Verhaltensregeln in Zeiten von Corona

Dr. Monika Spannenkrebs, Leiterin des Kreisgesundheitsamts, gibt Tipps. FOTO: VOLKER STROHMAIER
Das Thema Corona-Virus wird uns alle sicher noch einige Zeit beschäftigen.

BIBERACH/ LAUPHEIM - Welche Verhaltensregeln sind am wichtigsten, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, wenn man zum Einkaufen geht, sich auf öffentlichen Plätzen aufhält – oder auch in den eigenen vier Wänden im Kreise der Familie.

Die „Schwäbische Zeitung“ hat dazu Dr. Monika Spannenkrebs, die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes in Biberach befragt.

Was sollen die Menschen beim Einkaufen beachten, um sich und andere nicht zu gefährden?
  
Gründliches Händewaschen mit Seife ist wichtig, um sich zu schützen. FOTO: ANDREA WARNECKE
Gründliches Händewaschen mit Seife ist wichtig, um sich zu schützen. FOTO: ANDREA WARNECKE
Auch beim Einkaufen gelten die Abstand- und Kontaktregeln, also mindestens 1,5, besser zwei Meter Abstand zu anderen Kunden.

Bitte dringend selber Husten- und Niesetikette einhalten.

Es sind bisher keine Übertragungen über das Berühren von Einkaufswagen, Türklinken, Kartenterminals, Bargeld oder ähnliches bekannt, es wird dennoch geraten, sich möglichst wenig mit den Händen ins Gesicht zu fassen.

Wenn man heimkommt, sofort Hände und auch Obst und Gemüse gründlich waschen.

Ist es notwendig, Desinfektionsmittel für die Hände zu verwenden, oder reicht sorgfältiges Händewaschen?

Wichtig ist nach wie vor das Händewaschen mit ausreichend Seife, mindestens 20, besser 30 Sekunden. Ein Händedesinfektionsmittel ist anschließend nicht zwingend notwendig.

Was ist zu Hause zu beachten? Welche Empfehlungen gibt es da?

Innerhalb der Familie, mit der man unter einen Dach lebt, gibt es neben der sorgfältigen Basishygiene keine besonderen Schutzmaßnahmen und Empfehlungen, solange niemand erkrankt oder Kontaktperson zu einem bestätigten Fall ist.

Dann gelten besondere Regeln, die den Betroffenen im Einzelfall erläutert werden.

Wichtig ist aber, auf Verwandtschaftsbesuche zu verzichten, auch wenn es schwer fällt. Kontakt zu Angehörigen und Freunden kann man übers Telefon, Internet oder soziale Medien pflegen.

Wie lange wird uns Ihrer Einschätzung nach die Covid-19-Problematik noch beschäftigen?

Das ist eine sehr gute Frage, die uns alle stellen. Das können derzeit weder Wissenschaftler noch Politiker beantworten. Und auch ich will mich an Spekulationen nicht beteiligen. son

„Bitte unterstützen Sie unsere Betriebe“

Steffen Schweizer - BDS Laupheim. FOTO: WWW.SIMONGALLUS.DE
Steffen Schweizer - BDS Laupheim. FOTO: WWW.SIMONGALLUS.DE
Wie es dem Handel und den Dienstleistern geht, dazu hat die „Schwäbische Zeitung“ Steffen Schweizer, Vorsitzender des BDS – Bund der Selbständigen, gesprochen.

LAUPHEIM -Der Handel und die Dienstleister seien sehr schnell von den Auswirkungen der Corona-Krise und deren Beschränkungen betroffen gewesen, sagt Schweizer. „Von heute auf morgen ist der Umsatz für viele nahezu ausgefallen.“

Das habe vor allem und zuerst den Einzelhandel, die Gastronomie und die Hotelbranche getroffen.

Auch alle anderen Dienstleistungen wie Friseure, Massage- und Physiopraxen, bestimmte Ärzte und Zahnärzte seien sehr eingeschränkt beziehungsweise dürfen ihre Dienste nicht mehr anbieten.

Die Betroffenen versuchten jetzt sich mit verschiedenen Maßnahmen über Wasser zuhalten.

„Ein Ziel dabei ist jetzt, ihre laufenden Kosten zu senken, etwa indem sie Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter anmelden.

Eine Möglichkeit ist auch, mit dem Vermieter über eine Stundung der Miete zu sprechen.“ Bei eigenen Immobilien empfehle sich ein Gespräch mit der Bank und sich dahingehend beraten zu lassen, ob Tilgungsraten für Kredite ausgesetzt werden können, so Schweizer.

Auch die Steuerberater seien derzeit sehr aktiv und versuchten, ihren Mandanten zu helfen, indem ans Finanzamt zu leistende Steuervorauszahlungen möglichst auf Null gesetzt werden.

„Eine Hilfe von Seiten der Politik gibt es in Form von Sofort- oder Direkthilfen,“ sagt der BDS-Vorsitzende. Erste Gelder seien schon geflossen.

„Dabei bekommen Unternehmen bis 50 Mitarbeiter Geld vom Staat.“
    
Leere Strassen und geschlossene Geschäfte prägen derzeit Laupheims Innenstadt. FOTO: BARBARA BRAIG
Leere Strassen und geschlossene Geschäfte prägen derzeit Laupheims Innenstadt. FOTO: BARBARA BRAIG
Die Landesregierung habe aufgrund der massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Baden-Württembergische Wirtschaft ein branchenübergreifendes Soforthilfeprogramm aufgesetzt.

Seit Mittwoch, 25. März, können Soloselbststständige, gewerbliche Unternehmen und Sozialunternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten ebenso wie Angehörige der Freien Berufe oder Künstler, die unmittelbar durch die Corona-Krise wirtschaftlich geschädigt sind, finanzielle Soforthilfen beantragen.

Mit der Förderung im Rahmen des Soforthilfeprogramms soll deren wirtschaftliche Existenz gesichert werden.

Die Förderung erfolgt im Rahmen eines einmaligen, nicht rückzahlbaren Zuschusses, zunächst für drei Monate, in Höhe von bis zu

- 9000 Euro für Soloselbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten,
- 15 000 Euro für Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten,
- 30 000 Euro für Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten. Diese Soforthilfen würden ohne große bürokratische Hürden bewilligt, sagt Steffen Schweizer.

„Allerdings kann es sein, dass nachträglich der Nachweis der Bedürftigkeit erbracht werden muss.“ Auch müsse die Soforthilfe versteuert werden.

„Für andere, größere Betriebe gibt es die Möglichkeit, ein Darlehen bei der Kfw-Bank zu beantragen.“

Der Nachteil dabei sei aber, dass dieses in relative kurzer Zeit zurückbezahlt werden müsste.

„Im ersten Jahr muss nichts bezahlt werden, aber in den folgenden vier Jahren der komplette Kreditbetrag. Meiner Meinung nach wäre es besser, die Rückzahlung auf zehn Jahre zu verteilen.“

Diese Kreditanträge würden auch dahingehend geprüft, ob es dem Unternehmen, anhand der Umsätze der letzten Jahre, überhaupt möglich ist, die kommenden Kreditraten zu begleichen.

Durch viele Aktionen versuchten die betroffenen Unternehmen und Dienstleister aber auch sich selber zu helfen: „Indem sie sich bemerkbar machen, telefonisch weiterhin erreichbar sind und ihre Leistungen im Internet präsentieren.“

An die Kunden appelliert Schweizer:

„Bitte unterstützen Sie die Laupheimer Betriebe und Unternehmen, wo immer Sie dies als Kunde und Auftraggeber tun können." son