Die Schreinerinnung Lindau stellt sich vor

Die Nachfrage nach dem Schreinerhandwerk ist gestiegen. Allerdings gibt es immer weniger Ausbildungsbetriebe. FOTOS: COLOURBOX

Stefan Irmler ist seit acht Jahren Obermeister der Schreinerinnung Lindau, die insgesamt 22 Mitglieder zählt. Welche Vorteile eine Mitgliedschaft bietet, wie die Nachfrage nach dem Handwerk ist und welche Aufgaben er als Obermeister hat, darüber spricht er im Interview.  

Von Viktoria Benz 

Welche Vorteile bietet eine Mitgliedschaft bei der Schreinerinnung Lindau?

Innungsmitglieder können sich beim Verband jederzeit über wichtige Themen informieren oder beraten lassen. Im Verband sind zum Beispiel auch Anwälte vertreten, die einem Betrieb insbesondere in Rechtsfragen weiterhelfen können. Außerdem können sie sich neben dem Know-how auch an diversen Unterlagen bedienen, wie etwa Lehr- und Arbeitsverträge. Hinzu kommt das Angebot verschiedener Zertifizierungen, wie die Brandschutzzertifizierung, die über die Mitgliedschaft erlangt werden können. Innung und Verband kümmern sich zum einen um die Rahmenbedingungen und Prüfungen in der Schreinerausbildung, wovon schließlich gleichenfalls die Ausbildungsbetriebe profitieren. Außerdem leben Innungsmitglieder günstiger. Dafür sorgen zahlreiche Rahmenverträge und Angebote, die nur über die Gemeinschaft möglich sind.
  
Stefan Irmler. FOTO:VIBE
Stefan Irmler. FOTO:VIBE
Finden im Landkreis von Seiten der Innung auch Aktionen oder Veranstaltungen statt?

Wir sind jedes Frühjahr auf der Handwerkeroffensive im Club Vaudeville in Lindau mit einem Stand vertreten. Dort bringen wir den Schülern das Handwerk ein Stück näher, indem sie sich vor Ort mit diversen Schreinertätigkeiten vertraut machen und sich ausprobieren können. Außerdem schalten wir einmal im Jahr eine Zeitungsanzeige, an der sich die Innungsmitgleider beteiligen. Ein Teil des Erlöses geht an die Spendenaktion „Sternstunden“.

Wie ist denn die Nachfrage nach Schreinerausbildungen in unserer Region?

Die Nachfrage hat wieder zugenommen. Ich habe das Gefühl, dass Jugendliche das Handwerk wieder etwas mehr wertschätzen. Die Nachfrage hat nämlich wieder zugenommen. Das Problem ist derzeit weniger die Nachfrage, sondern das Angebot an Ausbildungsbetrieben. In den vergangenen Jahren mussten einige Betriebe altersbedingt schließen.
  
Und wie ist generell die Entwicklung des Handwerks hierzulande?

Lassen sich Trends erkennen? Unsere Aufträge gehen im Allgäu eher in die ländliche Richtung. Hier am See wünschen die Kunden mehr modernere Sonderanfertigungen und Bauteile, die zum Beipsiel weiß lackiert sind. Das zeigt, dass unser Handwerk natürlich auch der Mode untergeben ist. Zu beobachten ist außerdem, dass die Nachfrage nach Altholz sehr stark am Kommen ist.

  
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Werden Sie sich bei der nächsten Frühjahrsversammlung erneut für das Amt des Obermeiosters aufstellen lassen?

Nein, ich bin seit acht Jahren Obermeister. Bei den kommenden Neuwahlen werde ich mich nicht nochmal zur Wahl stellen. Ich möchte nun auch anderen diese Möglichkeit bieten. Außerdem ist es auch gut, wenn mal wieder frischen Wind in das Amt kommt.

Schreiner stellen Möbel, Türen und Fenster aus Holz und Holzwerkstoffen her oder führen Innenausbauten durch. Meist handelt es sich dabei um Einzelanfertigungen.

Wann immer es um Maßarbeit geht - Schreiner wissen, wie sie die Wünsche ihrer Kunden am besten umsetzen können. Ob eine Holztreppe oder eine neue Wohnzimmertür: Fast alles, was im Haus aus Holz ist, fällt in ihr Gebiet. Damit eine Schrankwand später genau in den Raum passt, nehmen sie sorgfältig Maß, bevor sie eine Skizze erstellen. Welches Holz verwendet werden soll oder wie die Oberflächen beschaffen sein müssen, bestimmen sie vorab. Ob Massivholz, Sperrholz- oder Spanplatten - sie kennen sich mit ihren Rohstoffen aus und wissen, welches Material für welches Produkt am besten geeignet ist. Nach den Wünschen der Kunden erstellen sie mithilfe von Computer Aided Design (CAD ) und branchenspezifischer Software Entwürfe und fertigen Modelle an. Mitunter stellen sie auch für Senioren oder Menschen, die im Rollstuhl sitzen, Spezialanfertigungen wie höhenverstellbare Tische her.

  
Schreiner stellen Schränke, Sitzmöbel, Tische, Fenster und Türen, aber auch Innenausbauten sowie Messe- und Ladeneinrichtungen meist in Einzelanfertigung her. FOTOS: COLOURBOX
Schreiner stellen Schränke, Sitzmöbel, Tische, Fenster und Türen, aber auch Innenausbauten sowie Messe- und Ladeneinrichtungen meist in Einzelanfertigung her. FOTOS: COLOURBOX
Staub und Späne: Holzverarbeitung

In der Werkstatt schneiden sie das Holz zuerst grob zu und hobeln es ab. Elektrische und häufig auch CNC -gesteuerte Maschinen nehmen ihnen dabei viel Arbeit ab. Neben handwerklichem Geschick ist also auch technisches Verständnis gefragt. Kräftiges Zupacken ist erforderlich, wenn Schreiner schwere Holzteile bei der Bearbeitung anheben müssen. Um Präzisionsarbeit wiederum geht es, wenn sie mit der Hand Schlitze, Löcher oder Vertiefungen ausstemmen. Millimetergenau müssen die Teile zusammenpassen. Sind die Einzelteile hergestellt, bohren und fräsen Schreiner Löcher, in die sie Scharniere einsetzen oder Holzdübel einleimen, nageln Bretter mit dem Hammer zusammen, verleimen Teile oder verzahnen Zinken und Zapfen. Sie bringen Sockelverstellungsbeschläge oder Schienen für Schubladen an, bauen Fachböden und Zwischenwände ein oder montieren Schranktüren und Griffe.

Die Schauseite: Oberflächenbehandlung

Nicht alles wird aus kostspieligem Vollholz hergestellt. Damit auch Stücke aus Span- oder Sperrholzplatten schön anzusehen sind, furnieren Schreiner die Platten. Sie wählen das passende Furnier nach Maserung und Farbe aus, schneiden es zu und kleben es mithilfe spezieller Pressen auf die Platten. Aber auch bei Vollholz ist es nicht damit getan, raue Holzoberflächen glatt zu schleifen. Schreiner versiegeln die Oberfläche und verändern beispielsweise die Farbe des Holzes, indem sie es bleichen, beizen, lasieren oder lackieren. Dabei setzen sie auch ökologische Mittel ein.

  
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Montage

Ob in einer bewohnten Wohnung der Einbauschrank montiert, Parkettboden verlegt oder im Rohbau Fenster, Treppen und Türen eingebaut werden - immer wieder sind neue Herausforderungen zu bewältigen. Schließlich müssen die fertigen Stücke genau am vorgesehenen Ort eingepasst werden. Routiniert bauen Schreiner z.B. Türzargen zusammen, passen diese in die Türöffnung ein, schäumen sie aus und hängen die Tür ein. Wenn sie eine Einbauküche montieren, schließen sie auch die Elektrogeräte und die Armaturen an. Bevor sie den Ort verlassen, prüfen sie, ob alles den Sicherheitsvorschriften entspricht und richtig funktioniert.

Aufgemöbelt

Darüber hinaus können Schreiner mit älteren Möbelstücken zu tun haben. Sie reparieren z. B. Schränke, die nicht mehr richtig schließen, oder bearbeiten zerkratzte Tischplatten. Sie behandeln holzwurmbefallene alte Möbel oder ersetzen ganze Teile unter Beachtung von Bauart und Baustil. Bevor sie ans Werk gehen, beraten sie ihre Kunden, zeigen verschiedene Möglichkeiten auf und erklären ihnen schließlich, wie sie das instand gesetzte Möbelstück am besten pflegen können.

Ausbildung

Die duale Ausbildung in Ausbildungsbetrieb und Berufsschule zum Schreiner dauert drei Jahre. Neben den bereits aufgeführten handwerklichen Fähigkeiten werden darüber hinaus Kenntnisse über Themen wie Rechte und Pflichten während der Ausbildung, Organisation des Ausbildungsbetriebs und Umweltschutz vermittelt.

   
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Ausbildungsvergütung

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (je nach Bundesland unterschiedlich):
• Erstes Ausbildungsjahr: 525 bis 690 Euro
• Zweites Ausbildungsjahr: 690 bis 765 Euro
• Drittes Ausbildungsjahr: 800 bis 922 Euro.

Mit Zusatzqualifikationen Chancen verbessern

Eine gute Startposition können sich angehende Schreiner verschaffen, indem sie bereits während ihrer Ausbildung Zusatzqualifikationen erwerben, z.B. als „Assistent/in für Energie und Ressourcen im Handwerk", als „CNC-Fachkraft" oder im Bereich Europäisches Waren- und Wirtschaftsrecht durch die Zusatzqualifikation „Europaassistent/ in".

Beruflich weiterkommen

Eine Aufstiegsweiterbildung hilft, beruflich voranzukommen und Führungspositionen zu erreichen. Naheliegend ist es, die Prüfung als Schreinermeister abzulegen.

Mit einer Hochschulzugangsberechtigung kann man auch studieren und beispielsweise einen Bachelorabschluss im Studienfach Holztechnik erwerben.

Sich selbstständig machen

Auch der Schritt in die Selbstständigkeit ist möglich, z.B. mit einem eigenen Schreiner- oder Schreinereibetrieb bzw. einem auf Teilbereiche spezialisierten Betrieb (z.B. Restaurierungswerkstatt, BauSchreinerei). Berufenet
  

Grußwort

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Vielen Dank für die tolle Zusammenarbeit und weiterhin viel Erfolg in Ihrem Meisterhandwerk!

Stephanie Schumann, Mediaberaterin der Lindauer Zeitung  
  


Kontakt

Schreinerinnung Lindau
Uferweg 9
88131 Lindau
Tel.: 8382-5829
E-Mail: handwerklindau@tonline.de
www.schreiner-lindau.de

Themenwelten

Die Sonderveröffentlichung „Schreinerinnung“ finden Sie auch im Internet unter www.themenwelten.schwaebische.region.de/lindau