Weingarten verliert sein Krankenhaus

MCB zieht die Reißleine und schließt das 14 Nothelfer – Verantwortliche wollen Medizinstandort retten

Das Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten war bei den Bürgern wegen der familiären Atmosphäre besonders beliebt. FOTO: ELKE OBSER 
Von Oliver Linsenmaier

WEINGARTEN - Es ist das Ende einer endlos scheinenden Geschichte: Das Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten wird bis spätestens September 2021 geschlossen. Das hat der Medizin Campus Bodensee (MCB), dem das Krankenhaus seit 2013 angehört, Mitte Oktober dieses Jahres verkündet. Der MCB will die anhaltenden jährlichen Defizite in Höhe von rund drei Millionen Euro nicht mehr tragen und schließt alle wichtigen Abteilungen am Weingartener Standort, was quasi einer Schließung des gesamten Hauses gleichkommt. Da bereits zum Jahresende die Innere Medizin oder aber die Gynäkologie geschlossen werden, verliert Weingarten sowohl die Geburtshilfe wie auch die Notaufnahme. Und das schon in diesen Tagen. Mit dem neuen Jahr werden beide bedeutenden Anlaufstellen nicht mehr für die Bürger zur Verfügung stehen.

Aufgrund der schwierigen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, der räumlichen Nähe zum Vollversorger Elisabethenkrankenhaus in Ravensburg (EK) sowie der jährlichen Verluste in Weingarten sei die Entscheidung nun unausweichlich, so die Verantwortlichen. Hinzu kamen Investitionskosten, die sich über die Jahre auf rund 15 Millionen Euro summiert hatten – Verbindlichkeiten in Höhe von elf Millionen Euro noch nicht eingerechnet.

„Mit dem Wissen von heute war die Übernahme ein Fehler“, sagte Friedrichshafens Oberbürgermeister Brand in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender des Häfler Klinikums im Oktober, und der damalige MCB-Geschäftsführer Jochen Wolf erklärte: „Es ist uns nicht gelungen, die Leistungen in Weingarten zu steigern. Auch nicht im Verbund.“

Um das 14 Nothelfer aus den tiefroten Zahlen zu führen, bräuchte es eine Leistungssteigerung von 50 Prozent. Dazu müssten sowohl die Fallzahlen fast verdoppelt und zeitgleich entweder die Zahl der Ärzte oder die Zahl der Pfleger um drei Viertel reduziert werden. Wolf sprach von einer „drastischen Darstellung“, deren Umsetzung völlig unrealistisch sei. Darüber hinaus ist das Weingartener Krankenhaus in seiner Bausubstanz und Technik veraltet und kaum mehr mit den ständig steigenden medizinischen Anforderungen seitens der Politik vereinbar. „Auf Dauer können wir die Qualität der medizinischen Versorgung nicht mehr gewährleisten“, erklärte Brand.

Mit der Schließung beginnt nun für das gesamte Schussental eine neue medizinische Zeitrechnung. Jahrzehntelang kamen die Weingartener Bürger, aber auch viele Patienten aus dem Einzugsgebiet ins mit 130 Betten deutlich kleinere Krankenhaus 14 Nothelfer. Viele schätzen im Vergleich zum EK die familiäre Atmosphäre. Da das Ravensburger Krankenhaus medizinisch als sehr gut gilt und sich – auch wegen der Schließung – künftig weiter vergrößern will, ist die medizinische Versorgung gewährleistet, so der Tenor aller Verantwortlichen in Ravensburg und Weingarten. Selbst die 650 bis 680 Geburten, die es jährlich am 14 Nothelfer gab, sollen aufgefangen werden.

Und auch für die Mitarbeiter am Standort könnte das Ganze gut ausgehen. Denn der MCB hat allen Angestellten – in Weingarten waren es 70 Pflegekräfte und 15 Ärzte – eine Arbeitsplatzgarantie im Verbund gegeben. Das könnte zwar bedeuten, dass einige von ihnen nach Friedrichshafen oder Tettnang wechseln. Oder aber, und das zeichnet sich durch einige Kündigungen von Mitarbeiterseite bereits ab, dürften Teile des dringend benötigten Fachpersonals ans EK wechseln.

Wie es mit dem Medizinstandort Weingarten weitergeht, ist bislang noch unklar. Die Entscheidungsträger bei der Stadt Weingarten wollen sich mit neuen Konzepten für den Erhalt einsetzen. Dafür werden in den nächsten Monaten Gespräche mit dem MCB sowie dem Sozialministerium in Stuttgart anstehen. Nahe liegende Variante wären Kombinationen aus einem Geburtshaus, einer Pflegeeinrichtung oder aber ein Facharztzentrum mit einem ambulanten OP-Zentrum. Schließlich wurden die OP-Säle im 14 Nothelfer erst in den vergangenen Jahren mit teils erheblichen Landeszuschüssen renoviert.

Außerdem werden die externen Partner, wie die Sportklinik, Orthopädie, Kinderchirurgie und Neurochirurgie sowie das Ambulante Operieren und das Facharztzentrum weiterhin am Standort bleiben. Sie behandeln ohnehin schon die Hälfte aller Patienten.

„Kopf-ab-Geste“ sorgt für Aufregung

WEINGARTEN (olli) - Unverschuldet geriet Weingarten im Oktober in die Berichterstattung überregionaler Medien. Weil Alice Weidel, AfD-Fraktionsvorsitzende im Bund, einen Hustenanfall als vermeintliche „Kopf-ab-Geste“ deutete, ließ sie einen Besucher aus dem Kultur- und Kongresszentrum hinauswerfen. Die AfD-Veranstaltung in Weingarten rückte aber erst durch die Veröffentlichung eines mitgeschnittenen Videos in den Blick der breiten Öffentlichkeit. Weidel hatte dieses in den sozialen Medien gepostet, es später aber wieder gelöscht. Wie der herausgeworfene Mann im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ klarstellte, hatte er einen Hustenanfall und steht der AfD wohlwollend gegenüber. Weidel hatte vermutet, er sei ein politischer Gegner. Die angedrohte Anzeige blieb aus. Dennoch ermittelte der Staatsschutz wegen Bedrohung.

Martinshöfe: Blick geht nach vorn

WEINGARTEN (olli) - Die Abrissarbeiten auf dem südlichen Schuler-Areal laufen nach Plan. So hat der Lindauer Investor i+R Wohnbau das Gelände übernommen. Seit Oktober rollen die Bagger, die die oberirdischen Gebäudeteile bis Februar 2020 abtragen sollen. Das Thema Altlasten sei kein Problem, versicherten die Verantwortlichen. Sie blicken auf die konkreter werdende Planung. So ist klar, dass der Tunnel unter dem Münsterplatz erhalten bleibt, bis zu 780 Tiefgaragenstellplätze und rund 520 Wohnungen entstehen.

In Berg übernimmt Manuela Hugger

BERG (ric) - Nach einem spannenden Bürgermeisterwahlkampf ist Manuela Hugger bei der Wahl am 14. Juli als Siegerin hervorgegangen. Seit September ist die ehemalige Schmalegger Ortsvorsteherin jetzt Bürgermeisterin von Berg. Bei der Wahl hat sie 61,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können. Ihr Mitbewerber Partick Söndgen erhielt 37,2 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 57,6 Prozent. Bei der Podiumsdiskussion der „Schwäbischen Zeitung“ im Vorfeld der Wahl präsentierten sich zwei Kandidaten, die sich akribisch auf das Bürgermeisteramt vorbereitet hatten. Viele hatten mit mehr Bewerbern für Berg gerechnet, da die Gemeinde gut aufgestellt ist und als attraktiv gilt.

Das „Kokett“ in Gullen hat zu

GRÜNKRAUT (ric) - Jeder kannte das knallrote Gebäude an der Bundesstraße 32 zwischen Ravensburg und Wangen: die Tabel-Dance-Bar „Kokett“. Seit Anfang Juli hat der Betrieb mit dem dazugehörigen „Hotel Plaisir“ geschlossen. „Schade drum, denn wir haben uns hier über Jahre eine Existenz aufgebaut“, sagte die ehemalige Geschäftsführerin Katrin Uzler. Im „Kokett“ stecke viel Arbeit und Herzblut drin. Zwölf Jahre lang hat sie den Laden geschmissen. Mittlerweile ist das Gebäude babyblau gestrichen. Die Immobilie hat die URMO Immobilien GmbH aus Ravensburg gekauft. Er hatte angekündigt, im Gebäude Mietwohnungen zu installieren.

Zwei Windparks für Oberschwaben

Zurzeit wird bei Mochenwangen und bei Bergatreute geplant – Das ist vorgesehen

Ob die Parks wirklich kommen, ist noch nicht sicher. Manche Details sind schon bekannt. FOTO: STRATENSCHULTE/DPA
Ob die Parks wirklich kommen, ist noch nicht sicher. Manche Details sind schon bekannt. FOTO: STRATENSCHULTE/DPA
Von Philipp Richter

KREIS RAVENSBURG - Zwei Betreiber planen derzeit im Landkreis Ravensburg zwei Windparks. Beides Mal haben Recherchen der „Schwäbischen Zeitung“ die Projekte öffentlich gemacht. Zum einen soll ein Park zwischen Bergatreute und Enzisreute entstehen, zum anderen im Röschenwald zwischen Mochenwangen und Zollenreute. Ob die Parks kommen, ist noch nicht sicher, weil es noch wichtige Details zu klären gibt.

Die Absichten sind aber sehr ernst, wie die beiden operierenden Unternehmen mitteilen. In der Gemeinde Wolpertswende hat im Juni bereits eine erste Bürgerinformationsveranstaltung in der Panoramahalle stattgefunden. Dort hat die Windkraft Bodensee-Oberschwaben (WKBO) ihre Pläne präsentiert. Sie agiert federführend im Röschenwald. Auch das Unternehmen Enercon war vor Ort. Der norddeutsche Windkraftanlagenhersteller ist Projektpartner der WKBO und würde dann auch die Anlagen liefern, sollte der Windpark realisiert werden. Die WKBO ist ein Konsortium, an dem sowohl die Technischen Werke Schussental, die Stadtwerke am See in Friedrichshafen und die Stadtwerke Bad Saulgau Anteile haben.

Im nördlichen Röschenwald (er ist Teil des Altdorfer Waldes) sollen insgesamt sechs Windräder für die Stromproduktion gebaut werden. Die Windräder sollen entlang der Landesstraße 284 zwischen Mochenwangen und der Aulendorfer Ortschaft Zollenreute aufgestellt werden. Fünf Räder sind östlich der Straße geplant, eines soll westlich der Straße gebaut werden.

Ein ähnliches Modell gibt es bei Bergatreute. Dort plant, die Bio-Energie Allgäu aus Kempten. Als Partner ist ebenso die Enercon im Boot. Von diesem Projekt sind weniger Details bekannt, auch eine Bürgerinformationsveranstaltung hat noch nicht stattgefunden, obwohl davon nicht öffentlich schon Anfang des Jahres die Rede war.

Wie viele Windräder sich beim sogenannten Projekt „Wannenbühl“, wie es die Planer aus dem Allgäu nennen, einmal drehen sollen, ist noch nicht klar. Allerdings, und das versichert der Projektleiter, sei die ursprünglich vermutete Zahl von vier bis acht Windrädern zu hoch gegriffen. „Wir werden eher im unteren Bereich landen. Acht werden es auf keinen Fall“, sagt Andreas Klär.

Sowohl im Röschenwald als auch im Wannenbühl sind Räder mit einer Nabenhöhe von 160 Metern im Gespräch. Das heißt, die Widnräder würden eine Gesamthöhe von etwa 230 Meter aufweisen. Zum Vergleich: Das Ulmer Münster hat 162 Meter. Bei diesen Rädern handelt es sich um sogenannte Schwachwindanlagen, die auch in windarmen Regionen viel Wind abgreifen können und dementsprechend rentabel betrieben werden können. Bislang sind avisierte Projekte in der Region immer an der Wirtschaftlichkeit gescheitert. Doch mittlerweile hat sich der Stand der Technik soweit verändert, dass auch in Oberschwaben Windkraftprojekte rentabel umgesetzt werden können. Auch der neue Windatlas des Landes Baden-Württemberg räumt dem Landkreis Ravensburg ein deutlich höheres Potenzial für Windkraft an.

Noch gibt es ein planerisches Problem für beide Projekte: Sie befinden sich im regionalen Grünzug des neuen Regionalplans, der gerade entsteht. Das heißt: Eigentlich sind dort Windräder gar nicht erlaubt. Doch die Regionalversammlung des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwabens könnte eine Ausnahmeregelung für Windräder in der Region erlauben. Und das muss sie, wenn man die Worte von Regionalverbandsdirektor Wilfried Franke richtig deutet. Denn er hat bereits angekündigt, dass es einen neuen Teilregionalplan erneuerbare Energien erstellen muss.

Dämonenprozess: Urteil ist gefällt

WILHELMSDORF (ric) - Der Fall hat ganz Oberschwaben und auch die Schweiz bewegt. Eine junge Frau aus Wilhelmsdorf wird in Wagenhausen im Kanton Thurgau zu Tode getrampelt, weil ihr Vater glaubte, sie wäre von Dämonen besessen gewesen. Im März 2018 ist der heute 52-jährige Klaus S., der aus Leutkirch im Allgäu stammt, vom Bezirksgericht Frauenfeld zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Doch sowohl die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen als auch die Verteidigung gingen in Berufung vor das Obergericht Thurgau. In der zweiten Instanz, die im März in Frauenfeld tagte, setzte sich letztlich die Staatsanwaltschaft in weiten Teilen durch: Jetzt muss der Mann für zwölf Jahre hinter Gitter.

Thurik GmbH

Flugzeuabsturz: Bericht liegt vor

WALDBURG (ric) - Knapp zwei Jahre nach dem Flugzeugabsturz mit drei Toten in Sieberatsreute in der Gemeinde Waldburg liegt seit Anfang November der Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig vor. Als Grund für den Absturz nennt der Bericht einen plötzlichen Kontrollverlust über das Flugzeug beim Anflug auf den Flughafen Friedrichshafen. Wie der Bericht zeigt, gibt es keine Hinweise auf technische Mängel an der Maschine. Eine Obduktion ergab, dass weder Pilot noch Co-Pilot unter Einfluss von Alkohol, Medikamenten oder Drogen standen. Trotz der akribischen Recherche bleiben einige Fragen unbeantwortet.

Frohe Weihnachten!

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Der Lokalverlag Ravensburg der „Schwäbischen Zeitung“ bedankt sich bei allen Kunden und Lesern für ihr Vertrauen und die gute Zusammenarbeit. Wir wünschen ein besinnliches Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr.