„Stopheles“ wird zum zeitgemäßen Wohn- und Bürogebäude umgebaut

Das Bauernhaus „Stopheles“ wurde acht Monate lang aufwendig saniert und umgebaut. Die darin entstandenen Wohnungen sind bereits bezogen und auch das Architekturbüro von Beate Meßmer befindet sich seit Fertigstellung im Gebäude. Fotos: Beate Meßmer, Katja Dell
Nach einer intensiven Planungs- und Bauzeit ist es Beate Meßmer von Aumüller Meßmer Architekten gelungen, das historische Bauernhaus in Wasserburg zu einem zeitgemäßen Wohn- und Bürogebäude zu verändern und den ursprünglichen Charakter zu erhalten.

WASSERBURG - „Das ortsprägende Bauernhaus ist das Elternhaus meines Mannes. Als mein Schwiegervater im Oktober vor zwei Jahren aus dem Haus ausgezogen ist, war uns klar, dass zuerst einmal die Bausubstanz des alten Hauses geprüft werden muss, bevor eine Umbauplanung gestartet werden kann“, sagt Beate Meßmer von Aumüller Meßmer Architekten. Nachdem der Statiker bescheinigt hatte, dass das Fundament und die Tragstruktur des über 300 Jahre alten Hauses in Ordnung sind, konnte sie schließlich mit der Planung beginnen. Auf Grundlage einer dendrochronologischen Untersuchung wurde das Gebälk auf das Jahr 1709 datiert.
  
„Stopheles“ wird zum zeitgemäßen Wohn- und Bürogebäude umgebaut Image 1
„Uns war immer wichtig, das Gesicht des Bodenseehauses zu erhalten, jedoch sollte das ganze Bauvorhaben auch wirtschaftlich umsetzbar sein“, sagt Beate Meßmer weiter. Das an das Bauernhaus angebaute Dennen wurde daher abgerissen. Das historische Gebälk wurde zu Brettern gesägt, die später für den Innenausbau verwendet wurden. An dieser Stelle entstand dann in Anlehnung an das alte Wirtschaftsgebäude ein Neubau in Holzbauweise, in dem zwei Wohnungen untergebracht sind. Die großen Fensteröffnungen zur Straße und die dunkle Holzverkleidung sollen an die bisherige Funktion erinnern. Über das gesam
te Haus erstreckt sich ein einheitliches Satteldach, das im Zuge der Sanierung und des Neubaus nach heutigen Anforderungen gedämmt wurde. First, Traufe und Dachform sind ebenfalls an das alte Haus angelehnt. Auch die bisherige Gebäudebreite wurde erhalten, lediglich im Erdgeschoss wurde die Wohnung durch einen eingeschossigen Kubus in den ruhigen Innenhof erweitert. Dieser Gebäudeteil ist gleichzeitig Terrasse der Wohnung im Obergeschoss. Durch die nahe Lage des Gebäudes an der Straße orientieren sich die Wohnräume auf die ruhige Innenhofseite. Jede Wohnung besitzt ihren eigenen Charme, im Erdgeschoss ist die Massivholzdecke sichtbar geblieben und die Dachgeschosswohnung hat einen hohen Luftraum mit einer Galerie bekommen.

„Uns war immer wichtig, das Gesicht des Bodenseehauses zu erhalten“

„Vor Baubeginn hat mein Mann in monatelanger Kleinarbeit das Haus ausgeräumt, die Decken und Böden geöffnet und rückgebaut und das alte Holzfachwerk im Erdgeschoss frei gelegt“, so Meßmer weiter. Hier fanden sich „Schätze“, wie die in der Wand versteckte Tagebuchsammlung der Großmutter, eine christliche Schabmadonna, die aus der Bodenschüttung zu Tage kam, eine Feuerwehrurkunde vom Ururgroßvater, im
Namen des Bayerischen Königs, bis hin zur Nescafe Portionsdose (abgefüllt in Lindau) für die Soldaten im Zweiten Weltkrieg.
  
„Stopheles“ wird zum zeitgemäßen Wohn- und Bürogebäude umgebaut Image 2
Nach nun achtmonatiger Bauzeit sind die Wohnungen im Neubau bezogen und das Ar
chitekturbüro von Beate Meßmer in die renovierten Räume im Erdgeschoss des Bauernhauses eingezogen. Ein Mieter für die gewerblich zu nutzenden Räume im Altbau OG ist ebenfalls gefunden. Damit die alte Struktur des Hauses ablesbar ist, wurden einige Wände in Sichtmauerwerk gelassen und an den Decken die ursprünglichen Blindböden frei gelegt. Die Küche als ursprünglich zentraler Aufenthaltsbereich des Hauses wurde zur gemütlichen Teeküche des Büros. „Die Außenfassade ist noch nicht ganz fertig, aber die Gipserarbeiten sind in vollem Gange und bis Ende des Jahres werden die Bauarbeiten abgeschlossen sein.“

Bauernhaus mit Charme

„Stopheles“ wird zum zeitgemäßen Wohn- und Bürogebäude umgebaut Image 3
Acht Monate lang haben Beate und Markus Meßmer das alte Bauernhaus in Wasserburg in Zusammenarbeit mit regionalen Handwerkern saniert und umgebaut. Welche Herausforderung diese Arbeiten mit sich brachten und welche Flächen das Gebäude nun mit dem Neubau bietet, darüber spricht die Architektin im Folgenden:
   
„Stopheles“ wird zum zeitgemäßen Wohn- und Bürogebäude umgebaut Image 4
„Stopheles“ wird zum zeitgemäßen Wohn- und Bürogebäude umgebaut Image 5
Mit welchen Herausforderungen waren die Sanierungsarbeiten des alten Bauernhauses behaftet?

Die Herausforderung im Bauablauf bestand darin, das Dach des Neubaus an den trapezförmigen Grundriss und in der Höhe um bis zu 18 cm differierenden Bestand anzupassen. Das
ist uns durch intensive Planung und Zusammenarbeit mit der ausführenden Zimmerei gelungen. Der original mit Seesteinen gemauerte Naturkeller im Bauernhaus und das mit Seesteinen ausgemauerte Holzfachwerk im Erdgeschoss wurden in der ursprünglichen Substanz erhalten, das Obergeschoss jedoch als neuer Holzbau errichtet.
     
„Stopheles“ wird zum zeitgemäßen Wohn- und Bürogebäude umgebaut Image 6
Wie viel Fläche bietet nun das fertig sanierte Bauernhaus mit neuem Anbau?

Die Gesamtfläche der 3-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss und der 2-Zimmer-Wohnung im Obergeschoss beträgt 175 m2. Die Büroflächen verfügen über insgesamt 106 m2 Fläche.

Und wie wird der Naturkeller in Zukunft genutzt?

Die darin bestehende Schnapsbrennerei bleibt weiter bestehen. Hier hat mein Mann aber noch weitere Pläne. Da er seit zwei Jahren als selbstständiger Unternehmensberater arbeitet, möchte er dort für Firmen Seminare anbieten.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Handwerkern? Und aus welchem Umkreis kamen die Gewerke?

Die Handwerker kommen alle aus dem näheren Umkreis und die Zusammenarbeit war sehr gut. Gerade Richtung Fertigstellungstermin haben alle nochmal richtig Gas gegeben! Vibe/Meßmer
      

Zum Architekturbüro

Das Architekturbüro von Beate Meßmer besteht seit 15 Jahren in Kooperation mit Britta Aumüller. Ihr Leistungsspektrum ist vielfältig, es reicht von öffentlichen und privaten Neubauten, hier ist das Bürgerbegegnungshaus in Wasserburg zu nennen, bis hin zu zahlreichen Sanierungen. In den letzten Jahren war es auch im Bereich den Denkmalschutzes tätig, wie etwa der Umbau des Pfarrhofes der Münsterpfarrei auf der Insel Lindau in ein Pfarrheim, oder die Errichtung einer Kinderkrippe in das alte Schulhaus in Hattnau.

Kontakt

Beate Meßmer
Architektin
Halbinselstraße 40
88142 Wasserburg/B
Tel.: 08382 - 98 96 598
bm@aumueller-messmer.de
www.aumueller-messmer.de