Der älteste Verein des Ortes feiert Jubiläum

Auf breiten Schultern stehen die Mitglieder des Kirchenchors Irndorf - seine Tradition reicht 240 Jahre zurück. FOTO: HÖRBURGER
Schon vor 240 Jahren gab es in Irndorf einen Kirchenchor. Das belegt eine Rechnung über die Einkehr der „Kirchensinger“ nach der Fronleichnamsprozession 1779. Aus diesem Anlass erhält der Chor am Sonntag, 15.9., die „Palestrina-Medaille“. Nach dem Festgottesdienst wird in der Eichfelsenhalle gefeiert.

IRNDORF - Etwa 50 Mitwirkende führen im Festgottesdienst am Sonntagmorgen die „Deutsche Messe“ von Bernard Sanders auf. Der Irndorfer Kirchenchor und sein eigens für die Festlichkeiten gegründeter Projektchor werden an diesem Sonntag vom Kirchenchor Mühlheim und einem Instrumentalensemble verstärkt. Der Komponist, Bernard Sanders aus Tuttlingen, spielt selber die Orgel. Die Gesamtleitung liegt bei den Chordirigenten Gerlinde Haselmeier (Irndorf) und Klemens Weiß (Mühlheim).

1779 sind für die Verköstigung des damaligen Irndorfer Kirchenchors und der Schützen („Kirchensinger und Schitzen“) nach der Fronleichnamsprozession Kosten von einem Gulden und sechs Kronen angefallen. Elmar Blessing, Historiker und ausgezeichneter Kenner der regionalen Geschichte, hat diesen Eintrag in den „Heiligenrechnungen“, der damaligen Kirchenbilanzrechnung, gefunden. Beim Pressegespräch sind sich die Kirchenchor-Verantwortlichen einig: Aufgrund dieser gesicherten urkundlichen Erwähnung ist der Irndorfer Chor mit mindestens 240 Jahren älter als alle anderen ortsansässigen Vereine.

Noch 1831 wurde laut Blessing im Visitationsprotokoll bemängelt: „Irndorf hat keine Orgel vorhanden. Da auch der Lehrer ganz ohne Musikkenntnis, ist der Kirchengesang schlecht.“ Das dürfte sich ab 1848/49 geändert haben, nachdem die Irndorfer in Nendingen eine Orgel gekauft und mit Augustin Hermle erstmals einen Schulmeister, Mesner und Organisten angestellt hatten.

Auf Matthias Hermle (ab 1877) folgte nach über 30 Jahren Karl Speck. Unter Speck sei der Chor selbst während beider Weltkriege durchgängig aktiv gewesen, weiß Dirigentin Gerlinde Haselmeier. „Manchmal ging es nur einstimmig, aber jedem wurde bei der Beerdigung gesungen.“

Hermle und Speck waren, wie damals üblich, in Personalunion Lehrer, Organist und Chorleiter. 1959 wurde mit Anton Haselmeier erstmals ein Laie Kirchenmusiker. 2014 beendete Haselmeier aus gesundheitlichen Gründen den Orgeldienst nach 55 Jahren. Heute sitzt seine Tochter Jutta an der Kirchenorgel. Und seine Frau Gerlinde dirigiert den Chor.

Auch Gerlinde Haselmeier ist keine Berufsmusikerin, doch sie hat reichlich Erfahrung als langjährige Dirigentin des Irndorfer Kinder- und Mädchenchors. „Sie hört so ziemlich alles“, versichern Monika Wild, die Chorvorsitzende, und Monika Rebholz. Beide zählen zu den letzten vier Sängerinnen des Mädchenchors, die inzwischen im Kirchenchor integriert sind.

23 Sänger zwischen 34 und 82 Jahren zählt der Chor heute. Einige sind schon 50 Jahre und länger dabei Und nicht wenige Sänger blicken auf eine Generationen umfassende Chor-Tradition zurück. So hat schon Gerlinde Haselmeiers Großmutter im Chor gesungen. Da es in der Gemeinde keinen Gesangverein gibt, kommt der Kirchenchor auch bei weltlichen Anlässen zum Einsatz.

Wie vielerorts mangelt es auch in Irndorf an Männerstimmen. Dem Aufruf zum Projektchor für die Feier folgten neben fünf Sängerinnen auch vier Sänger. Der Chor wäre glücklich, wenn alle auch danach als Mitglieder erhalten blieben. Vielleicht könne die gute Chorgemeinschaft dazu beitragen, meint die Dirigentin. Gelebt werde die etwa bei Ausflügen – die immer auch mit der Gestaltung einer Messe auswärts verbunden würden. Oder bei der gemütlichen Einkehr nach der Chorprobe – wie schon vor 240 Jahren. KORNELIA HÖRBURGER

Programm

Festprogramm „240 Jahre Kirchenchor Irndorf“ am Sonntag, 15. September:

● 10 Uhr Festgottesdienst mit Verleihung der Palestrina-Medaille in der St-Peter-Kirche Irndorf: „Deutsche Messe“ für Bläser und Orgel von Bernard Sanders mit Kirchen- und Projektchor Irndorf Kirchenchor Mühlheim Orgel: Bernard Sanders, Tuttlingen Trompeten: Heiko Klaiber, Irndorf, und Uwe Keller, Mühlheim
Posaune: Michael Eble, Fridingen
Posaune und Tuba: Antal Fenyesi, Mühlheim
Leitung: Gerlinde Haselmeier, Irndorf, und Klemens Weiß, Mühlheim

● 12 Uhr Begrüßung durch den Kirchenchor Irndorf in der Eichfelsenhalle
● 12.30 Uhr Mittagstisch
● 14 Uhr Grußworte Akkordeon-Orchester Oberes Donautal (Leitung Kornelia Zwick)
● 15 Uhr Musikverein Irndorf (Leitung Gerold Haselmeier) Kaffee und Kuchen.