vereinen zugutekommen. lan

www.otto-berenbold.de