Regionale Kleinbrenner stellen sich vor

Auf dem Obsthof Gierer eröffnen die Kleinbrenner die diesjährige Saison. FOTOS: ANN-KATHHRIN SINGER
Das Handwerk der Schnapsbrenner führt auf eine lange Tradition zurück. Um diese nach Kriegszeiten fortzuführen, wurde vor etwa 70 Jahren der Kleinbrennerverband e.V. Lindau gegründet. Heute zählt der Verband 450 Mitglieder, die in über 600 regionalen Brennereien dafür Sorge tragen, saftiges Obst aus eigenem Anbau zu leckeren Destillaten zu verarbeiten und Einheimische zu verköstigen.

Von Viktoria Benz

Verband & wie alles begann

Als sich nach dem Krieg die Wirtschaft wieder im Aufschwung befand, konnten sich die Menschen wieder den Genüssen des Lebens widmen. Diese Gelegenheit nutzten eine handvoll regionaler Schnapsbrenner im Jahr 1950 und versammelten sich im Saalbau zu “Schlachters“, um den Grundstock des Lindauer Kleinbrennerverbandes zu legen. Ziel und Zweck der Verbandsgründung war und ist es noch heute, die Interessen der Brenner im Landkreis Lindau vereint zu vertreten. Seither treffen sie sich mehrmals im Jahr, um Erfahrungswerte und Neuigkeiten des Handwerks auszutauschen. Mit Brennkursen und Sensorikschulungen sorgt die Vorstandschaft mit Jürgen Spieler aus Heimenkirch an der Spitze, dass die Kleinbrenner immer auf dem neuesten Stand sind. Die Mitgliedschaft im Verband ermöglicht es den Brennern außerdem, dass sie ihre edlen Produkte auf traditionellen Festen in der Region wie etwa der Lindauer Kulturnacht und dem Internationalen Käse- & Gourmetfest in Lindenberg präsentieren können.

Die Kleinbrenner
    
Die Kleinbrenner bieten eine große Sortenvielfalt.
Die Kleinbrenner bieten eine große Sortenvielfalt.
Die Kleinbrenner, die selbst über fruchtbares Land verfügen, profitieren vor allem von den guten Bedingungen in der Bodenseeregion. Denn hierzulande sorgen sanft abfallende Hügel und ein mildes Klima für eine ausgeglichene Reifung der Früchte. Sobald diese den Höhepunkt ihres Reifeprozesses erreicht haben, werden die Früchte durch die Landwirte händisch gepflückt. Anschließend transportieren sie das Obst auf kürzestem Weg in die Brennerei. Diese Vorgehensweise wird von den Kunden besonders geschätzt, weil sie nicht nur die Früchte, sondern auch die Umwelt schont. Neben Äpfel, Birnen und Zwetschgen werden zudem eine Vielzahl anderer Fruchtsorten, die in den Obstgärten und Streuobstwiesen heranwachsen, auf höchstem technischen Niveau und handwerklichem Können verarbeitet, vergoren und destilliert und im Anschluss in den Hofläden zum Kauf bereitgestellt. Viele der Landwirte und Brenner bieten über das Jahr Hof- und Brennereiführungen an, bei denen die Gäste sich von der Brennkunst überzeugen lassen können.

Denn, dass es sich bei ihren Erzeugnissen, um hochwertige Tropfen handelt, haben die regionalen Kleinbrenner schon mehrmals durch vielfache Auszeichnungen bei der Obstbrandprämierung in Veits Höchheim bewiesen.

Im dortigen Institut werden alle zwei Jahre die Brände der Lindauer Kleinbrenner einer sensorischen und lebensmitteltechnischen Prüfung unterzogen, die nur die Besten der Besten bestehen. Diese hochwertige Qualität der prämierten Edelbrände wird durch Klarheit, betörendem Duft und feinfruchtigem Aroma erkennbar.

Saisoneröffnung der Kleinbrenner

Am 22. November präsentieren einige Kleinbrenner aus der Bodenseeregion ihre edlen Tropfen auf dem Obsthof Gierer in Nonnenhorn. „Es wird neben den prämierten Edelbränden auch leckere Cocktails aus unseren Erzeugnissen geben“, verrät Gastgeberin Conni Gierer.

Brennsorten

OBSTBRAND

Bei Bränden oder Wässern werden Früchte mit eigenem Zuckeranteil in einer Maische vergoren. Diese Maische wird anschließende destilliert. Echte Obstbrände sind nicht aromatisiert und nicht gezuckert. Ihr Alkohol stammt zu 100 % aus der jeweiligen Frucht. Dabei darf ein Mindestalkoholgehalt von 37,5 % nicht unterschritten werden.

GEIST

Hat eine Frucht keinen eigenen Zuckeranteil (z.B. Nüsse) oder soll ein Gewürzdestillat entstehen, gibt der Brenner die Rohstoffe in hochprozentigen reinen Alkohol, um ihnen die Aromen zu entziehen (Mazeration). Der so entstandene aromatisierte reine Alkohol wird anschließend zu einem Geist destilliert. Bei zuckerhaltigen Früchten kann der Brenner selbst entscheiden, ob er den Weg über die Gärung in der Maische (Obstbrand) oder über die Mazeration (Obstgeist) gehen möchte.

LIKÖR

Bei der Herstellung von Likören werden Früchte oder Kräuter mit hochprozentigem Alkohol angesetzt, der ihnen die Aromen extrahiert (Mazeration). Nach der Destillation werden für bestimmte Liköre noch dickflüssige Emulsionen wie Sahne, Eier oder Schokolade beigemischt. Liköre müssen mindestens 15 % Vol. Alkohol und 100 Gramm Zucker pro Liter enthalten.

SPIRITUOSE

Spirituosen, umgangssprachlich auch Schnaps genannt, sind für den menschlichen Verzehr bestimmte alkoholische Getränke mit einem Mindestalkoholgehalt von 15 % Vol. (Eierlikör 14 % Vol.). Der Ausgangsstoff von Spirituosen wird entweder durch Vergärung von zuckerhaltigen Lösungen (Getreide, Fruchtsäfte) beziehungsweise Maische gewonnen oder durch das Einlegen von Früchten und Beeren in Alkohol (Mazeration) erzeugt.

DESTILLATION

Bei der Herstellung eines Obstbrandes dient die vergorene, alkoholhaltige Obstmaische als Basis für den Brennvorgang. Beim Brennen, auch Destillation genannt, werden in mehreren Durchgängen (Rauhbrand, Feinbrand, Vorlauf, Mittellauf, Nachlauf) Alkohol und spezifische Aromastoffe von den restlichen festen oder flüchtigen Stoffen der Maische getrennt. Dabei wird der Alkohol konzentriert. Die Kunst des Brennens besteht darin, den wohlschmeckenden Mittellauf als „Herzstück des Brandes“ von allen störenden Stoffen zu trennen. So wird ein hochwertiger, aromatischer Obstbrand erzeugt.

MAZERATION

Bei der Herstellung eines Obstgeistes oder eines Likörs entfällt der Gärungsprozess des Obstes in der Maische. Stattdessen werden die Früchte in hochreinen Alkohol eingelegt. Dem frischen Obst wird das Aroma entzogen und so in den Alkohol überführt. Diesen Verfahren nennt man Mazeration (lateinisch „einweichen“). Anschließend wird destilliert, also gebrannt.

Kontakt

Kleinbrennerverband Lindau (B) e.V.
Jürgen Spieler
www.kleinbrenner-lindau.de
service@kleinbrennerlindau.de
Tel.: 08381 / 7617