Von kleinen Instrumenten hin zu Bearbeitungszentren

Seit der Firmengründung im Jahr 1921 hat sich Chiron von einem Hersteller chirurgischer Instrumente zu einem weltweit agierenden Werkzeugmaschinenbauer entwickelt. Heute ist Tuttlinger Unternehmen mit seinen CNC-Maschinen in aller Welt präsent.

VON STEPHAN AUGAT

TUTTLINGEN – Die Chiron Group mit Sitz in Tuttlingen ist Spezialist für CNC-gesteuerte, vertikale Fräs- und Drehbearbeitungszentren sowie Turnkey-Fertigungslösungen. Die Gruppe ist mit Produktions- und Entwicklungsstandorten, Vertriebs- und Serviceniederlassungen sowie Handelsvertretungen weltweit präsent. Mit 2.100 Mitarbeitern erzielte die Unternehmensgruppe 2018 einen Umsatz von 498 Millionen Euro. Rund zwei Drittel der verkauften Maschinen und Lösungen werden exportiert. Wesentliche Abnehmerbranchen sind die Automobilindustrie, der Maschinenbau, die Medizin- und Präzisionstechnik sowie die Luft- und Raumfahrt.
   
Im Bild oben links der Firmenstandort in der Talstraße 1940, daneben der heutige. Auf die Ausbildung eigener Fachkräfte wird viel Wert gelegt. FOTOS: CHIRON
Im Bild oben links der Firmenstandort in der Talstraße 1940, daneben der heutige. Auf die Ausbildung eigener Fachkräfte wird viel Wert gelegt.
FOTOS: CHIRON
Von kleinen Instrumenten hin zu Bearbeitungszentren  Image 2
Überall dort, wo es um die qualitativ hochwertige Zerspanung von Werkstücken zu minimalen Stückkosten geht, setzen Fertigungszentren von Chiron neue Maßstäbe. Auf der Basis eines modularen Maschinen- und Komponenten-Systems und mit der Erfahrung aus vielen tausend erfolgreichen Projekten entwickeln Chiron-Ingenieure für die jeweilige Zerspanungsaufgabe eine technisch wie wirtschaftlich überzeugende Fertigungslösung, in vielen Fällen mit perfekt zugeschnittenen Automationskonzepten.   
   
Bei der Entwicklung zum Werkzeugmaschinenbauer bediente man sich stets modernster Geräte wie Revolverbohrmaschine oder dem ersten Doppelspanzentrum. 
Bei der Entwicklung zum Werkzeugmaschinenbauer bediente man sich stets modernster Geräte wie Revolverbohrmaschine oder dem ersten Doppelspanzentrum. 
Von kleinen Instrumenten hin zu Bearbeitungszentren  Image 3
Chiron steht für höchste Dynamik

Die Chiron Group führt die drei Marken Chiron, Stama und Scherer für Neumaschinen sowie CMS für Retrofit. Alle Marken repräsentieren präzise, produktive und flexible Bearbeitung. Chiron steht dabei für höchste Dynamik. Stama ist seit 1997 Teil der Firmengruppe mit Schwerpunkt auf robusten Fräsmaschinen und Schwerzerspanung. Scherer setzt auf multifunktionale vertikale Drehbearbeitung und kam 2012 zur Gruppe hinzu. CMS bietet komplett überholte Maschinen der Gruppe sowie entsprechende Dienstleistungen an.

Begonnen hat die langjährige Unternehmensgeschichte am 18. Juni 1921. Die beiden Firmengründer Gottfried Schnell und Otto Staebler ließen sich an diesem Tag als „Fabriken feinmechanischer Apparate und chirurgischer Instrumente GmbH“ in das Handelsregister beim Amtsgericht Tuttlingen eintragen. Firmenstandort war damals die Schützenstraße in Tuttlingen. Ein halbes Jahr nach der Gründung änderten die beiden Gründer den Namen der neuen Firma in „Chiron“. In den Folgejahren expandierte das junge Unternehmen beachtlich schnell. Als erste Firma der Branche bot Chiron chirurgische Instrumente aus nicht rostendem Stahl an.

Zäsur in der Firmengeschichte  
   
Angefangen hat die Chiron-Firmengeschichte mit der Fertigung chirurgischer Instrumente.
Angefangen hat die Chiron-Firmengeschichte mit der Fertigung chirurgischer Instrumente.
Nachdem man sich Mitte der 50er Jahre von der angestammten chirurgischen Instrumentenfertigung getrennt hatte, markierte der Kauf der Chiron-Geschäftsanteile durch die Düsseldorfer Firma Hoberg und Driesch im Frühjahr 1957 einen Wendepunkt in der Firmengeschichte: Das Unternehmen wurde zielbewusst zu einem Maschinenbauer umgestaltet. Mit dem Bau von Maschinen für die spanende Fertigung schlug Chiron die Straße zum Erfolg ein. Die Entwicklung und Herstellung von Baueinheiten zum Bohren, Fräsen und Gewindeschneiden legten den Grundstein für den heutigen Werkzeugmaschinenbauer. Seitdem ist Chiron ist mit seinen CNC-Maschinen in aller Welt zu finden.

Ernst² Architekten AG
Kaufer Passer

Zahlen & Fakten zum Neubau

Bauzeit:
Juli 2018 bis September 2019

Eckdaten Gebäude:
Kapazität: max. 400 Maschinen/Jahr
Fläche Produktion: 9.000 qm
Fläche Logistik: 2.500 qm
Fläche Büro: 2.200 qm
Gesamtfläche Neubau: 13.700 qm
Gesamtfläche Bestand: 17.000 qm

Layout:
— Materialflussoptimiert mit Logistik-Spine für alle Menschen- und Materialströme
— Zentralisierte Endmontagen, technische Büros und Logistikflächen
— Zentrale Kommissionierung von Maschinen und Anlagen

Gebäudetechnik:
— Betonkernaktivierung für gleichmäßige und genaue Temperierung
— Nutzen der Maschinenabwärme
— Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung
— LED-Beleuchtung

Digitalisierung:
— Smart Factory Cockpit: Steuerung von Klimatisierung, Beleuchtung und Kamerasystemen
— Digitale Assistenzsysteme in der Montage
— Berührungslose Logistikbuchungen
— Digitale Qualitätsprüfung- und sicherung („Digitaler Fingerabdruck“)
Baumann Bauconsult GmbH & Co. KG

Produktivität kombiniert mit höchster Präzision

Am 16. Juni 2018 erfolgte die Grundsteinlegung. FOTO:CHIRON
Am 16. Juni 2018 erfolgte die Grundsteinlegung. FOTO:CHIRON
Die Chiron Precision Factory: Auf 14.000 Quadratmetern bestens gerüstet für die Produktion der neuen Maschinenbaureihen.
Die Chiron Precision Factory: Auf 14.000 Quadratmetern bestens gerüstet für die Produktion der neuen Maschinenbaureihen.
Nach nur 15 Monaten Bauzeit hat die neue CHIRON Precision Factory in Neuhausen ob Eck ihren Betrieb aufgenommen. Es ist das größte Einzelprojekt in der fast 100-jährigen Unternehmensgeschichte. Zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft begrüßt CHIRON zur offiziellen Eröffnung am 24. Oktober 2019. Zwei Tage später, am 26. Oktober, sind alle Mitarbeiter und ihre Familien in die neue Fabrik eingeladen.
  
Mit einer Kapazität von bis zu 400 Maschinen pro Jahr ist das neue Werk in Neuhausen ob Eck auch hinsichtlich Digitalisierung auf dem aktuellen Stand der Technik. FOTOS: WEBTEMPS WERBEAGENTUR, LEIF KNITTEL
Mit einer Kapazität von bis zu 400 Maschinen pro Jahr ist das neue Werk in Neuhausen ob Eck auch hinsichtlich Digitalisierung auf dem aktuellen Stand der Technik. FOTOS: WEBTEMPS WERBEAGENTUR, LEIF KNITTEL
Premiere: Am 19. August 2019 startete die Montage der ersten Maschinen in der neuen Halle der Chiron Precision Factory.
Premiere: Am 19. August 2019 startete die Montage der ersten Maschinen in der neuen Halle der Chiron Precision Factory.
NEUHAUSEN OB ECK – Im Herbst 2018 hatte Chiron zum ersten Mal seit 1982 ein fundamental neues Maschinenkonzept auf den Markt gebracht: „Bei den neuen Baureihen ergänzen wir die schon sprichwörtliche Chiron-Dynamik um höchste Präzision in der Bearbeitung“, erklärt Dr. Markus Flik, Vorsitzender der Chiron-Geschäftsführung. „Diese Kombination aus Produktivität und höchster Genauigkeit macht unsere neuen Maschinenbaureihen so einzigartig. Und einzigartige Maschinen brauchen eine einzigartige Fabrik: die Chiron Precision Factory.“

Über 30 Millionen Euro investiert

Mehr als 30 Millionen Euro hat Chiron in die neue Werkzeugmaschinenfabrik investiert. Die weltweit agierende Unternehmensgruppe hat sich auf CNC-gesteuerte vertikale Fräs- und Drehbearbeitungszentren sowie Turnkey-Fertigungslösungen spezialisiert. Das neue Gebäude in Take-off Gewerbepark in Neuhausen ob Eck umfasst eine Gesamtfläche von rund 14.000 Quadratmetern, davon 9.000 Quadratmeter für die Produktion, 2.500 Quadratmeter für die Logistik und 2.200 Quadratmeter für Büros. Damit wurden die besten Voraussetzungen für höhere Maschinenstückzahlen und weiteres Wachstum geschaffen. „Mit einer Kapazität von bis zu 400 Maschinen pro Jahr ist die Chiron Precision Factory die modernste Werkzeugmaschinenfabrik in Europa“, erläutert Flik. „Das Gebäude wurde speziell für die hohen Anforderungen an unsere neuen Baureihen realisiert, die seit Ende August hier montiert werden.“
   
Dr. Markus Flik, Vorsitzender der ChironGeschäftsführung.
Dr. Markus Flik, Vorsitzender der ChironGeschäftsführung.
Von kleinen Instrumenten hin zu Bearbeitungszentren  Image 4
Mit dem Neubau hat Chiron gleichzeitig den gesamten Standort Neuhausen ob Eck reorganisiert. Optimierte Montage- und Logistikabläufe sowie die räumliche Nähe zu Vormontagen tragen zu einer weiteren Verkürzung der Lieferzeiten bei. Das weiterentwickelte Montagekonzept („Clustermontage“) zeichnet sich durch wenig Handlingsstufen aus und ermöglicht es, bei Personalengpässen oder hoher Nachfrage nach bestimmten Maschinentypen äußerst flexibel zu agieren. Durch die zentrale Kommissionierung von Maschinen und Anlagen ist außerdem der Materialfluss stets auf die Bedürfnisse in der Endmontage ausgerichtet.
   
Von kleinen Instrumenten hin zu Bearbeitungszentren  Image 5
Von kleinen Instrumenten hin zu Bearbeitungszentren  Image 6
Hochkomplexe Technik

Für die exakte Montage der hochgenauen Maschinen gilt es, die Temperatur im Gebäude in engen Grenzen zu halten. Realisiert wird dies mittels Betonkernaktivierung. Weiter wird die bei den Testläufen entstehende Abwärme umweltfreundlich zum Beheizen der Fabrik verwendet. Die Leittechnik für Heizung, Lüftung und Beleuchtung arbeitet mit einem Sensornetzwerk, das kontinuierlich die Hallentemperatur misst und bei Bedarf automatisch nachregelt. Hohe Flexibilität bietet das neue Gebäude durch die großen Spannweiten der Hallenschiffe mit wenigen Stützen und modernen Krananlagen mit hoher Traglast.
   
Hinsichtlich Digitalisierung ist das neue Werk nach dem aktuellen Stand der Technik ausgerüstet mit digitalen Assistenz-Systemen in Montage und Logistik sowie zur Qualitätsprüfung und -sicherung. Der Betrieb in der Montage startete erfolgreich am 19. August, nach der Bauabnahme Mitte September wurden die Büros bezogen. „In den letzten Jahren haben wir gezielt in die Weiterqualifizierung unserer Fachkräfte investiert und sind nun bestens gerüstet für die Produktion unserer neuen Baureihen in Neuhausen“, versichert Flik. red/sta