37 Zünfte, mehr geht nicht

Beim Bruderschaftsball der Narrenbruderschaft Obere Donau wird gerne viel Bein gezeigt. Und was für welches. Beinhart geht das ab hier! FOTO: ROMEU

Wie einen die Reihenfolge halt so trifft: Die Narrenzunft des Heimatvereins Heudorf e. V. hat die Ehre, das 33. Narrentreffen der Bruderschaft Obere Donau auszurichten. Gefeiert wird am Samstag, 8. und Sonntag, 9. Februar. Allerdings kann der kleine Scheeremer Teilort nur ein begrenztes Kontingent an teilnahmewilligen Narren stemmen – bei 37 Zünften und insgesamt 3000 Hästrägern mussten die Heudorfer Narren um Zunftmeister Marcus Haller ein symbolisches Stop-Schild aufstellen.

SCHEER-HEUDORF - Es sei immer schade, anderen Narren absagen zu müssen, aber die Narrenzunft sei platzmäßig und organisatorisch an der Grenze, so Haller weiter. Kein Wunder bei gerademal 550 Einwohnern und 80 heimischen Narren.
   
Balka – Strecker! Die Laizer Balkenstrecker gehören der Bruderschaft seit 1993 an. FOTO: PR
Balka – Strecker! Die Laizer Balkenstrecker gehören der Bruderschaft seit 1993 an. FOTO: PR
Gefeiert wird an beiden Tagen in der Heudorfer Halle und drumherum, wo die Organisatoren noch zusätzlich drei Partyzelte aufstellen. Los geht’s am Samstag, 8. Februar um 17.30 Uhr mit dem Narrenbaumstellen durch die Mengener Narrenzunft in der Heudorfer Ortsmitte. Dazu spielt die Kondekapelle Weithart. Während dieser Veranstaltung hat der Imbissstand Schneider beim Feuerwehrhaus geöffnet. Ab 19 Uhr ist dann närrisches Treiben in den Zelten bei der Halle angesagt.

Die wiederum ist Schauplatz des großen Bruderschaftsballs, der um 20 Uhr beginnt. Es spielen die „Amorados“, Programm gibt’s ebenfalls. Wichtig: Alle, die das 16. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, kommen nicht rein – auch nicht in Begleitung von Erziehungsberechtigten oder Inhabern von Vollmachten. Die 16- bis 18-Jährigen dürfen zwar rein, aber nur mit gültigem Partypass und gegen Bezahlung eines Pfandgeldes von zehn Euro. Und: Es gibt ausschließlich One-Way-Tickets. Wer hinausgeht, hat keine Berechtigung mehr auf erneuten Einlass. Die Security achtet streng auf diese Vorgaben.

Eine Messe für Narren in der Kirche St. Peter und Paul am Sonntag, 9. Februar, ab 8.30 Uhr, eröffnet den zweiten Bruderschaftstag. Mit dem Zunftmeisterempfang ab 10 Uhr in der Heudorfer Halle steuert das Bruderschaftstreffen auf sein närrisches Highlight zu, den Großen Narrenumzug nämlich, der sich um 13.30 Uhr in Bewegung setzt. Dann ziehen 37 Zünfte mit rund 3000 Hästrägern und Musikgruppen durch den Ort.

Achtung: Wegen des Umzugs ist die Ortsdurchfahrt von Heudorf ab 12 Uhr komplett für den Durchgangsverkehr komplett gesperrt. Die Narrenbusse fahren ausschließlich über Mengen-Blochingen nach Heudorf, biegen am Ortseingang links Richtung Scheer in die Scheererstraße ab und lassen dort die Hästräger aussteigen. Dann fahren die Busse weiter nach Scheer zum Busparkplatz bei der Firma Späh. Autos können bis zum Ortsanfang fahren und in den jeweiligen Zufahrtsstraßen parken. CHRISTIAN SCHWARZ
  

Narrenbruderschaft Obere Donau  


Die Narrenbruderschaft Obere Donau besteht aus acht Mitgliedszünften und wurde 1987 gegründet.


OBERE DONAU - 1987, beim Zunftmeisterempfang in Scheer-Heudorf, wurde die damals neu gegründete Narrenbruderschaft Obere Donau zum erstenmal offiziell vorgestellt.

Ihr gehörten zunächst die fünf Gründungsmitglieder Heimat- und Narrenverein Heudorf, Fasnachts-Gesellschaft Laucherthal, Heimat- und Narrenverein Ennetach, Narrenverein Rulfingen und Narrenverein Hohentengen-Beizkofen an. Der Gründungsorden mit der Darstellung dieser fünf Zünfte, nach der Lage an der Donau positioniert, erinnert an diese richtungsweisende Entscheidung, die übrigens auf der Tatsache fußt, dass sich kleine Vereine mit der Organisation von Fasnetsveranstaltungen alleine schwertun – und dass durch Zusammenschluss und mit gegenseitiger Unterstützung alles besser geht.

Treibende Kräfte für die Gründung der Narrenbruderschaft Obere Donau waren der damalige Vorsitzende des Narrenvereins Rulfingen, Manfred Moll, der dabei intensiv von Adalbert Ströbele unterstützt wurde. Beiden ist es zu verdanken, dass die Idee der Bruderschaft rasch umgesetzt werden konnte. Einen Mitstreiter hatten sie im langjährigen Heudorfer Zunftmeister Georg Ludy, in dessen Kellerbar die Bruderschaft am 11. September 1986 dann gegründet wurde.

1992 wurde die Narrenvereinigung „Bergnarren“ Hundersingen-Beuren aufgenommen, 1993 kamen noch der Narrenverein Blochingen und die Narrenzunft „Balkenstrecker“ Laiz dazu. Christian Schwarz

Grusswort

37 Zünfte, mehr geht nicht Image 1
Als Zunftmeister der Narrenzunft Heudorf heiße ich alle Häs- u. Maskenträger sowie Zuschauer und Gäste in Heudorf recht herzlich willkommen.

Die Narrenzunft Heudorf und ich sind stolz darauf das Narrentreffen „33 Jahre Narrenbruderschaft Obere Donau“ in unserem kleinen Ort durchführen zu dürfen.

Wir laden Sie Alle ein, mit uns und allen Narren am kommenden Sonntag in Heudorf eine stimmungs-volle Fasnet zu erleben. Lassen sie sich anstecken von der Fröhlichkeit der Narren die bei unserem bunten und farbenprächtigen Umzug bodenständiges und fasnachtliches Brauchtum darbieten.

Der Heimatverein Heudorf und die Narrenzunft als Unterabteilung sind seit Monaten bemüht, allen Teilnehmern und Zuschauern ein paar gemütliche und närrische Stunden zu bereiten. Ich möchte mich jetzt schon bei allen Helfern bedanken, die durch ihre Mithilfe zum Gelingen unseres Narrenfestes am kommenden Wochenende in Heudorf beigetragen haben und noch beitragen werden.

Nehmen Sie unsere Einladung an, kommen sie nach Heudorf, und rufen Sie laut und froh,

„Heudorf – He-Lo“ .

Herzlichst

Marcus Haller, Zunftmeister
   

Närrische Heudorfer

Die Heudorfer Narren richten dieses Jahr das Bruderschaftstreffen Obere Donau aus. Darauf freuensich (v.l.) Büttel, kleiner Hoida-Josef, Zunftrat, Lochwiesen-Weible und Hoida-Josef. FOTO: ZUNFT
Die Heudorfer Narren richten dieses Jahr das Bruderschaftstreffen Obere Donau aus. Darauf freuensich (v.l.) Büttel, kleiner Hoida-Josef, Zunftrat, Lochwiesen-Weible und Hoida-Josef. FOTO: ZUNFT
Als diesjähriger Gastgeber des Bruderschaftstreffens Obere Donau stellen wir heute die Heudorfer Narren und ihre Geschichte vor.

HEUDORF - Bereits im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gab es in Heudorf Bemühungen, um fasnächtliches Treiben auf die Beine zu stellen. Sogar das „Bräuteln“ gab es in Heudorf zu dieser Zeit. Zur Finanzierung der Kinderfasnet wurden Besen gebunden und verkauft.

Geordnete Formen nahm das Ganze aber wohl nie so recht an. Damit hatte dann Xaver Oßwald im Jahr 1962 mehr Erfolg. Im ehemaligen Gasthaus zur „Traube“ gründete er mit weiteren Bürgern die Narrengesellschaft, als Vorgängerin des heute aus der Gemeinde nicht mehr wegzudenkenden Heimatvereins Heudorf. Es gab einen Elferrat, ein Prinzenpaar, ein Kinderprinzenpaar, und diverse Narrengruppen. Zudem wurden Wagen gebaut, mit denen man an den Umzügen in Mengen, Blochingen und Scheer teilnahm.

Das Wichtigste aber war die Heudorfer Kinder- und Ortsfasnet. Die Kinderfasnet wurde schon damals durch Sammeln von Frucht und Geld finanziert, ein Brauch, der bis heute erhalten geblieben ist.

1969 gründeten dann Mitglieder der Narrengesellschaft den Heimatverein Heudorf. Zweck war die Erhaltung des Heudorfer Brauchtums und hier an erster Stelle weiterhin die „Heudorfer Ortsfasnet“, weshalb auch die Narrenabteilung wieder angegliedert wurde. 1971 entdeckte der damalige Heimatforscher Walter Bleicher, die Sage vom Lochwiesen-Weible, der ersten Heudorfer historischen Narrenfigur. 1982 kam dann (entdeckt in einem Heimatbuch von Bruno Stehle) die zweite Figur, der Hoida-Josef dazu. Komplettiert wird die Narrenzunft von den Zunfträten, dem Büttel und der dritten und gleichzeitig jüngsten Figur, den Heudorfer Kuckuck.

Begleitet werden die Heudorfer Narren zu den wichtigsten Narrenumzügen vom „Musikverein Heudorf e.V., als selbstständigem Verein.

Heudorfer Fasnetsfiguren:

Lochwiesen-Weible

Die erste Heudorfer Narrenfigur tauchte 1971 in der Fasnet auf. Sie stellt eine gute Kräuterfrau dar. Der Sage nach handelte es sich um die ehemalige Burgfrau von Reischach, die von einer wilden Horde geschändet, entehrt und zusammen mit ihrem kleinen Sohn entführt wurde. Ein Schäfer fand die halbtote Frau und pflegte sie gesund. Das „Weible vom Wiesle“ wie sie genannt wurde, sammelte Wurzeln und Kräuter und stellte Heilmittel her. Die Leute kamen von überallher und nahmen ihre Heilkünste in Anspruch. Man nannte sie deshalb fortan das „Weible vom Lochwiele“, oder das „Lochwiesenweibel“.

Nachdem die Frauen anfangs nur Kunstmasken trugen, wurden 1976 nach den Entwürfen des Saulgauer Steinmetzes Egon Leeuw die ersten Holzmasken gefertigt. Der geflochtene Korb und die Bonbons unterstreichen das Gute im Lochwiesen-Weible.

Hoida-Josef

Die zweite Heudorfer Narrenfigur gibt es seit 1981. Zuerst handelte es sich um eine Einzelmaske, sie wurde aber bereits ein Jahr später zur Maskengruppe ausgebaut. Nach einem Eintrag im „Hohenzollernbuch“ soll dieser wilde Geselle in der Feldmark zwischen Heudorf und Hitzkofen sein Unwesen getrieben haben. Der Hoida-Josef hat blutig-rote Augen, einen Strick um den Hals und hängt eine fürchtige „Lälla“ herab. Ein mutiger Heudorfer Hirte, der ihm einmal entgegentrat, brach wegen seines grässlichen Gesichts ohnmächtig zusammen und soll daraufhin noch lange krank gewesen sein. Er ging nie mehr durch die „Hoida“. „Er hot am Hoida-Josef g’nuag g’kriagt“, sagte der damalige Kuhhirt, auch „Hiatle“ genannt.

Heudorfer Kuckuck

Die dritte und letzte Heudorfer Narrenfigur gibt es seit 1994. Die Heudorfer werden seit jeher in der ganzen Umgebung nur „Kuckuck“ genannt – wobei es sich um einen sogenannten Übernamen hantelt. Deswegen kam es früher oft zu wüsten Prügeleien. Woher der Name genau kommt, ist nicht genau bekannt. Es gibt verschiedene Geschichten.

Zunftrat

Nach der Gründung der Narrengesellschaft, die anfänglich einen rheinischen Karnevalseinschlag hatte, gab es erstmals einen Elferrat. Dieser wurde dann im Jahr 1976 neu eingekleidet und in Anlehnung an die Grafschaft von Reischach in Zunftrat umbenannt. Die Kleidung sollte an die Burgherren erinnern. Nachdem die Häsfarben des Zunftrats anfangs Blau und Weiß waren, wurden sie bei einer zweiten Änderung im Jahr 1992 anlässlich des 30-jährigen Bestehens in die Naturfarben Grün und Beige umgewandelt. Auch dieses Häs, das bis dato seinen Bestand hat, soll weiterhin an die Gewänder der Burg- und Schlossherren zur Zeit der Grafen von und zu Reischach erinnern. Es ist, vom Stil her gesehen, dem vorangehenden Häs ähnlich.

Büttel

Seit 1982 vervollständigt der Büttel als Einzelfigur wieder die Heudorf Narrengruppe. PR/CSC
    

Narrenrufe

Der Hauptnarrenruf lautet seit 1971: „Heudorf – He-Lo“. Die Heudorfer Kuckucke haben allerdings einen eigenen Narrenruf: Der lautet „Heudorfer – Kuckuck“!

Grusswort

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Liebe Narrenfreunde, liebe Gäste aus nah und fern,

das neue Jahr 2020 hat begonnen und endlich steht wieder die Fasnacht vor der Tür. Nach 8 Jahren gibt es wieder das Narrentreffen der Bruderschaft Obere Donau in Heudorf. In diesem Jahr feiert die Narrenbruderschaft ihr 33-jähriges Bestehen. Ausrichter des Bruderschaftstreffen ist die Narrenzunft Heudorf, als Unterabteilung des Heimatvereins Heudorf. Wie passend, feierte der Heimatverein letztes Jahr das 50-jährige Vereinsjubiläum.
Heudorf - He-Lo wird es durch die Straßen und Gassen in Heudorf schallen und allen Gästen und Narren aus nah und fern gilt als erstes ein herzlicher Willkommensgruß bei uns.

Voller Spannung erwarten wir das diesjährige Narrentreffen. Das Bruderschaftstreffen ist immer wieder ein ganz besonderer Höhepunkt der Heudorfer Fasnacht. Seit vielen Monaten laufen die Vorbereitungen und jetzt hoffen wir, dass das Wetter mitspielt und dass alle Hästräger/innen und Besucher/innen auf Ihre Kosten kommen und einen unvergesslichen Tag in Heudorf erleben dürfen.

Eine liebgewordene Tradition ist es bei der Bruderschaft Obere Donau, dass gemeinsam der Narrenbaum aufgestellt und gemeinsam der Bruderschaftsball gefeiert wird. Zum Erhalt dieser Traditionen kann ich unserer Narrenzunft, den Verantwortlichen und allen Mitgliedern nur recht herzlich gratulieren und ich hoffe auf ein närrisch turbulentes, aber unfallfreies Bruderschafts-Wochenende.

Ihnen allen, liebe Gäste, wünsche ich wunderschöne Tage bei uns in Heudorf - viel Spaß und viel Vergnügen!

Heudorf - He-Lo

Herzlichst

Ihr Lothar Fischer, Bürgermeister