Das Elektrohandwerk ist gefragt

Obermeister Armin Jöchle FOTO: KARIN VOLZ
Im Gespräch mit Armin Jöchle, dem Obermeister der Elektro-Innung Ravensburg, spürt man seine große Begeisterung für all die spannenden Themen der Elektro-Innung und der Elektro-Berufe. Er beantwortet hierzu Fragen und er spricht auch über die anstehende Bildungsmesse in Ravensburg. 

Von Rosa Laner 

Herr Jöchle, würden Sie sich vorneweg mit ein paar Worten vorstellen?

Ich bin gelernter Elektrogerätemechaniker und Energiegeräteelektroniker und habe die Meisterprüfung 1993 vor der Handwerkskammer Ulm abgelegt. 1994 habe ich die Prüfung zum Betriebswirt des Handwerks absolviert. Seit 1998 bin ich Mitglied des Vorstandes der Elektro-Innung Ravensburg, Obermeister seit 2012. Im Fachverband Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg engagiere ich mich seit 1998. Seit 2019 bin ich in diesem Verband Vizepräsident.

Obermeister in der Elektro-Innung Ravensburg, Vizepräsident im Fachverband Baden-Württemberg. Das klingt nach viel zusätzlicher Arbeit?
 
FOTOS: ELEKTRO-INNUNG RAVENSBURG 
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(lacht) Es macht mir wirklich Spaß. Als Vizepräsident des Fachverbandes und gleichzeitig Delegierter zu unserem Bundesverband bin ich mit unseren Partnern der Industrie, Politik und meinen Obermeisterkollegen sehr gut vernetzt. Als Vertreter trage ich in den Gremien die Grundsatzentscheidungen des E-Handwerkes mit und kann diese zum Wohle unserer Interessen und unserer Mitglieder positiv begleiten. So treffe ich viele Leute für einen überregionalen, hilfreichen Austausch. Und als Obermeister gibt es auch lokal viel zu tun.

Hat der Kreis Ravensburg eine umtriebige Innung?

Ja, derzeit hat jeder viel Arbeit, aber es gibt dennoch einen guten kollegialen Austausch untereinander. Es finden jährlich vier Vorstandssitzungen statt, wir haben einen Neujahrsempfang, eine Lehrabschlussfeier, Hauptversammlung und die Herbstversammlung, bei der es auch Ehrungen gibt. Auch ist der stetige Austausch mit unseren Ausbildungsstätten für eine gute Ausbildung zwingend erforderlich. Über 80 Prozent der Innungsbetriebe sind Ausbildungsbetriebe. Die Innung hat auch die Aufgabe, die Gesellenprüfung durchzuführen. Wir sind schon sehr aktiv.

Welche Berufe gibt es im Bereich der Elektrobranche?

Sieben verschiedene Berufe bieten interessante und höchst abwechslungsreiche Ausbildungsplätze. Zur Auswahl stehen Elektroniker in den vier Fachrichtungen Energie- und Gebäudetechnik, Informations- und Kommunikationstechnik, Automatisierungstechnik sowie Maschinen und Antriebstechnik, Systemelektroniker und schließlich Informationselektroniker in den beiden Fachrichtungen Geräte- und Systemtechnik sowie Bürosystemtechnik. Ein neues Berufsbild wird ab 2021 der Gebäudesystemintegrator sein. Wir versuchen, viele junge Leute in Ausbildung zu bekommen. Die Fachbetriebe haben einen enormen Nachwuchs- und Fachkräftebedarf. Das Elektrohandwerk ist auf jeden Fall eine Ausbildung für die Zukunft! Mit gegenwärtig rund 5036 Auszubildenden im Land sind die Elektro-Handwerke eine der attraktivsten Branchen – nicht nur im Handwerk. Der Elektroniker mit der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik gehört zu den beliebtesten Ausbildungsberufen im Handwerk. In über 40 Clips sehen künftige Fachkräfte unter www.epowerlive.de schon mal, wie vielseitig die Ausbildung im Elektrohandwerk ist. Gerne können sich Schüler auf der Bildungsmesse, bei unseren Fachbetrieben oder bei uns in der Elektro-Innung über die Ausbildungsberufe informieren.

Welche Eigenschaften und Interessen sollte man für diese Berufe haben?

Man muss bereit sein für ein lebenslanges Lernen. Und man muss es gerne machen. Dann hat man alle Chancen. Das ist spannend, so spannend wie der Strom. Man wird ein Leben lang als Fachmann gefragt sein in allen Bereichen mit Strom.

Wie hat sich das Handwerk im Bereich der Elektrobranche in den vergangenen Jahren entwickelt bzw. verändert?
 
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Der Elektroniker hat in der heutigen Zeit im Vergleich zu den 70er Jahren mit anderen Themen zu tun. Damals gab es noch sieben Verbraucher in einem Haushalt, heutzutage rechnet man mit 70. Das smarte Haus oder Elektromobilität waren damals noch Zukunftsmusik. Die Betriebe mussten auch noch nicht so verstärkt um Nachwuchskräfte werben. Online-Plattformen, die harte Konkurrenz gegenüber dem lokalen Handwerker sind, existierten damals auch nicht. Der Gebäudebestand, der laut einer aktuellen Studie mittlerweile älter als 50 Jahre alt ist, muss den heutigen Anforderungen angepasst werden - So hat jede Zeit seine Herausforderungen. Auf jeden Fall wird in Zukunft das Elektrohandwerk noch mehr die Themen Digitalisierung und Transformation der Betriebe beschäftigen. Darüber hinaus wird die Elektromobilität und damit besonders die dafür benötigte Infrastruktur ein weiteres großes Geschäftsfeld unserer Branche.

www.elektroinnung-ravensburg.de

Beste Karrieremöglichkeiten

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Fortsetzung des Interviews mit Armin Jöchle, dem Obermeister der Elektro-Innung Ravensburg.

Von Rosa Laner

Welche Themen treiben die Innung aktuell um?

Zum einen unsere Nachwuchskampagne, dann die Imagepflege und auch die Mitgliederbetreuung. Die Innungsmitgliedschaft ist freiwillig und wir unterstützen die Innungsbetriebe auf den Gebieten der Betriebswirtschaft, Technik, Rechtsangelegenheiten und Unternehmensführung. Zudem fördert die Innung den lokalen Erfahrungsaustausch, leistet regionale Pressearbeit und vertritt deren Interessen. Auch die Weiterbildungsmaßnahmen wie Seminare und Fachveranstaltungen zu aktuellen, relevanten Themen treibt uns um.

Wie unterstützt die Innung die Betriebe bei der Suche nach neuen Fachkräften?

Die Elektro-Innung Ravensburg sieht die Gewinnung von Fachkräften als eine der wichtigsten Aufgaben. Auf Nachwuchskräfte-Messen wie den Handwerker-Games, die von der Innung Ravensburg mit veranstaltet werden, können Jugendliche direkt mit ihren künftigen Arbeitgebern in Kontakt treten. Darüber hinaus stellen wir auf weiteren Jobmessen das Elektrohandwerk als zukunftsreiches Berufsfeld vor. Natürlich beraten wir auch individuell unsere Betriebe bei Personalthemen. Damit unsere Betriebe den Anschluss an diesen aktuellen Themen nicht verlieren, unterstützen wir als Innung unsere Betriebe durch Weiterbildungen und beraten individuell bei Fragen des betrieblichen Alltags.
 
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Wie ist das öffentliche Ansehen Ihres Berufsstandes?

Durch unsere Imagepflege und Öffentlichkeitsarbeit sind wir auf einem guten Weg. Wir präsentieren uns auf Messen, nehmen teil bei den Handwerkergames, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Neben den steigenden Zahlen von Neuabschlüssen bei den Ausbildungsverhältnissen, wird die Beliebtheit der Berufe im E-Handwerk jetzt auch von einer Studie des BIBB (Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung) bestätigt. Dabei kommt der Ausbildungsberuf Elektroniker auf einen hervorragenden fünften Platz und lässt andere Berufe deutlich hinter sich.

Wie ist es um Frauen in Ihrem Beruf bestellt?

Wir versuchen, auch immer mehr Mädchen und Frauen ins Boot zu holen. Wir bieten attraktive Berufe mit Zukunftschancen auch für ElektronikerINNEN. Eine schwere körperliche Arbeit haben wir nicht.

Was ist das Schöne an Ihrer Arbeit?

Der stete technische Wandel, die vielfältigen Aufgaben. Es ist nie dasselbe. Wir sehen, was wir geleistet haben. Das ist auch eine Bestätigung für einen selbst. Elektromobilität, Digitalisierung, Smart Home, es sind spannende Themen und wir sind immer am Puls der Zeit. Durch unsere Arbeit arbeiten wir aktiv an der Klimawende mit und schützen damit auch unsere Umwelt.

Was bietet die Elektro-Innung auf der Bildungsmesse an?

Wir sind am Stand der Kreishandwerkerschaft, zusammen mit jungen Berufsschülern. So können Gespräche auf Augenhöhe geführt werden. Wir erklären die Berufsbilder und die Karrieremöglichkeiten, es gibt ein Gewinnspiel. Es kann ein Verlängerungskabel gefertigt werden und wir bieten eine Lötübung in Form der Herstellung einer LED-Taschenlampe an. Diese dürfen die Besucher dann mitnehmen. Ein weiteres tolles Angebot ist die Vermittlung von Praktikumsplätzen.

Sie vermitteln Praktikumsplätze direkt auf der Bildungsmesse?

Ja. Wir haben eine Liste mit allen Innungsbetrieben, die einen Praktikumsplatz anbieten. Dann kommen die Betriebe nach der Messe auf die jungen Leute zu. Ein Praktikum ist nicht zu unterschätzen. 80 Prozent der Praktikanten entscheiden sich bei uns für einen Beruf. In einem Praktikum lernen sie Mitarbeiter und Strukturen kennen und sie sehen, ob es passt.
 

Ausbildung im E-Handwerk ist sehr beliebt

Das E-Handwerk zieht auch bei Auszubildenden. So entscheiden sich jedes Jahr kontinuierlich mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Elektrohandwerk. Derzeit werden 5.036 Auszubildende in einem der sieben Ausbildungsberufe im Land ausgebildet. Die Zukunftsbranche verzeichnet seit 2011 steigende Beschäftigtenzahlen. „Die anstehenden Anpassungen im Bereich der Ausbildungsberufe mit Qualifizierung im Bereich der Gebäudesystemintegration wird eine Karriere im E-Handwerk künftig noch attraktiver machen,“ erklärt Armin Jöchle.

Ohne Strom läuft nichts!

Vom Smartphone über den cleveren Kühlschrank bis hin zur Solartechnik – ohne Elektronik läuft heutzutage nichts mehr. Die Ausbildungsgänge in den elektro- und informationstechnischen Handwerken sind breit gefächert und abwechslungsreich. Für alle, die gerne individuell am PC, aber auch im Team arbeiten und sich für Antriebs-, Gebäude- oder Steuerungstechnik begeistern, ist das E-Handwerk eine gute Wahl. Zudem tragen E-Handwerker durch effiziente und automatisierte Lösungen viel zur Energieeinsparung und Digitalisierung bei. Vor allem aber sind in der modernen, vernetzten Welt von heute die Zukunftschancen glänzend. Derzeit suchen aufgrund der guten konjunkturellen Lage E-Handwerksbetriebe deutschlandweit kompetenten Fachkräftenachwuchs.

Was genau macht ein E-Zubi?

Auf der Internetseite www.e-powerlive.de zeigen Auszubildende des E-Handwerks in selbstgedrehten Video-Clips, an was sie gerade in ihrer Ausbildung arbeiten. Weitere Informationen zur Ausbildung im E-Handwerk und freien Stellen gibt es unter www.e-zubis.de oder bei der Elektro-Innung Ravensburg, www.elektroinnung-ravensburg.de

Ansprechpartner am Stand

Am Stand der Elektro-Innung Ravensburg finden Interessierte weitere Informationen rund um die Ausbildung im E-Handwerk und Angebote über aktuelle Ausbildungs- und Praktikumsplätze im Landkreis Ravensburg. Dazu gibt es beim Messegewinnspiel ein JBL Multimedia-Lautsprecher Charge 3 mit Bluetooth zu gewinnen. Außerdem bietet sich die Möglichkeit, gemeinsam mit den Schülern der Berufsfachschule Ravensburg, ein Verlängerungskabel oder eine LED Taschenlampe anzufertigen, die mit nach Hause genommen werden kann. red