Freie Fahrt auf der neuen Straße

Die neue Straße entsteht. FOTO: LANDRATSAMT BODENSEEKREIS
Seit dem 17. Oktober ist die neugebaute K7725 neu bei Kehlen für den Verkehr freigegeben. Sie verbindet die B30 bei Lochbrücke mit der K7725 Richtung Hirschlatt.

KEHLEN - Der Weg vom ersten Planungsschritt bis zur tatsächlichen Fertigstellung einer Straßenbaumaßnahme wird zunehmend langwieriger und komplexer“, sagt Landrat Lothar Wölfle in seinem Grußwort in der Broschüre zur neuen Straße. „Umso mehr freut es mich, dass der Bodenseekreis mit der Fertigstellung der Südumfahrung Kehlen einmal mehr bewiesen hat, dass es sich lohnt, die gesetzten Ziele mit Ausdauer, Nachdruck und politischer Unterstützung zu verfolgen.“

Vor den Baumaßnahmen war die Straßeninfrastruktur im Schussental, insbesondere zwischen Ravensburg und Friedrichshafen regelmäßig überlastet. Die Anwohner und die Verkehrsteilnehmer der Kreisstraße K 7725 im Zuge der Ortsdurchfahrt von Kehlen bekamen dies deutlich zu spüren. Schmale Fahrbahnbreite und angrenzende Bebauung sowie ein Bahnübergang mit mehr als 100 durchfahrenden Zügen täglich erschwerten die Situation für Radfahrer und Fußgänger. Die Strecke ist außerdem aufgrund des Lieferanten- und Besucherverkehrs des Messestandortes Friedrichshafen stark frequentiert.

Das Problem und die Lösung

Erste Bestrebungen, die Situation zu verändern, fanden bereits 1979 statt. Im Jahr 2001 wurden die Planungen erneut aufgenommen. Unter Federführung des Bodenseekreises haben sich die Gemeinde Meckenbeuren und alle sonst zu beteiligenden Behörden und Verbände im Rahmen einer Projektgruppe auf den Weg gemacht, die mit Blick auf die Verkehrswirksamkeit, Wirtschaftlichkeit, Ökologie und maximale Entlastung für die Anwohner der Ortsdurchfahrt vergleichsweise beste Lösung zu erarbeiten: Die Südumfahrung wird beschlossen.

Die etwa 1,5 Kilometer lange Straße entlastet von nun an den Meckenbeurer Ortsteil Kehlen vom Durchgangsverkehr und macht die sichere und reibungslose Querung der Bahngleise möglich.
  
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Außerdem ist sie zusammen mit der Messezufahrt Nord ein wichtiger Anschluss für die Messe Friedrichshafen. Rund 20,8 Millionen hat das vom Bodenseekreis getragene Straßenbauprojekt gekostet. Die Baumanager im Landratsamt haben die Zeit- und Kostenplanungen eingehalten.

Kernstück des Bauprojekts ist die 208 Meter lange Brücke über Schussen und Bahnlinie. Die Zufahrtsdämme ruhen auf Tausenden sogenannten Stopfsäulen, die bis zu 19 Meter in die Tiefe reichen. Die Brücke selbst wird von 34 Betonbohrpfählen mit Durchmessern von je 1,20 Metern und jeweils etwa 30 Metern Länge getragen. Lärmschutzwände aus Glas, Holz und Stein sorgen dafür, dass die Straße in den benachbarten Siedlungen kaum zu hören sein wird und sich elegant in die Landschaft einfügt. Über vier Jahre haben die Bauarbeiten gedauert. Die Planungen waren im Jahr 2001 begonnen worden.

Zur feierlichen Eröffnung des Bauwerks waren Landrat Lothar Wölfle, Regierungspräsident Klaus Tappeser, Bürgermeisterin Elisabeth Kugel sowie viele Projektbeteiligte, Wegbereiter und Dutzende Gäste anwesend.

Wissenswertes

● Gesamtkosten: ca. 20,8 Millionen Euro
● Grunderwerb: ca. 1,7 Millionen. Euro
● Baukosten: ca. 19,1 Millionen Euro
● Förderung durch das Land Baden-Württemberg im Rahmen des LGVFG in Höhe von ca. 6,6 Millionen Euro.
● Um den Grunderwerb für die Baumaßnahme zu tätigen und gleichzeitig die verbleibenden Flurstücke sinnvoll zuteilen zu können, wurde im Jahr 2014 ein Flurbereinigungsverfahren eingeleitet. Insgesamt werden für die gesamte Baumaßnahme 7,93 ha für Straßenflächen und 8,21 ha für Ausgleichsflächen benötigt.

Optimierung der Infrastruktur

Die neue Straße entsteht. FOTO: LANDRATSAMT BODENSEEKREIS
Die neue Straße entsteht. 
FOTO: LANDRATSAMT BODENSEEKREIS
Der Ausbau und die Optimierung der Verkehrsinfrastruktur im Bodenseekreis ist eine drängende Aufgaben, in der Region. Mit der Fertigstellung der Südumfahrung Kehlen ist ein wichtiger Schritt zur Entlastung der Straße, aber auch der Anwohner getan.

KEHLEN - Neben der Kompetenz der beteiligten Gutachter, Planer und Bauleiter sowie der ausführenden Unternehmen, hat nicht zuletzt auch die sehr gute Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Meckenbeuren und dem Landkreis, gemeinsam mit den Trägern der öffentlichen Belange für Landwirtschaft, Wasser, Boden und Naturschutz sowie den Interessenverbänden zum Erfolg dieser Maßnahme beigetragen. Ganz ohne Zweifel führt Straßenbau regelmäßig auch zu starken Eingriffen und Veränderungen in Natur und Umwelt und damit für uns Menschen – so auch hier an den Schussenauen. Um diese Beeinträchtigungen möglichst gering zu halten oder auszugleichen, sind umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen mit diesem Bau verbunden. „Mit Blick auf das Landschaftsbild haben wir uns unter anderem gemeinsam mit den Brückenplanern und Architekten intensiv mit der Gestaltung des sehr schlank konstruierten und über 200 m langen Brückenbauwerkes auseinandergesetzt“, erklärt Landrat Lothar Wölfle. „Es freut mich besonders, dass sich sowohl der Kreistag des Bodenseekreises als auch der Gemeinderat Meckenbeuren dafür entschieden haben, zum Schutz der Anwohner zusätzliche Mittel in die Hand zu nehmen um einen umfangreicheren Lärmschutz im Zuge der Südumfahrung Kehlen zu realisieren als vom Gesetzgeber gefordert“, so der Landrat weiter.
  
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In der Broschüre des Landratsamts Bodenseekreis werden die Meilensteine zur Entstehung der neuen Straße aufgelistet. QUELLE: LANDRATSAMT BODENSEEKR
Außerdem wurde zur Minimierung der Beeinträchtigung der aktiven Landwirtschaftsbetriebe die Durchführung eines begleitenden Flurbereinigungsverfahrens, welches vom Amt für Flurneuordnung in Ravensburg durchgeführt wird, veranlasst. Mit der Verkehrsfreigabe beginnt eine ganz wesentliche Entlastung der Anwohner in der Ortsdurchfahrt von Kehlen.

In Verbindung mit der ebenfalls vom Bodenseekreis realisierten Messezufahrt Nord gibt es nun eine deutlich bessere Erschließung der Stadt und des Messestandortes Friedrichshafen.

Ein deutliches Plus ist auch für die Verkehrssicherheit zu verzeichnen. Dies geschieht insbesondere durch die Entlastung des Bahnüberganges in der Ortsdurchfahrt von Kehlen. Die Elektrifizierung der Südbahn und der Bau der B30 neu bis Eschach werden einen weiteren Meilenstein zur Verkehrsinfrastruktur darstellen.