Helfen Sie sich selbst und dem Handel – kaufen Sie Gutscheine!

Ostern wird dieses Jahr anders als gewohnt. Warum also nicht einfach mal Einzelhandels-Geschenkgutscheine ins Osternest legen? Als Akt der Solidarität, den der Einzelhandel gerade jetzt ganz dringend nötig hat. FOTOS: SCHWARZ (3) / HBW
Ostern, wie es immer war, fällt dieses Jahr aus – sagt Kanzlerin Angela Merkel. Leider! Corona verändert das Osterfest in vielen Details – und auch den Inhalt der Osternester. Viele Geschenke, die für Ostern 2020 geplant waren, sind im Moment einfach nicht zu bekommen. Ja und? Schlagen Sie dem Virus ein Schnippchen und verschenken Sie einfach Gutscheine! Dann kommt der Geschenke-Lieferservice namens Osterhase dieses Jahr eben etwas später vorbeigehoppelt. Kaufen Sie die Gutscheine aber unbedingt bei Ihrem Einzelhändler um die Ecke und nicht im Internet. Die Möglichkeit dazu besteht. Damit tun Sie gleichzeitig ein gutes Werk. Gerade jetzt hat „Ihr“ Einzelhändler Ihre Hilfe dringend nötig. Wie dramatisch die Situation tatsächlich ist, zeigt das Interview, das wir mit Sabine Hagmann, der Vorsitzenden des Handelsverbandes Baden-Württemberg, geführt haben.

Frau Hagmann, kommen die meisten Einzelhandelsgeschäfte mit den Summen, die sie aus dem Corona-Rettungsschirm der Landesregierung bekommen, tatsächlich über die Runden? Oder ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Sabine Hagmann: Der erste Rettungsschirm ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, den wir sehr begrüßen. Jetzt ist es zum einen wichtig, dass die Maßnahmen so schnell wie möglich umgesetzt werden, um den Schaden der Händler möglichst gering zu halten. Es ist aber tatsächlich nur ein erster Tropfen auf den heißen Stein, um die allergrößte Not zu decken. Wir brauchen zum einen dringend auch finanzielle Soforthilfen für Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern, gegebenenfalls mit mehreren Filialen. Diese benötigen ebenfalls dringend Liquidität und Unterstützung.

Wie viele sind das?
    
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Das sind circa 6000 Unternehmen in Baden-Württemberg, tief verwurzelt in den Städten. Handelsgeschäfte, die in der derzeitigen Situation jedoch keine finanzielle Hilfe bekommen, mit der sie ihre Umsatzausfälle kompensieren können, können maximal vier bis sechs Wochen überleben, dann sind sie insolvent. Und wir benötigen einen Rettungsfonds für die ohne eigenes Verschulden erfolgten Schäden im Einzelhandel, um die Strukturen im Handel in den Städten auch in Zukunft in Baden-Württemberg erhalten zu können.

Welcher Prozentsatz an Einzelhändlern kann in der Krise trotzdem noch Umsätze generieren (Online-Shops, Lieferservice etc.)?

Maximal 40 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte sind Unternehmen, die systemrelevant sind und noch öffnen oder ausliefern können und dürfen. Die Umsätze könnten jedoch höher sein. Hier appellieren wir an alle Bürger, bei ihren regionalen Geschäften zu bestellen und diese Strukturen dadurch zu unterstützen und eher nicht bei den großen Versendern zu kaufen.
Wie viele Einzelhändler in Baden-Württemberg sind Ihrer Schätzung nach von der Insolvenz bedroht?

Wir werden viele Tausende von Insolvenzen haben, wenn nicht eine hohe Unterstützung kommt und die Unternehmen nicht für die zwangsweisen Schließungen Entschädigungen er halten. Damit einher werden dann auch große Arbeitsplatzverluste gehen.

Wie wichtig ist es deshalb gerade jetzt, den Einzelhandel beispielsweise mit Gutscheinen zu Ostern oder auch sonst bei jeder Gelegenheit, zu unterstützen.

Immens wichtig. Denn das ist auch ein Akt der Solidarität und der gesellschaftlichen Verantwortung.

Drohen uns nach der Krise sonst gar „amerikanische Verhältnisse“ ohne Geschäfte in den Innenstädten?

Die Corona-Krise bedeutet nicht nur einen immensen wirtschaftlichen Schaden, der, wie gesagt, mit hohen Arbeitsplatzverlusten einhergeht, sondern zugleich einen unwiderruflichen Verlust für die Attraktivität der Städte und die breite Versorgung und Einkaufsvielfalt der Bevölkerung. Schließlich sind die Handelsstrukturen systemrelevant für das Kulturgut „europäische Stadt“: Deshalb nochmals unser Aufruf: Kauft lokal!

Ist der Einzelhandel in den Innenstädten also auch ein Stück gewachsener deutscher Tradition, vielleicht sogar „Kultur“, die es mit aller Macht zu erhalten gilt?

Auf jeden Fall. Die Städte mit Einzelhandel, Gastronomie und Kultur, Banken, Handel, Handwerk, und Wohnen sind unsere DNA, dieses Konstrukt müssen wir retten. CHRISTIAN SCHWARZ

Sabine Hagmann

... ist Vorsitzende des Handelsverbandes Baden-Württemberg (HBW). Dieser fungiert als Spitzenverband für den Einzelhandel in Baden-Württemberg und vertritt die politischen Interessen von über 40 000 Handelsunternehmen in Baden-Württemberg gegenüber Politik und Gesellschaft. Der Handel stellt den drittgrößten Wirtschaftszweig in Baden-Württemberg dar mit 500 000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern, ca. 18 000 Auszubildenden und einem Umsatz von ca. 90 Mrd. Euro.