In rund 350 anerkannten Berufen werden die künftigen Fachleute „dual“ ausgebildet

Die duale Ausbildung findet im Betrieb und in der Berufsschule statt. FOTOS: COL
Die duale Ausbildung ist in Deutschland die häufigste Form der Berufsausbildung. Viele Jugendliche starten jedes Jahr ihren beruflichen Weg mit einer dualen Ausbildung. Das „Duale Modell“ in Deutschland wird weltweit bewundert und für immer mehr Länder zum Vorbild.

REGION - In rund 350 der staatlich anerkannten Ausbildungsberufen wird „dual“ ausgebildet. „Dual“ bedeutet dabei, die zweigeteilte Form der Ausbildung an zwei verschiedenen Ausbildungsorten. In der Berufsschule lernen die Auszubildenden das theoretische Fachwissen und im Ausbildungsbetrieb bekommen sie die praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten beigebracht.

Fachleute sind sich einig, dass die Kombination aus theoretischer Bildung in der Berufsschule und praktischer Ausbildung im Betrieb das Besondere an der dualen Berufsausbildung ist. Der Unterricht an der Berufsschule findet normalerweise an einem oder zwei Tagen pro Woche neben der betrieblichen Arbeit statt. Bei einigen Ausbildungen wird der Schulunterricht in Blockform abgehalten. Das heißt, dass die Berufsschule und der Ausbildungsbetrieb abwechselnd für einige Wochen am Stück besucht werden.

Ein weiterer Vorteil der dualen Ausbildung liegt in der einheitlichen Regelung. Bundesweit geltende Ausbildungsordnungen sorgen dafür, dass jeder angehende Handwerker während seiner Ausbildung dasselbe Wissen und Können erwirbt und am Ende die gleiche Qualifikation hat. So können sich auch die Arbeitgeber auf die Ausbildung ihrer künftigen Fachkräfte verlassen.

Nach der dualen Ausbildung wartet die Karriereleiter

Die Ausbildungsberufe im dualen System lassen sich in fünf Bereiche mit jeweils ganz unterschiedlichen Ausbildungsberufen einteilen. In der Industrie und im Handel, werden beispielsweise Bankkaufleute, Verkäufer, Versicherungskaufleute oder Industriemechaniker ausgebildet. Vom Augenoptiker über Bäcker, Friseur, Maler und Metzger bis zum Brauer, Mälzer oder Lackierer reicht die große Bandbreite der Ausbildungsberufe im Handwerk. Forstwirt, Gärtner, Landwirte oder Hauswirtschafter können ihren Beruf im dualen System des Bereiches „Landwirtschaft“ lernen. Auch im öffentlichen Dienst gibt es viele Möglichkeiten einen Beruf während einer dualen Ausbildung zu erlernen. Und medizinische oder pharmazeutische Fachangestellte sind freie Berufe, die im dualen System ausgebildet werden.

Die duale Ausbildung ist durch das Berufsbildungsgesetz (BBiG) und die Ausbildungsverordnungen der einzelnen Berufe geregelt. Darin sind die Rahmenbedingungen der Ausbildung festgelegt, wie etwa die Rechte und Pflichten von Azubi und Ausbilder oder die Ausbildungsinhalte. Wie die Ausbildung im Einzelnen geregelt ist, legt der Ausbildungsvertrag fest. Die für die duale Ausbildung zuständigen Stellen, also etwa die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer, kontrollieren die Ausbildung und führen die Prüfungen durch. Rein rechtlich gibt es keine bestimmten Voraussetzungen, um einen Beruf nach dem dualen System zu erlernen. Prinzipiell kann laut BBiG jeder auch jede beliebige duale Ausbildung absolvieren, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Schulabschluss. In der Praxis sind natürlich Mindestanforderungen festgelegt, die Bewerber erfüllen sollen, also etwa einen bestimmten Abschluss oder gute Noten in einzelnen Fächern.

Je nach Ausbildungsberuf dauert eine duale Ausbildung in der Regel zwischen 2,5 und 3,5 Jahre. Dabei können der Schulabschluss oder die Leistungen während der Ausbildung zu einer Ausbildungsverkürzung oder -verlängerung führen. Laut Paragraf 17 des Berufsbildungsgesetzes hat jeder Auszubildende den Anspruch auf eine „angemessene Ausbildungsvergütung“. Die ist je nach Branche, Ausbildungsberuf und Ausbildungsbetrieb unterschiedlich hoch. Während der dualen Ausbildung finden im Normalfall zwei wichtige Prüfungen statt. Die sogenannte Zwischenprüfung wird in der Mitte der Ausbildung abgelegt und soll zeigen, dass der Auszubildende gute Fortschritte macht und die bisherigen Inhalte erfasst hat. Mit Bestehen der Abschlussprüfung, das Handwerk spricht von der Gesellenprüfung, ist die Ausbildung beendet.

Mit der Berufsausbildung muss aber nicht Schluss sein. In vielen Bereichen kann man Weiterbildungen absolvieren und damit auch auf der Karriereleiter aufsteigen. Im Handwerk zum Beispiel mit einem Meisterbrief. Daneben gibt es viele weitere Möglichkeiten, die sich nach der Ausbildung eröffnen, etwa Weiterbildungen, Zweitausbildungen oder ein Aufbaustudium. Und wer Abitur, fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife hat, kann mit einem dualen Studium die Kombination aus beruflicher Ausbildung und Studium wählen.