"Ferienhaus Hand in Hand" feiert Jubiläum

Fotos: Ferienhaus Hand in Hand e.V.
SIGMARSZELL - „Es ist mein Lebenswerk“, sagt Katharina Reinelt. Vor 20 Jahren hat die Sozialarbeiterin und -pädagogin in Sigmarszell das „Ferienhaus Hand in Hand“ gegründet. Es war damals schon eine außergewöhnliche Einrichtung – und ist es heute noch: Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung können hier ein paar Ferientage verbringen, sich von den Anstrengungen des Alltags erholen und neue Kraft schöpfen.

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500 verschiedene Gäste in einer Altersspanne von 4 bis 92 Jahren haben seit der Gründung 1999 das kleine Haus im Sigmarszeller Ortsteil Zeisertsweiler besucht, um in familiärer Atmosphäre Urlaub zu machen. Jeden Tag stehen Ausflüge auf dem Programm, abends essen die Gäste gemeinsam im behaglichen Wohnzimmer oder auf der Terrasse, und auch nachts ist immer jemand für sie da. Denn Katharina Reinelt lebt seit 20 Jahren im selben Haus mit ihren Gästen zusammen. Sie ist auch Geschäftsführerin des Trägervereins „Ferienhaus Hand und Hand“. Und sie liebt ihre Aufgabe: „Wir dürfen so viel Freude bereiten und bekommen so viel Dankbarkeit zurück. Es macht einfach Spaß, mit diesen Menschen zu arbeiten“, sagt sie.

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Bis zu acht Gäste kann sie aufnehmen. So gibt es immer eine große Vielfalt an Menschen, Charakteren und Lebensschicksalen. Manche sitzen im Rollstuhl, sind schwerstpflegebedürftig, hatten einen Schlaganfall, leiden an den Folgen eines Verkehrsunfalls oder haben ein angeborenes Handicap. Einige können sich zum Teil noch selbstständig beschäftigen, andere brauchen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Dafür sorgt ein „Spitzenteam“, wie Katharina Reinelt sagt, aus derzeit 18 Mitarbeitenden. Auch viele Schüler helfen ehrenamtlich mit und begleiten die Gäste auf Ausflügen.

Viele Gäste kommen immer wieder gerne hierher. „Auch viele Freundschaften sind hier schon entstanden“, erzählt Katharina Reinelt. „Oft buchen Menschen, die sich bei uns kennenlernen, ihren nächsten Urlaub gemeinsam.“ Es spricht sich herum, was in diesem Haus geleistet wird. Mit 2000 Belegungstagen im Jahr ist die Aufnahmekapazität inzwischen erschöpft. Schon jetzt laufen die Anmeldungen für 2021.

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Dennoch stößt Katharina Reinelt immer wieder auf bürokratische Hindernisse, weil das „Ferienhaus Hand in Hand“ mit seiner ganzen Vielfalt in kein Schema passt. Die Kostenübernahme durch Krankenkassen, Bezirk und andere staatliche Einrichtungen müsse oft erkämpft werden – und nicht immer gelingt das, erzählt sie. Deshalb hofft sie, dass sich auch weiterhin immer wieder Menschen und Organisationen finden, die denjenigen Gästen ein paar Tage Urlaub finanzieren, die sich das selber nicht leisten können. „Das Ferienhaus bedankt sich bei den vielen Sponsoren und Gönnern, die uns in den letzten Jahren immer großartig unterstützt haben“, betont sie. rue