Jetzt muss das Auto von den „winterlichen Lasten“ befreit werden

Jetzt ist die Zeit, um die Reifen zu wechseln. FOTO: COLOURBOX
Wenn durchgängig höhere Temperaturen zu erwarten seien, dürfe an Sommerreifen kein Weg vorbeiführen, betonen Kfz-Experten. Aber es gibt rund um das Auto jetzt noch mehr zu tun. Weil der Winter den Autos stark zugesetzt hat, muss der fahrbare Untersatz jetzt von den „winterlichen Lasten“ befreit werden.

REGION - Grundsätzlich gilt für den Tausch von Winterreifen gegen Sommerreifen die Faustregel, dass „von O bis O“, also von Ostern bis Oktober, mit Sommerreifen gefahren werden soll. Wenn durchgängig höhere Temperaturen zu erwarten seien, dürfe an Sommerreifen kein Weg vorbeiführen, betonen Kfz-Experten. Fachleute haben festgestellt, dass Sommerreifen bei warmen Temperaturen einen bis zu zehn Prozent kürzeren Bremsweg haben als Winterreifen. Außerdem ist bei Sommerreifen in der heißen Jahreszeit der Abrieb geringer und das Auto verbraucht durch den geringeren Rollwiderstand bis zu fünf Prozent weniger Kraftstoff. Sommerreifen bestehen aus einem Gummigemisch, das auch bei hohen Temperaturen nicht zu weich wird und daher eine geringe Abnutzung, bestmöglichen Fahrkomfort und optimale Sicherheitsbedingungen gewährleistet.

Von „O bis O“ nur mit Sommerreifen fahren

Vor der Montage der Sommerreifen muss aber die ausreichende Profiltiefe geprüft werden. Und wenn die Winterreifen im nächsten Winter wieder gefahren werden sollen, müssen sie richtig gelagert werden. Als Vorbereitung für die nächste Wintersaison raten Experten, die Räder und Reifen zu reinigen und mit Kreide zu kennzeichnen, welches Rad an welcher Stelle montiert war. Bei der Lagerung von Winterreifen auf Felgen spiele es keine Rolle, ob sie liegend oder hängend aufbewahrt werden. Der Lagerungsort sollte aber kühl, dunkel und trocken sein, sagen Experten.

Weil der Winter den Autos stark zugesetzt, muss der fahrbare Untersatz jetzt von den „winterlichen Lasten“ befreit werden. Kfz-Fachleute empfehlen nach dem Winter eine Frühjahrskur fürs Auto. Nicht nur wegen der Optik, sondern weil sich damit Ärger und Kosten sparen lassen und die Fahrzeugpflege auch der Sicherheit dient.

Am Anfang der Frühjahrskur fürs „Heilige Blechle“ muss eine gründliche Reinigung stehen. Vor der Fahrt in die Waschanlage sollten hartnäckige Schmutzpartikel mit dem Dampfstrahler entfernt werden, weil sie „sonst wie Schmirgelpapier wirken könnten“, sagen Kfz-Experten. Und weil Streusalz den Wagen auch von unten angreift, ist die Unterbodenwäsche im Frühjahr ein unbedingtes Muss.

Außerdem muss die Feuchtigkeit des Winters aus dem Innenraum des Autos. Also Fußmatten raus und gründlich reinigen. Ist der Fußraum nass, helfen ein paar alte Zeitungen, die die Feuchtigkeit aufsaugen. Auch ein Suppenteller mit Salz entzieht die Nässe. Oft sehen Verkleidungen und Armaturenbrett nach dem Winter ein bisschen mitgenommen aus. Hier helfen lauwarmes Wasser, ein bisschen Spülmittel und ein Küchentuch. Beim Umgang mit Wasser aber immer an die Elektronik des Fahrzeugs denken und keine scharfen Reiniger verwenden, die verträgt der Kunststoff nicht. Entstandene Lackschäden kommen meist erst zum Vorschein, wenn das Auto gründlich gereinigt ist. Kleinere Schäden lassen sich vielleicht rauspolieren oder mit einem Lackstift beheben. Bei größeren Schäden sollte unbedingt der Fachmann ans Werk gehen. Nur so kann verhindert werden, dass Rost ansetzt und sich in den Wagen frisst.

Aber nicht nur Lack und Innenraum, auch der Motor braucht Frühjahrspflege. Die Motorwäsche sollte aber unbedingt dem Fachmann überlassen werden, weil sonst schnell Schäden entstehen. Und vom Experten sollte auch die Fahrzeugtechnik, Beleuchtung und Bremsen sowie alle Flüssigkeits- und Ölstände nach dem Winter geprüft werden. Zudem ist im beginnenden Frühjahr der richtige Durchblick wichtig. Deshalb müssen Spiegel und Scheiben nicht nur gereinigt, sondern die Scheibenwischer überprüft oder vielleicht sogar erneuert werden.

Auch Motoradfahrer sollten vor der ersten Ausfahrt ihre Maschine überprüfen oder besser überprüfen lassen. Der Stand von Motoröl, Bremsflüssigkeit und Kühlmittel ist genauso wichtig, wie ein Batteriecheck, die Kontrolle der Bremsen und der Lichtanlage sowie der Reifen. Fachleute raten: „Können Mängel nicht sofort behoben werden, sollen Motorradfahrer ihre erste Tour besser verschieben. Außerdem sollten wichtige Funktionen wie die Bremsen zunächst in einem ruhigen Verkehrsbereich im Fahrbetrieb nochmals überprüft werden“. Unfallforscher haben festgestellt, dass das Unfallrisiko für Motorradfahrer rund 16-mal so hoch ist wie für Autofahrer. Um sicher in die Motorradsaison zu starten, gehöre deshalb nicht nur eine intakte und gepflegte Maschine und eine gute Ausrüstung, sondern auch eine gewisse körperliche Fitness sowie fahrerisches Können. Experten raten, sich in Motorradtrainings auf das „erste Aufsatteln der Maschine“ vorzubereiten.

Einen ganz besonders intensiven Frühlingscheck, so die Experten, brauchen Oldtimer und Youngtimer. Die haben den Winter meist gut geschützt in Garagen oder Hallen verbracht und brauchen jetzt die Aufmerksamkeit von Fachleuten. Die ausgebaute Batterie überprüfen und einbauen, Öl und Wasser prüfen, eventuell Scheibenwischer austauschen, die Lichtanlage und Bremsen checken sowie eine sorgfältige Reinigung sind auch hier nötig. Wenn der Motor nicht nach den ersten Versuchen anspringt, bringe „Weiterorgeln“ gar nichts, sagen die Experten. Karl-Heinz Burghart