Brauerfamilie mit Leib und Seele

Klassische Braukunst und handwerkliches Geschick steht in dem kleinen Familienunternehmen ganz klar im Vordergrund. FOTO: FOTO BUCHER GMBH
ISNY - In diesem Jahr feiert die Familienbrauerei Stolz aus Isny ihr 100-jähriges Bestehen und begeht dies mit einem großen Fest am 12. und 13. Oktober, mit einem abwechslungsreichen Programm im Festzelt sowie der Möglichkeit die Brauerei zu besichtigen.

Die Brauerei wurde 1752 erstmals als „Wirtshaus zum letzten Pfenning“ erwähnt. Im Jahr 1919 erwarb Johann Stolz die Ochsenbrauerei, die von 1930 bis 1949 gemeinsam mit Heinrich Schmidt von der Schlossbrauerei als Mitgesellschafter betrieben wurde. Seit 1949 ist die Brauerei im alleinigen Besitz der Familie Stolz. Einmalig in diesem Zusammenhang dürfte sein, dass vier weitere Brüder von Johann Stolz jeweils eine eigene Brauerei unter den Namen Brauerei Stolz im Allgäu führten.

Nicht nur in der Brauerfamilie Stolz, sondern auch in der Stadt Isny hat die Brautradition eine lange Geschichte. Unter 15 Braustätten, die in Isny ansässig waren, gibt es derzeit nur noch die Brauerei Stolz. Denn früher war der Wirt zugleich auch „Bräu“, was beinhaltete, dass jede Gaststätte auch ihr Bier braute. Nachdem 1959 Firmengründer Johann Stolz starb, führten seine Söhne Franz und Hans Stolz die Brauerei gemeinsam bis 1983 weiter. Nach dem Ausscheiden von Hans Stolz und später von Franz Stolz werden Josef und Hans Stolz (die Söhne von Franz Stolz) Geschäftsführer. Ende 2015 ging Josef Stolz in den wohlverdienten Ruhestand. Johannes Stolz als Braumeister und Getränkebetriebswirt wurde daraufhin Geschäftsführer und ist mit seinem Vater Hans Stolz nun für die Brauerei verantwortlich. Viele Veränderungen gab es die letzten 100 Jahre in der Braubranche. „Etliche Familienbrauereien jeglicher Größe wurden verkauft, selbst eigenständige Großbrauereien gehören heute meist großen Brauereikonzernen an.

Als einer von rund 1.500 Braustätten in Deutschland liegen Familienbrauereien wie unsere derzeit voll im Trend, worüber wir natürlich sehr froh sind. Denn hier bekommt der Konsument das geboten, nach was er sich sehnt: Biervielfalt, Biergeschmack, Heimatbezug, Wertschätzung und Persönlichkeit –“, erklären Hans und Johannes Stolz. Dreizehn Festangestellte arbeiten hier in Isny, vom Brauer bis zum Bierfahrer, denn bei Stolz wird noch alles selbst ausgefahren. Qualitätskontrolle - ist Chefsache.

Darum kümmern sich die beiden Braumeister persönlich. Unterstützt werden sie durch ihre Frauen Regina und Tanja, die sich um die Verwaltung und den Direktverkauf kümmern. Wo man damals noch von einem Umkreis – „um die Kirchenspitze herum“ – sprach, beliefert die Brauerei Stolz heute Gaststätten, Vereine, Firmen und Veranstaltungen in rund 40 Kilometer Entfernung. „Dabei ist uns der Kontakt zu den Kunden sehr wichtig und uns liegt viel daran, diesen auch regelmässig zu pflegen“, sind sich Vater und Sohn einig.

„Allgäuer Stolz“
   
Mittlerweile hat sich die neue Marke „Allgäuer Stolz“ gut etabliert und findet immer größere Beliebtheit. FOTO: FOTO BUCHER GMBH
Mittlerweile hat sich die neue Marke „Allgäuer Stolz“ gut etabliert und findet immer größere Beliebtheit.
FOTO: FOTO BUCHER GMBH
Die Familie aus Isny im Allgäu hat in diesem Jahr aber noch einen zweiten Grund zum Feiern: Das Unternehmen gewann im Frühjahr den „German Brand Award“ – einer der wichtigsten Markenpreise Deutschlands und setzte sich dabei gegen die größten internationalen Marken durch. Das Bier „Allgäuer Stolz Hell“ ist „Produktmarke des Jahres“ mit einer „exzellenten Markenkampagne“. Vor zwei Jahren wollten die Brauer Hans und Johannes Stolz einfach ein neues Bier entwickeln. Mild und süffig sollte es sein und genug Zeit zum Reifen haben. Als beim Probezapfen endlich ein Ergebnis ins Glas floss, das allen schmeckte, waren sie stolz. Und so tauften sie es auch: Allgäuer Stolz. „Wir wollten vor allem unserer Heimat mit dem Namen ein bisschen was zurückgeben“, erklärt Johannes den Gedanken. Die Brauer füllten das neue Bier in dickbauchige Flaschen ab und ließen dafür noch ein Etikett entwickeln. Heute, 36 Monate nach dem ersten verkauften „Allgäuer Stolz“ mit den handgemalten Etiketten ist klar: Das neue Bier läuft. „Wir waren dazwischen sogar einmal kurz ausverkauft“, erzählt Brauer Johannes Stolz. Neben dem klassischen „Hell“, gibt es mittlerweile auch ein Dunkles und ein Original (Exportbier) unter der Marke Allgäuer Stolz. Dazu das „Blaubändle“ mit klassischem Bügelverschluss, das Pils „Hopfenperle“ und zwei verschiedene Weizen. Neben den sieben Biersorten werden saisonal noch drei weitere Biere eingebraut. Als Vollsortimenter werden im Hause Stolz zudem noch elf alkoholfreie Erfrischungsgetränke hergestellt.

Festtage

Am kommenden Wochenende wird nun zwei Tage lang gebührend gefeiert, wozu Familie Stolz ins große Festzelt auf dem Firmengelände einlädt. Beginn ist am Samstag um 18 Uhr und um 18.30 Uhr wird das erste Fass angestochen, wobei die ersten 100 Liter zum 100- jährigen Jubiläum gratis sind. Drei Kapellen sorgen am Samstagabend für Stimmung. In der Bar gibt’s interessante Kreationen von originellen Biercocktails. Der Eintritt ist ab 16 Jahren mit Partypass.

Der Sonntag beginnt dann um 9.30 Uhr mit dem großen Festgottesdienst, begleitet von der Stadtkapelle Isny. Danach lädt die Familie ab 11 Uhr zum Frühschoppen und zum Tag der offenen Brauerei ein. Hier haben die Besucher die Möglichkeit einen Einblick in die Bierherstellung zu bekommen. Der Brauereigasthof Engel serviert an beiden Tagen Allgäuer Spezialitäten und am Nachmittag Kaffee und Kuchen. Für das Musikprogramm am Sonntag sorgen die Musikkapellen aus Christazhofen und Gestratz. Auch für die kleinen Gäste wird einiges geboten sein. Festende ist um 17 Uhr.