Kraftfahrzeugmechatroniker im Trend

Der traditionelle Brunnensprung lockt regelmäßig viele Besucher nach Munderkingen. FOTO: KHB

Im Interview spricht Franz Moosherr, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ravensburg, über Fachkräftemangel, beliebte Ausbildungsberufe und über Branchen, die drohen auszusterben.

Fachkräftemangel ist immer wieder ein Thema: Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage?

Der Fachkräftemangel ist und bleibt die zentrale Herausforderung des Handwerks. Viele Betriebe suchen aufgrund der nachhaltig guten Konjunktur händeringend Fachkräfte. Da der Fachkräftemarkt leer gefegt ist, müssen die Betriebe mehr denn je ausbilden. Wünschenswert wäre, wenn sich die Zahl der ausbildenden Betriebe erhöht. Die Betriebe müssen sich aber auch, um das bestehende Personal im Handwerk zu halten, als attraktive Arbeitgeber positionieren.

Welche Ausbildungsberufe sind derzeit besonders beliebt?

Ganz oben auf der Hitliste der Ausbildungsberufe im Handwerk stehen nach wie vor die Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker, Friseure, Anlagenmechaniker im Sanitär-Heizung-Klima-Handwerk, Zimmerer, Schreiner und Maler. Dies hängt natürlich auch damit zusammen, dass hier besonders viele Ausbildungsplätze angeboten werden und diese Ausbildungsberufe bei den Jugendlichen bekannter sind.

Drohen einige Branchen auszusterben, wenn es keinen Nachwuchs gibt?

Ich mache mir derzeit etwas Sorgen um das Nahrungsmittelhandwerk. Unsere mittelständischen Betriebe können in dieser Branche nur dann auch in Zukunft in ausreichender Anzahl Qualitätsprodukte anbieten, wenn es ihnen gelingt mehr Jugendliche für eine Ausbildung z. B. als Fleischer, Bäcker oder Fachverkäufer im Nahrungsmittelhandwerk zu begeistern. Auch sie bieten attraktive Ausbildungsplätze mit hervorragenden Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten an. Ich kann jungen Menschen nur empfehlen, sich z. B. in einem Praktikum ein persönliches Bild über diese Ausbildungsberufe zu machen. Für die Verbraucher wäre es auch sehr bedauerlich, wenn die handwerklichen Qualitätsprodukte immer mehr von den Billiganbietern verdrängt würden.

Was tun örtliche Betriebe, um dem entgegen zu wirken?

Die Handwerksbetriebe versuchen z. B. mit Hilfe von Bildungspartnerschaften den Kontakt zu den Schulen zu intensivieren, bieten Praktikumsplätze an und präsentieren sich gemeinsam mit Ihrer Fachinnung auf den Bildungsmessen. Sie unterstützen darüber hinaus mit ihrer Innungsmitgliedschaft die vielfältigen Aktivitäten ihrer Handwerksorganisation wie beispielsweise die Handwerker-Games, bei denen mit großem Erfolg Lust auf die handwerkliche Ausbildung geweckt wird.

Demmel AG

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten sind derzeit attraktiv? Ist ein Trend erkennbar?

Nach wie vor, stehen, ohne dass ein deutlicher Trend nach oben erkennbar ist, der Meisterbrief sowie gewerkspezifische Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen hoch im Kurs. Wir erhoffen uns mit der Einführung der Meisterprämie sowie der in Kürze in Kraft tretenden Novellierung des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes insbesondere einen Zuwachs an Meisterprüfungen.

Welchen Vorteil versprechen Sie sich von der Wiedereinführung der Meisterpflicht der 12 Handwerksberufe seit Anfang 2020?

2004 hat der Gesetzgeber gegen den Widerstand des Handwerks die Meisterpflicht in 53 Handwerksberufen aufgehoben. Dies erwies sich als großer Fehler, weil dadurch viele nicht qualifizierte Betriebe auf den Markt geschwemmt wurden, die weder ausbilden noch Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Das hat dem Handwerk sehr geschadet.

Der meisterhafte Betrieb steht für Qualität und Verbraucherschutz. Ich erhoffe mir mit der teilweisen Wiedereinführung des Meisterbriefs als Zulassungsvoraussetzung für das Führen eines Handwerksbetriebs in den betroffenen Gewerken eine Stärkung der marktfähigen Betriebe. Dadurch werden Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen bzw. gesichert sowie die Qualität und Qualifikation im Handwerk gesteigert.