Vier Firmen ziehen an einem Strang

Industrie 4.0 erlebbar werden zu lassen, das ist das Ziel der Industrie 4.0 Lernfabrik in der Erwin Teufel Schule in Spaichingen. Zusammen mit den vier Industrie-Partnern AutRob, GEWATEC, Hermle und STAR wurde jetzt eine Anlage installiert, in der die Maschinen, Roboter und Rechnersysteme miteinander vernetzt sind.

SPAICHINGEN - In dieser Web-Factory mit aktuellen, marktgängigen Maschinen und Werkzeugen werden individuelle Teile über eine Online-Bestellung vollautomatisch gefertigt. Am Dienstag, 19. November, wird um 17 Uhr die Industrie 4.0 Lernfabrik der Erwin-Teufel-Schule eröffnet. Die Schule setzt damit dem Aufbau ein Zeichen und will damit bei der Anwendung neuer Technologien vorne mit dabei sein.

Bei der Eröffnung erfährt der Besucher in einem Kurzvortrag, was Industrie 4.0 und die damit verbundene Digitalisierung der Fertigung bedeutet. Anschließend wird Industrie 4.0 in einer Live-Show erlebbar und begreifbar gemacht. In dieser Live-Show können die Besucher über ihr Smartphone einen Artikel online produzieren und einen komplett automatisierten Fertigungsprozess anstoßen. Von der Auftragsbestätigung, dem Lieferschein und der Rechnung über den Fertigungsauftrag, den Prüfauftrag bis zu den Versandpapieren werden sämtliche Prozesse automatisch abgewickelt. Das fertige Produkt, mit einer individuellen Namens-Gravur, wird durch den autonom fahrenden Roboter zum Warenausgang transportiert. Dort kann der Besucher dann sein individuell produziertes Produkt mit Losgröße eins abholen. Bei Bedarf wird das Teil auch nach Hause geliefert. Die einzelnen Prozessschritte können auf der Großleinwand während der Industrie 4.0 Show live verfolgt werden.

Mit den Partnerfirmen wurde eine besonders enge Kooperation eingegangen. Sie waren von Beginn an in der Projektgruppe aktiv, haben Maschinen und Anlagen sowie die Software zur Verfügung gestellt und arbeiten ständig mit an der Weiterentwicklung der Lernfabrik.

Das sind die Firmen:
AutRob mit fahrbarem Roboter
GEWATEC mit den Software-Modulen ERP/MES, CAQ, MDE/BDE und DNC zur Verarbeitung der Daten, mit dem Webclient für den Online-Bestellprozess und der kompletten Auftragsabwicklung und Steuerung der Anlage
Hermle Bearbeitungszentrum C 32
STAR mit einem Langdrehautomaten SR-20RIV Type A.

Begeisterung für Industrie 4.0 und das Internet der Dinge (IoT) in der jungen Generation wecken

Eine breite Qualifizierungsoffensive für digitale Technologien ist in jedem Fall das Gebot der Stunde. Dabei befindet sich die technologische Entwicklung im Rahmen von Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge erst am Anfang und wird sich in den kommenden Jahren in Richtungen weiterentwickeln, die heute noch gar nicht zu erkennen sind.

Mit der Modernisierung der IT-Systeme und Wirtschaftsprozesse muss das Wissen und die Einstellung der Menschen Schritt halten und sich fortentwickeln. Letzten Endes wird es darum gehen, das Bewusstsein und eine gewisse Begeisterung für die Digitalisierung, Industrie 4.0 und das Internet der Dinge zu wecken. Und wo wäre ein fruchtbarerer Boden für die neuen Ideen, als bei den jungen Menschen, die heute als Generationen sogenannter „digital natives“ aufwachsen und deren Kreativität noch nicht durch Scheuklappen eingeengt ist.

Lernfabrik Industrie 4.0 fertigt unter realen Produktionsbedingungen

Die Lernfabrik an der ETS zeichnet sich dadurch aus, dass keine Demonstrationsoder Labormodelle eingesetzt werden, sondern reale Industriekomponenten, die vollautomatisch und individuell konkrete Produkte fertigen. Als Produkte stehen fünf Teile zur Auswahl (zwei Flaschenöffner, Schlüsselanhänger, Signalpfeife und LED-Taschenlampe).

Der Kunde geht zur Bestellung mit seinem Smartphone, Tablet oder PC per QR-Code oder URL auf die Website, gibt seine persönlichen Daten an, wählt eines der Produkte aus und gibt die individuelle Gravur (Name, Logo, etc.) ein. Über die Anbindung des Webclient an das ERP-System werden die Daten an die Anlage vor Ort übermittelt und automatisch im Produktionsleitsystem (MES/ERP) die Stammdaten wie Kundeninformation, Kundenauftrag oder Produktionsauftrag angelegt, das zugehörige CNC-Programm geladen, das Gravierprogramm erzeugt und die Daten direkt an die Maschine übertragen. Dann erhält die Anlage vom System das Startsignal - und der gesamte Fertigungsprozess wird angestoßen.

Was sind die Zukunftspläne für die Industrie 4.0 Lernfabrik?

„Mit der Lernfabrik Industrie 4.0 wurde eine Plattform geschaffen, um auch Industrie 4.0-Visionen der Zukunft in der Praxis präsentieren zu können“, so Dr. Reinhold Walz von GEWATEC. Und ergänzt selbstbewusst: „Zugleich können wir damit eindrucksvoll demonstrieren, wozu regionale mittelständische Firmen in der Lage sind und dass sich Hightech nicht nur im Silicon Valley abspielt.“

In der Zukunft sollen sämtliche Produktionsmittel miteinander vernetzt und in den vollautomatischen Fertigungsprozess integriert werden. Außerdem soll die Lernfabrik als Fortbildungszentrum für das Thema Industrie 4.0 ausgebaut werden.