Der vorsichtige Start in den Ausstieg aus den Corona-Beschränkungen geht weiter

Beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln besteht jetzt Maskenpflicht ab sechs Jahren. FOTO: COL
Am 20. April traten die ersten Lockerungen der Corona-Beschränkungen für den Handel in Kraft. Kleinere Geschäfte mit einer Quadratmeterzahl von bis zu 800 durften wieder öffnen, größere Geschäfte und Kaufhäuser mussten geschlossen bleiben.

REGION - Eine neue Regelung besagt nun, dass auch größere Geschäfte, die ihre Verkaufsfläche räumlich auf 800 Quadratmeter verkleinern, wieder geöffnet haben dürfen, sofern der Brandschutz gewährleistet ist und die Notausgänge zugänglich sind. Die Ladeninhaber sind auch verpflichtet, dafür zu sorgen, dass bei einer möglichen Warteschlange vor den Geschäften der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird. Hygienestandards, Abstandsgebote und eine Steuerung des Zutritts gelten natürlich für alle Geschäfte gleichermaßen.

Seit dem 27. April gibt es zudem eine Maskenpflicht in Baden-Württemberg. Personen ab sechs Jahren müssen im öffentlichen Personennahverkehr, also in U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen sowie an Bahn- und Bussteigen oder Haltestellen, sowie in Geschäften und Einkaufszentren eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Ein Verstoß gegen die Maskenpflicht gilt als Ordnungswidrigkeit und kann demnach mit einem Bußgeld belegt werden. Wie lange die Maskenpflicht gelten wird, hängt, wie viele andere Entscheidungen auch, von der weiteren Entwicklung der Infektionszahlen ab. 

Geduld und einen langen Atem haben

Die Erleichterung der Gewerbetreibenden war groß, als sie ihre Geschäfte endlich wieder öffnen konnten, aber einen Ansturm auf die Läden hat niemand ernsthaft erwartet. Es war also keine allzu große Überraschung oder Enttäuschung, dass der Andrang nach wochenlanger Schließung sehr verhalten war oder nahezu ganz ausgeblieben ist.

Die Verbraucher sind nicht in Konsumlaune, sie halten ihr Geld zusammen, viele haben Kurzarbeit oder fürchten um den Erhalt ihres Arbeitsplatzes. Wie lange diese instabiler werdende Beschäftigungslage anhalten wird, das vermag niemand zu beantworten und infolgedessen werden dem heimischen Konsumklima schwere Zeiten bevorstehen.
 
Ehinger Energie
In der Corona-Krise wird unser aller Geduld auf eine harte Probe gestellt und Geduld ist eine Fähigkeit, die ziemlich aus der Mode gekommen ist. Wir haben bis vor wenigen Wochen in einer Gesellschaft gelebt, die ein atemberaubendes und dicht getaktetes Lebenstempo aufgenommen hatte. Immer noch schneller und immer noch mehr Aktivitäten, in immer kürzeren Zeitabständen. Kein Wunder, wenn da der sogenannte Geduldsfaden öfter gerissen ist und die Ungeduld unser Taktgeber war. Und nun ist plötzlich alles anders. Geduld ist gefragt, warten können und dennoch zuversichtlich und optimistisch bleiben. Es bleibt uns keine Alternative, wir müssen uns damit arrangieren und auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Hinzu kommt, dass niemand weiß, wie lange diese Durststrecke und die damit verbundenen Einschränkungen noch andauern werden. Und da kommt der sprichwörtliche „lange Atem“ ins Spiel. Ein Läufer beispielsweise, der für einen 800-Meter-Lauf an den Start geht, weiß genau, dass er nach zwei Stadion-Runden die Ziellinie erreicht haben wird und das Rennen vorbei ist. Er kann sich seine Kräfte und Ressourcen einteilen, weil er eben die Streckenlänge und seine Ziellinie genau kennt. Er hat für sich eine klare und zeitlich begrenzte Perspektive, in deren Bandbreite er sich bewegt. In dieser glücklichen Lage befinden wir uns leider nicht, wir laufen zwar, aber wir haben keine Ahnung, wie weit die Ziellinie entfernt ist. Sind es fünf Runden oder zehn? Oder müssen wir uns gar auf einen Marathonlauf einstellen?

Die kurz- und mittelfristige Planung unserer Zukunft wird schwierig. Wir sind auf verlässliche Zahlen angewiesen und die können sich abrupt ändern. Von einer verbindlichen Planungssicherheit sind wir weit entfernt. Ein wichtiger Ansatzpunkt wird sein, was wir aus dieser Krise lernen können, und ob wir unsere gewonnenen Erfahrungen in unsere Verhaltensweisen und unsere Lebensplanung integrieren wollen. Aber das sind Fragen, die wir uns erst in naher oder weiterer Zukunft stellen müssen. Das Gebot der aktuellen Stunde lautet nach wie vor: Weiterhin Geduld und einen langen Atem haben.