Sicheres Zuhause in der dunklen Jahreszeit

Klaus Fensterle ist kriminalpolizeilicher Berater und informiert über Einbruchschutz. FOTO: L.L.
Die dunkle Jahreszeit ist da und mit ihr die erhöhte Gefahr eines Wohnungseinbruchs. Denn im Gegensatz zum Sommer lässt sich für Diebe im Winter wunderbar beurteilen, ob ein Haus momentan bewohnt ist oder nicht. Doch was kann man tun, um sich gegen Einbrüche zu schützen? Linda Leinecker vom Südfinder hat mit Klaus Fensterle, kriminalpolizeilicher Berater des Polizeipräsidiums Ulm, Referat Prävention, gesprochen.

Herr Fensterle, nur zum Verständnis: Wie gehen die meisten Einbrecher denn vor, um ins Haus zu kommen?

Die Hauptvorgehensweise ist nach wie vor das Aufhebeln. Mithilfe eines großen Schraubenziehers wird meist auf der rückwärtigen Seite des Gebäudes versucht, Fenster oder Terassentüren aufzuhebeln. Manchmal haben wir auch den Fall, dass der Täter das Glas einschlägt. Nicht großflächig wie zum Beispiel in Actionfilmen gern gesehen, sondern punktuell, um durch das Loch durchzufassen und dann den Fenstergriff zu drehen. Aber die bereits geschilderte Aufhebelmethode kommt weit öfters vor. Fast 80 Prozent der Einbrüche werden so begangen.

Was für Schwachstellen am Zuhause gibt es, auf die Einbrecher besonders fixiert sind?
    
Ein abschließbarer Fenstergriff vermindert das Einbruchsrisiko. FOTO: AXEL WEISS
Ein abschließbarer Fenstergriff vermindert das Einbruchsrisiko.
FOTO: AXEL WEISS
Die Fensterbeschläge, also die Verbindung zwischen Fensterflügel und Rahmen, zum Beispiel. Bei Neubauten ist es oft so, dass keine einbruchssicheren Fensterschläge verbaut werden, sondern nach wie vor die einfachsten Rahmenschließteile verwendet werden, die allerdings keinen großen Widerstand gegen Aufhebeln leisten. Auch der Griff kann eine Schwachstelle sein, speziell bei einem Angriff über die Glasscheibe. Was zusätzlich oft außer Acht gelassen wird, sind Nebeneingangstüren wie zum Beispiel Kellertüren. Da man diese nicht so prominent sieht wie etwa Haustüren, wird nicht so sehr an die Sicherheit von den Kellertüren gedacht. Eine weitere Schwachstelle sind Gebäude, an denen Garagen angebaut sind und dadurch Zugang zum Haus für die Einbrecher besteht, weil die Verbindungstür zwischen Garage und Wohnung sehr häufig keinen erhöhten Einbruchschutz bietet.

Was können Bewohner tun, um sich optimal gegen solche Übergriffe zu schützen?

Es gibt immer die Möglichkeit, den bestehenden Baubestand zu verbessern. In der Nachrüstung der Fenster zum Beispiel, können andere Beschläge mit hochwertigem, gehärtetem Stahl und Sicherheitsschließstücke am Fensterrahmen verbaut werden. Auch abschließbare Fenstergriffe sind empfehlenswert. Denn selbst wenn der Täter über das Fenster in das Gebäude will, kann er so den Griff nicht drehen. Was Haustüren und Nebeneingangstüren betrifft, kann man diese mit Mehrfachverriegelungen oder Querriegelschlössern, die sich von außen und innen absichern lassen, nachrüsten. Bei Altbauten genügt leider oft ein gut platzierter Fußtritt und die Tür ist offen. Das kann man durch eine geeignete Nachrüstung vermeiden. Wir empfehlen aber diesbezüglich immer, nur geprüfte und zertifizierte Produkte zu verwenden und diese von qualitativen Handwerkern installieren zu lassen. Es gibt dafür eine Errichterliste von Handwerksbetrieben. Diese mussten extra eine Schulung absolvieren, um auf dieser Liste geführt zu werden. Die Errichterliste ist ebenso wie die Herstellerliste, die Hersteller aufzeigt, die zertifizierte Produkte anbieten, für jeden im Netz auf www.polizei-bw.de, Menüpunkt-Prävention, oder www.k-einbruch.de einsehbar.

Wie sieht es mit den Kosten aus?
   
Das Aufhebeln ist die von Einbrechern am häufigsten benutzte Methode. FOTO: A. KAYA
Das Aufhebeln ist die von Einbrechern am häufigsten benutzte Methode.
FOTO: A. KAYA
Dazu kann ich keine allgemeine Aussage machen. Es kommt immer auf das Objekt an, das gesichert werden soll. Bei unterschiedlichen Größen variieren natürlich auch die Kosten. Jeder muss selbst entscheiden, ob und wenn ja, wieviel er in seinen Einbruchschutz investieren möchte. Wenn Einbrecher ins Haus kommen, ist es Tatsache, dass sie die Küche, das Bad und das Schlafzimmer am häufigsten aufsuchen, die intimsten Bereiche eines Menschen also. Die materiellen Folgen eines Einbruchs sind oftmals schlimm, aber die psychische Belastung für die Geschädigten ist häufig weitaus gravierender. Viele Einbrüche bleiben schon im Versuchsstadium stecken, weil der Besitzer sein Gebäude bereits gut gesichert hat. Im Gespräch mit dem Bürger erfahren wir immer wieder, dass die Investition in Sicherungstechnik gut angelegtes Geld ist.

Was tun Sie im Referat Prävention im Bereich Wohnungseinbruchsdiebstahl, um die Leute für das Thema zu sensibilisieren?

Wir halten unter anderem Vorträge und machen nach vorheriger Terminvereinbarung kostenlose Beratungen vor Ort beim Bürger, um ihn auf die Schwachstellen seines Gebäudes hinzuweisen. Bei der Analyse bekommt der Bürger außerdem eine Informationsbroschüre von uns, die sicherungstechnische Produkte aufführt. Gemeinsam mit den Bewohnern des Hauses schauen wir also gleich nach Maßnahmen für die konkrete Sicherung des Gebäudes. Da dies eine gesamtpolizeiliche Aufgabe ist, zeigt die Polizei erhöhte Präsenz in der dunklen Jahreszeit vor Ort, um die Sicherheit der Bürger zu gewähren. Außerdem greifen wir das Thema regelmäßig in den Online Medien auf, um dem Bürger umfangreiche Informationen zu dem Thema zur Verfügung zu stellen.

Haben Sie zum Abschluss noch generelle Tipps, die jeder beachten sollte, um in der dunklen Jahreszeit nicht ausgeraubt zu werden?

Natürlich schreckt es potenzielle Einbrecher ab, wenn es so aussieht, als wäre jemand zu Hause. Dazu kann man zum Beispiel auf TV-Flackerlicht zurückgreifen oder Lichtquellen in verschiedenen Räumen brennen lassen. Auch steuerbare Jalousien können hier gute Dienste erweisen. Natürlich sollten Fenster und Türen immer abgeschlossen werden. Und eine gute Nachbarschaft ist auch eine sehr gute Einbruchsprävention. So kann man beispielsweise den Nachbar bei eigener längerer Abwesenheit bitten, den Briefkasten zu leeren oder die Jalousien zu betätigen. Verdächtige Beobachtungen im eigenen Wohngebiet sollten an die Polizei mitgeteilt werden. Wir sind dankbar für Hinweise aus der Bevölkerung.

Am Donnerstag, den 7. November, 19 Uhr, hält Klaus Fensterle im Pfarrhaus in Mittelbiberach einen Vortrag zu diesem Thema.