Der Wirtschaftsboom flaut ab

Zwei namhafte Firmen im Kreis melden Kurzarbeit an – Miller & Monroe stellt Geschäftsbetrieb ein

Es hagelt Proteste: Unter anderem mit einem Transparent an einer Brücke in Sigmaringen wehrt man sich gegen 22 Entlassungen bei Zollern. Foto: Böhler
Die Konjunktur verdunkelt sich. Dies wirkt sich auf die Betriebe im Kreis aus. Die größten Arbeitgeber führen Kurzarbeit ein, lassen ihre Mitarbeiter Überstunden abbauen oder streichen Stellen. In Sigmaringen geht mit der Modekette Miller & Monroe (vormals Vögele) ein bedeutender Arbeitgeber in die Insolvenz.

Von Michael Hescheler

KREIS SIGMARINGEN - Die Notbremse zieht der größte Arbeitgeber im Kreis, die Firma Zollern mit Sitz in Laucherthal bei Sigmaringendorf: Eine Woche lang stehen am Standort Herbertingen, wo sich das Unternehmen mit Antriebstechnik befasst, die Maschinen still. Der Grund: zu wenig Aufträge.

Auch Mitarbeiter von Knoll bauen Zeitkonten ab

„Wir haben eine Betriebsvereinbarung, in der die Möglichkeit von Minusstunden geregelt ist“, sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Alfons Venturino. Nach der Abteilungsversammlung von Zollern in Herbertingen werden die 600 Beschäftigten in Herbertingen deshalb in die Freizeit geschickt. Durch diesen Umgang mit den Zeitkonten der Mitarbeiter können Betriebe Phasen der Flaute überbrücken. Kommen wieder bessere Zeiten, können diese Minusstunden über die Leistung von Zusatzstunden bei der Bearbeitung von Aufträgen wieder ausgeglichen werden.

Zusätzlich hat die Geschäftsführung von Zollern inzwischen 22 Mitarbeitern im Werk in Herbertingen gekündigt. Schon in der vergangenen Woche hatte Raik Flämig, Leiter des Geschäftsfeldes Antriebstechnik, von einem „brutalen“ Rückgang bei den Auftragseingängen und einem Arbeitszeitkonto gesprochen, das „so gut wie leergefahren“ sei.

Zum 1. Oktober hat Knoll Maschinenbau in Bad Saulgau für ein Drittel der Belegschaft Kurzarbeit eingeführt. Außerdem plant das Unternehmen, sich in den kommenden Monaten von Leiharbeitern zu trennen, heißt es weiter. Damit reagiert der größte Bad Saulgauer Arbeitgeber auf die weltweite Absatzkrise im Maschinenbau.
   

E. Butsch, Stoff- und Wollstüble

Die rückläufigen Auftragseingänge beträfen nicht einzelne Abteilungen, sondern das gesamte Unternehmen. Die Konflikte im Handel der USA mit China und Europa, der Dieselskandal und die Gefahr eines ungeordneten Brexits gelten als Faktoren, die in der Industrie für Verunsicherung sorgen. Die Maschinenbauer bekommen darüber hinaus den Strukturwandel in der Autoindustrie hin zur Elektromobilität zu spüren.

Ähnlich wie bei Zollern bauen auch die Mitarbeiter von Knoll Stunden auf ihren Zeitkonten ab. Bei Knoll sind 1010 Menschen beschäftigt, außerdem 120 Auszubildende und Studenten.

Betriebsbedingte Kündigungen soll es keine geben. „Wir wollen die Stammbelegschaft halten“, wird Inhaber Matthias Knoll zitiert. Eine Trennung von „wertvollen“ und „gut ausgebildeten“ Fachkräften sei in dem Familienunternehmen kein Thema.

Alle Sigmaringer Mitarbeiter des Bekleidungshändlers Miller & Monroe verlieren wiederum ihre Jobs. Sowohl die Deutschland- Zentrale als auch die Verkaufsstelle schließen. Wenige Wochen vor dieser Entscheidung hat der Insolvenzverwalter mit Sitz in Stuttgart noch angekündigt, er versuche, den Weiterbetrieb zu organisieren.

Miller & Monroe ist wenige Monate nach der Übernahme etlicher Filialen von Charles Vögele zahlungsunfähig. Sigmaringen ist in zweierlei Hinsicht ein besonderer Standort für Miller & Monroe gewesen: Nach Unternehmensangaben handelt es sich bei der Filiale in Sigmaringen um die größte in ganz Deutschland. Zum anderen ist in der Kreisstadt eine Art Deutschland-Zentrale angesiedelt, die Vidrea Deutschland GmbH. Sowohl die Vertriebssowie die Expansionsabteilung sind dort untergebracht.

Nach Angaben des Insolvenzverwalters arbeiten in der Zentrale noch knapp 20 Mitarbeiter, rechnet man die 15 Mitarbeiter in der Filiale dazu, sind insgesamt etwas mehr als 30 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen.
  

Fußball-Frauen des FV Weithart sorgen für Furore

mac/Foto: Warnack
mac/Foto: Warnack
ROSNA - Die Fußballerinnen des FV Weithart gewinnen den Fußball-Bezirkspokal und sorgen für eine kleine Sensation, als sie den klassenhöheren Aufstiegsrelegationsteilnehmer SC Blönried mit 5:1 besiegen. Unser Foto zeigt FV-Torhüterin Vanessa Lang beim Parieren eines Blönrieder Elfmeters. In der Hinrunde der Saison 2019/20 bleibt Weithart mit dem Trainerteam Ewald Neher/Christian Bender ungeschlagen und marschiert mit Riesenschritten Richtung Regionenliga.
  

Pool-Billard: Steffen Gross holt DM-Silber

mac/Foto: Gharbi/In Touch
mac/Foto: Gharbi/In Touch
BAD SAULGAU - Steffen Gross holt bei den deutschen Meisterschaften im Pool-Billard in Bad Wildungen im 8- Ball Silber. Er muss sich im Finale nur Reiner Wirsbitzki geschlagen geben. Im Sommer gewinnt Gross dann mit Wirsbitzki bei der EM Bronze mit der deutschen Mannschaft. Die Bad Saulgauer Billardspieler sorgen darüber hinaus intern für Schlagzeilen.
  

Die Kreiskliniken bauen neu und führen Parkgebühren ein

Foto: fxh
Foto: fxh
SIGMARINGEN - Die Modernisierung des Krankenhauses in Sigmaringen beginnt. In einem Neubau entstehen unter anderem 152 Patientenbetten und neue Operationssäle.

Die Fertigstellung des Anbaus ist für das Jahr 2022 geplant. Danach soll das Bestandsgebäude in zwei Schritten erneuert werden. Neu- und Altbau sollen miteinander verschmelzen. Patienten sollen eine gute Orientierung bekommen und die Abläufe für die Mitarbeiter vereinfacht werden. Insgesamt kostet die Modernisierung des Sigmaringer Krankenhauses rund 135 Millionen Euro. Patienten und Mitarbeiter müssen sich auf Beeinträchtigungen einstellen.

Neu ist auch, dass seit Juni Mitarbeiter und Besucher der Kliniken in Sigmaringen, Pfullendorf und Bad Saulgau Parkgebühren bezahlen müssen. Grund ist der Neubau eines Parkhauses am Standort Sigmaringen mit rund 320 Stellplätzen. Im Parkhaus wird pro Stunde ein Euro fällig, auf den Freiflächen vor allen drei Krankenhäusern werden 50 Cent erhoben. Außerdem gibt es einen Tages- und Wochentarif. Als die Krankenhäuser mit der Überwachung beginnen, gibt es Ärger. Verstöße gegen die Parkordnung werden vom Dienstleister „Fair Parken“ mit „Vertragsstrafen“ geahndet und die haben es in sich: Saftige 24,90 Euro muss bezahlen, wer ohne Ticket oder mit abgelaufenem Parkschein erwischt wird, ganze 39,90 Euro werden für das Parken auf einem Behindertenparkplatz ohne Berechtigung fällig.

Darauf werden die Besucher auf gut sichtbaren Schildern hingewiesen, von denen allein elf auf dem Außenparkplatz stehen. Außerdem klären die Schilder darüber auf, dass Parkplatznutzer damit automatisch den Geschäftsbedingungen von „Fair Parken“ zustimmt. Das Problem ist nur: So richtig eine Wahl hat niemand, der das Krankenhaus besucht. Egal ob Besucher oder Notfall, wer parken will, muss zahlen. Das stößt manchen sauer auf.
   

Vater übergibt an seine Tochter

Nicht alltäglicher Jobwechsel bei der Kreishandwerkerschaft

Kreishandwerksmeister Siegmund Bauknecht (l.) übergibt Karl Griener das Wappen des deutschen Handwerks als Abschiedsgeschenk. Seine Tochter Patricia Griener ist seit August die neue Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Foto: Ehrlich
Kreishandwerksmeister Siegmund Bauknecht (l.) übergibt Karl Griener das Wappen des deutschen Handwerks als Abschiedsgeschenk. Seine Tochter Patricia Griener ist seit August die neue Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Foto: Ehrlich
SIGMARINGEN - Nicht alltäglicher Jobwechsel bei der Kreishandwerkerschaft: Der langjährige Geschäftsführer Karl Griener geht in den Ruhestand und übergibt nach 34 Jahren die Verantwortung an seine Tochter Patricia.

Die neue Geschäftsführerin ist 35 Jahre alt, ledig, ohne Kinder und wohnt in Veringendorf. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau und studierte an der Universität Mannheim Wirtschaftspädagogik. Als Diplom- Handelslehrerin machte sie nach dem Abschluss ein Referendariat und unterichtete an der beruflichen Schule in Riedlingen Betriebswirtschaft und Englisch.
  

Topgesetzte Spanierin setzt sich durch

mac/Foto: Bodon
mac/Foto: Bodon
BAD SAULGAU - Die Spanierin Sara Sorribes-Tormo gewinnt die Knoll Open, das mit 25 000 US-Dollar dotierte Tennis-Weltranglistenturnier in Bad Saulgau. Sorribes-Tormo besiegt im Finale die an sechs gesetzte Deutsche Katharina Gerlach mit 7:6 und 6:1. Doch nicht nur die siegreiche Spielerin ist zufrieden, auch Turnierdirektor Gernot Maier kann sich über sehr viele Zuschauer freuen.
  

Christoph Neubrand sagt adieu

Sigmaringer Dekan wird Dompfarrer in Freiburg

SIGMARINGEN - Der Dekan des Dekanats Sigmaringen- Meßkirch, Christoph Neubrand, wird Dompfarrer am Freiburger Münster. Zusammen mit einem Priesterkollegen verantwortet Neubrand seit Oktober die Seelsorgearbeit in Freiburg Mitte. 1995 wurde er Pfarradministrator in St. Peter und Paul Sigmaringen-Laiz und St. Gallus Sigmaringen-Gutenstein und Leiter der Seelsorgeeinheit Laiz-Inzigkofen. Im Januar 2008 übernahm der Priester die Tätigkeit als Dekan des Dekanats Sigmaringen-Meßkirch. Wer seine Nachfolge im Dekanat antritt, ist noch ungeklärt. Übergangsweise führt der stellvertretende Dekan, Edwin Müller, die Geschäfte. Über einen Brief wird das erzbischöfliche Ordinariat die hauptamtlichen Mitarbeiter im Dekanat (unter anderem Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten) dazu auffordern, einen Vorschlag zu unterbreiten. Aus diesen Vorschlägen oder diesem Vorschlag – man kann davon ausgehen, dass sich die pastoralen Mitarbeiter abstimmen werden – wird der Freiburger Erzbischof einen Kandidaten aussuchen und zum Dekan ernennen. „Dieser Brief wird in absehbarer Zeit kommen“, sagt der kommissarische Dekan.
  

Drei-Sterne-Hotel für Sigmaringen

Bootshaus-Wirt und Fürst bauen gemeinsam – Eröffnung ist im Frühjahr 2021 geplant

So soll das neue Hotel in Sigmaringen aussehen.
So soll das neue Hotel in Sigmaringen aussehen.
Nach langen Spekulationen um einen möglichen Investor steht seit Juni fest: Sigmaringen bekommt ein neues Hotel, und zwar auf dem Areal direkt an der Donaubühne. Stemmen wollen das Projekt der Bootshaus-Wirt Soufyen Charni und die Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern zu gleichen Teilen.

Von Mareike Keiper

SIGMARINGEN - Nach Informationen der Stadt ist der Baustart im März 2020. Eröffnet werden soll das Hotel genau ein Jahr später. „Wenn wir zu Ostern 2021 eröffnen könnten, wäre das optimal“, so Charni. Geplant ist ein Drei-Sterne-Hotel mit 160 Betten, Tagungsund Wellnessbereich – auf ein Restaurant wird aus Kostengründen verzichtet. Allerdings bietet das Bootshaus im Hotel für größere Gruppen wie Reisegesellschaften ein Catering an. Den Bebauungsplan hat der Gemeinderat Sigmaringen bereits beschlossen. Inzwischen hat der Bauherr auch den Bauantrag eingereicht. „Wir kommen gut voran“, sagt Charni. Die Kosten für den Neubau sollen zwischen acht und neun Millionen liegen.

Vier Interessenten im Gespräch, sogar einer aus Costa Rica hatte Interesse

Damit sich das Hotel optisch einfügt und die Gäste einen Blick auf Schloss und Donau haben, sollen die oberen zwei Stufen der Donaubühne abgerissen werden. Damit wird sie der Hotelterrasse angepasst. Gleichzeitig ist das zuständige Architekturbüro Neusch, das die Planungen übernimmt, mit den Ausschreibungen befasst.

Bevor feststand, dass Charni und das Fürstenhaus für das Hotel kooperieren werden, gab es lange Zeit Diskussionen um mögliche Investoren und den Standort. Vier Interessenten gab es zwischenzeitlich, darunter einen Geschäftsmann aus Costa Rica. Dieser hatte ein Fünf-Sterne-Hotel mit 200 Betten für einen dreistelligen Millionenbetrag geplant. Allerdings waren seine Pläne, so die Stadt, zu unkonkret und nicht auf Sigmaringen ausgerichtet.

Auch ein Sigmaringer Geschäftsmann und ein Hotelier aus dem Bodenseeraum waren im Gespräch. Auch der Standort war zunächst unklar. Drei Grundstücke kamen in die engere Auswahl: einmal das Grundstück am Hohenzollern-Graben hinter der Donaubühne, das dem Fürstenhaus gehört, das brachliegende Grundstück zwischen der Nepomukbrücke und dem Telekom-Gebäude, das der Stadt gehört, und das frühere Schulungszentrum der Bundeswehr in der Vorstadt, das die GSW gekauft hat.

Letzteres sei aber entschieden zu teuer, da ein Abriss des Bestandsgebäudes notwendig gewesen wäre, sagte damals GSW-Geschäftsführer Roy Lilienthal.
  

Anja Fischer feiert internationale Erfolge

Foto: privat
Foto: privat
MENGEN - Anja Fischer holt bei der DM im Target Sprint in Suhl als Dritte ihre erste Einzelmedaille als Aktive. Die Sommerbiathletin der SG Ennetach belegt außerdem beim Weltcup Rang vier im Einzel und holt Bronze mit der deutschen Mannschaft sowie einen Sieg mit der Staffel auf der World Tour und den dritten Rang im Einzelsprint in Auer.