Vater und Sohn, Wald und Holz

Einen Winter wenigstens wollte er durchhalten – im kühlen Oberschwaben. Bäume fällen und bei Waldläufen starten, gutes Geld verdienen, dann schnell zurück in die Heimat Südtirol. Doch es kam ein wenig anders: Johann „Hansjörg“ Gruber blieb 1980 bis heute.

VON RUDI HOLZBERGER

HORGENZELL - Bald schon gefallen ihm Land und Leute, er gründet eine Familie mit vier Kindern und verschreibt sich dem Wald in Oberschwaben. Gründet 1989 seine eigene Firma in Horgenzell: Forst Gruber. 30 Jahre für den Wald, seit 15 Jahren mit dem Sohn als Partner. Zwei Firmen und ein starkes Team. Bekannt als Spezialisten: Von Sonderfällungen bis zur Rettung kranker Bäume, vom Wald bis in den Vorgarten reicht das breite Angebot. Vom Wipfel bis zur Wurzel.
   
Bäume fällen, Wurzeln lüften, Äste retten! Darum kümmert sich seit 30 Jahren Hansjörg Gruber mit seinem Team. Seit 15 Jahren ist Sohn Emanuel Gruber als Partner an seiner Seite. Fotos: Forstbetrieb Gruber
Bäume fällen, Wurzeln lüften, Äste retten! Darum kümmert sich seit 30 Jahren Hansjörg Gruber mit seinem Team. Seit 15 Jahren ist Sohn Emanuel Gruber als Partner an seiner Seite. Fotos: Forstbetrieb Gruber
Der Anfang geriet gleich stürmisch: Vivian und Wiebke, die beiden schweren Stürme hatten ganze Wälder umgelegt, Holzfäller waren gefragt wie nie. Auch „Lothar“ ließ sich später nicht lumpen, doch die Arbeit im Sturmholz war nicht nur gefährlich, sondern immer auch eine Notlösung. „Mir ist da schon klar geworden, dass wir Waldarbeit neu denken müssen“, sinniert Hansjörg Gruber. Und wer Sohn Emanuel zuhört, begreift schnell, dass so einer mit dem alten Klischee vom Holzfäller nicht mehr zu definieren ist. Emanuel redet wie ein Förster, er kennt die Ökologie der Wälder, er weiß auch: Der nächste Sturm kommt bestimmt, wir sollten die Wälder sturmfest machen und die Bäume gesund. Baumpflege kommt vor dem Holzfällen, wer immer noch allein an schnell wachsende Monokulturen und die Arbeit im Akkord glaubt, setzt auf das falsche Pferd. Moderne Waldarbeit ist auch Waldpflege, Verwertung und Pflege, Management und Monitoring.
   
Vater und Sohn, Wald und Holz Image 2
Früh schon hat sich Hansjörg Gruber daher auch auf Sonderfällungen spezialisiert: Hohe Bäume aus privaten Gärten in Wohngebieten entfernen etwa, da will der Baum Stück für Stück von oben abgetragen werden, da kann der Holzfäller die Säge nicht am Boden ansetzen. Schwierige Aufträge sind bis heute ein Steckenpferd für Vater Gruber, Sohn Emanuel setzt dagegen auf moderne Technik in jeder Form. Wer so Vater und Sohn eine Stunde nur zuhört, dem klingeln die Ohren nach diesem Crashkurs in moderner Waldarbeit. Vom Sturmholz bis zur Stockfräse, vom Wipfel bis zur Wurzel, von Garten- und Stadtbäumen, Holzfällern und grünen Romantikern, Pferden und Rückemaschinen, Kahlschlägen und der Zukunft des Waldes im Klimawandel. Und bis hin zu Miraculix. So glaube ich am endlich, den Wald vor allen Bäumen zu erkennen, Romantik und Realität. Nur: Wir sitzen hoch über dem Bodensee, im Biergarten, unter einem Kastanienbaum. Ein wunderschöner Baum für mich, für Hansjörg Gruber aber ein schwer leidender Patient: „Über den Sommer trampeln Zigtausende auf seinen Wurzeln herum, der Boden ist extrem verdichtet, da an den Blättern siehst Du, wie er nach Wasser dürstet. Kann gut sein, dass den Gästen ab und zu ein Ast auf den Kopf hagelt.“ Zu schade: Mein romantisches Bild einer Kastanie wird plötzlich zu einer Gefahr über unseren Köpfen! „Wenn so ein Ast fällt und einen Menschen verletzt, kann das teuer werden!“ Wo immer Menschen stehen und gehen, wird Totholz zur Gefahr, die schnell beseitigt werden sollte.

Höchste Zeit für eine Wurzelbehandlung! Staunend erfahre ich, wie die Injektion beim Baum-Arzt abläuft: Eine Lanze, die einem Erdbohrer ähnelt, wird mit Druckluft 60 Zentimeter tief ins Erdreich getrieben, dann wird der verdichtete Boden regelrecht aufgepumpt, die Wurzeln des Baums kriegen buchstäblich wieder Luft!

Südtirol in Oberschwaben

Die Waldarbeit der Zukunft ist eine große Herausforderung. Gefragt sind daher Spezialisten wie Hansjörg und Emanuel Gruber mit ihren Partnern. Fotos: Forstbetrieb Gruber
Die Waldarbeit der Zukunft ist eine große Herausforderung. Gefragt sind daher Spezialisten wie Hansjörg und Emanuel Gruber mit ihren Partnern.
Fotos: Forstbetrieb Gruber
Die deutschen Wälder kämpfen mit dem Klimawandel, die Bäume an der Straße mit dem Streusalz, die Kastanien im Biergarten an der Verdichtung durch die vielen Tritte der Besucher. „Im Extremfall ist der Boden über dem Wurzelwerk wie versiegelt“, betont Hansjörg nochmals mit besorgtem Blick zu unserer Kastanie.

VON RUDI HOLZBERGER

HORGENZELL - Die Waldarbeit der Zukunft ist eine große Herausforderung: Bäume wollen weiter gefällt werden, jeder Forst aber muss gesund und stabil bleiben. So kämpft auch der Waldboden etwa mit der Verdichtung durch die schweren Forstmaschinen. Gefragt sind daher Spezialisten wie Hansjörg und Emanuel Gruber mit ihren Partnern: Die technisch gerüstet sind, die Bäume verstehen und schwere Arbeit nicht scheuen!

Die Bäume verstehen? Gewiss, aber ohne Emotionen, wie sie „dieser Wohlleben den Leuten einredet“, spotten die bodenständigen Südtiroler. „Der macht das mit der Waldromantik noch schlimmer.“ So werden die Forstleute oft genug gefragt, warum sie denn nicht nach alter Väter Sitte die Bäume mit Pferden aus dem Wald ziehen? Die Antwort ist klar: „Wo sind denn die Leute, die so eine Arbeit noch machen würden? Die Naturschützer und die Grünen eher nicht.“ Und: Wer je gesehen hat, wie sich Pferde vor allem am Berg bei dieser Arbeit schinden müssen, vergisst jede Romantik. „Die Tierschützer würden uns den Laden einrennen“, lacht Hansjörg. Der auch schon so manchen Baumschützer auf den Ästen gesehen hat: „Je länger die sitzen, desto mehr leiden die Bäume“. Manchmal sollten die Freunde der Natur erst mit den Holzfällern sprechen. Wir umarmen die Bäume auch, aber anders“, lacht Sohn Emanuel, „wir machen ja ständig Inventur im Wald. Wir messen die Stärken der Stämme in Brusthöhe, wir prüfen den Zustand und die Qualität des Holzes, Gesundheit des Baums und die Gefahr – das ist heute ein regelrechtes Monitoring.“ Der Fachbegriff lautet: Baumbetriebs-Kataster. „Das machen wir für einige Wälder in der Region.“

Immer im Blickpunkt die Wälder am Bodensee, da kennt Vater Hansjörg fast jeden Baum mit Vornamen. Er hat ihn auch auf Tausende Kilometer als Läufer durchstreift, ja er ist in seinen besten Zeiten nach der Arbeit im Wald heim nach Horgenzell gejoggt! So zählte er in den 80er- und 90Jahren zu den besten Langstrecklern in Württemberg, ja, der Holzfäller wurde sogar württembergischer Meister im Waldlauf! Und dies ein Jahr nach einer schweren Verletzung, mit der Motorsäge hätte er sich fast den Vorderfuß abgetrennt! So was kann einen Südtiroler aber nicht stoppen. Heute erholt sich der Läufer von einst aber lieber beim Wandern in den Bergen („zu Fuß schnell hoch und mit der Bahn wieder runter“). Und jeden Monat fährt er mindestens einmal heim nach Südtirol, hoch ins Bergdorf Mölten, wo er als Ältester von sechs Söhnen aufgewachsen ist. Ein wenig Holzhandel mit Südtirol macht noch die Fahrten in die Heimat zum Geschäft, die Familie aber steht im Vordergrund. Die Brüder sind „im Tirol“ geblieben, alle auch Handwerker. Nur Karl, der Jüngste, ein bekannter Kletterer, Bergläufer und Hüttenwirt, verunglückte tragisch unter einer Lawine. So will die Familie weiter gepflegt werden. Vor der Heimfahrt wird Speck und Schüttelbrot eingepackt: Wer immer zu Besuch kommt, schmeckt bei den Grubers Südtirol pur.
   

Forstbetrieb Gruber

Firmen Vater und Sohn Baumpflege total:

oberirdisch
* Baum und Forstpflanzung
* Fällungen
* Spezialfällung
* Obstbaumschnitt
* Rüchschnitte , Erziehungsschnitte, Totholz
* Baumkataster
* Wurzelstock fräsen
* Baum-Stadt -und Gartenmonitoring
* Analysen
* kommunaler Bewässerungsservice inkl. Nachdüngungsstrategie
* Beratung bei kommunalen Bau - und Rückbauprojekten
* Nachdüngungskonzepte für Kommunen Hausgärten und Firmengelände
*
unterirdisch
* Belüftung von Festplätzen, Kindergärten, Biergärten oder Parkflächen
* Beseitigung von Staunässe
* Gezielte Ausbringung von Bodenhilfstoffen und Bodenpilzen
* Beseitigung von Einzelnährstoffmangel
* Ausbringung von Wasserspeichergranulaten
* Belüftung von Fahrspuren schwerer Maschinen
* Bekämpfung von Streusalz und Urinbelastung an Stadtbäumen
* Bodenbelebung mit Bidenpilzen , Helpetbakterien und natürlichen Huminsäuren an Extremstandorten