St. Georg erstrahlt in voller Schönheit

Freuen sich stellvertretend für alle an den Renovierungsarbeiten Beteiligten (von links): Thomas Krug (gewählter Vorsitzender des Kirchengemeinderats), Mirjam Schweizer (Pastoralreferentin), Roland Wochner (Bauausschuss), Annemarie Kraus (Öffentlichkeitsarbeit), Josef Wochner (Mesmer für Siberatsweiler), Ralph Schäffler (Ingenieur) und Architekt Karl Herter. FOTOS: SUSI DONNER
SIBERATSWEILER - Die Sanierungsmaßnahmen an der Pfarrkirche St. Georg in Siberatsweiler sind abgeschlossen und die barocke Kirche erstrahlt wieder in ihrer vollen Schönheit.

Die Pfarrkirche St. Georg hat eine lange Geschichte. 1424 wurde eine mittelalterliche Kirche an dieser Stelle geweiht. Die jetzige Kirche ist das Resultat eines durchgreifenden Umbaus von 1730 bis 1732. Nach mehreren länger zurückliegenden Erweiterungs- und Sanierungsphasen hatte die Pfarrkirche nun eine umfassende Renovierung dringend nötig.

Eine Besonderheit gleich zuerst: Im Turm von St. Georg befindet sich eine regional bedeutsame Wochenstube des Großen Mausohrs, das ist eine Fledermausart, mit rund 350 Tieren. Auf diese geschützte Population wurde während der Sanierung so viel Rücksicht genommen, dass sich ihre Zahl nach der aktuellen Zählung 2019 zu alter Stärke vor Baubeginn erholt hat. So konnten gerade die Zimmerleute nur in den kalten Wintermonaten zwischen Oktober und April im Turm arbeiten, als die Mausohren die Wochenstube verlassen und ihr Winterquartier aufgesucht hatten. „Das war ein bockkalter Winter. Den Zimmerleuten ist der Sprudel in den Flaschen eingefroren“, erzählt Roland Wochner aus dem Bauausschuss, und lobt die Zimmerleute für ihre herausragende Leistung. Lob erhalten auch alle anderen Gewerke, die zu 90 Prozent aus der Region stammen.

Der ausführende Architekt Karl Herter aus Wangen betont, dass das Fledermausquartier in Abstimmung mit der Artenschutzbehörde des Landkreises sogar verbessert wurde. Und gleich noch eine interessante Besonderheit zum Turm: Der ist nämlich schief. 65 Zentimeter gehe er aus dem Lot, erzählt Herter weiter. Man habe Messmarken gesetzt, fünf Jahre lang die Entwicklung beobachtet und festgestellt, dass sich die Neigung wieder zurückbewege. „Das macht uns froh, denn so mussten nur geringe Sicherungsmaßnahmen getroffen werden.“ In luftiger Höhe in der Turmkreuzkugel fand man zeitgeschichtliche Dokumente, die dort fast 90 Jahre lang geschlummert hatten. Es sind vor allem Aufzeichnungen vorangegangener Sanierungen und die werden nun durch die aktuellen Papiere ergänzt.

Karl Herter Architekt

Langer Maßnahmenkatalog

„Die Ausgangslage der Sanierung war armselig“, sagt Herter. Die Kirche machte vor allem von außen einen verwahrlosten Eindruck.

Unter anderem und in Abstimmung mit der Denkmalpflege wurden im Turm statisch erforderliche Instandsetzungs- und Sicherungsmaßnahmen umgesetzt, das Holzdachtragwerk des Zwiebelturms wurde instandgesetzt, das Kupferblechdach erneuert, die Turmzier und das Naturstein-Kranzgesims restauriert, das Zifferblatt der Turmuhr ausgebessert und die Sonnenuhr restauriert. Der Außenputz der Kirche, der mit einer schwarzen Schicht überzogen war bekam einen neuen Anstrich, und die Risse in den Außenmauern wurden beseitigt. Zudem wurde das Fresko an der Vorderseite des Turms wieder hergestellt. Außerdem schuf die Pfarrgemeinde durch die Anhebung des Kirchenvorplatzes einen barrierefreien Kirchenzugang und gestaltete zugleich den Kirchenvorplatz samt Außenbeleuchtung neu. Historische Türen und Tore wurden restauriert, sowie die Holzportaltüre samt Natursteintreppenanlage und Zugangstüre der Sakristei.

Die Dach- und Hofentwässerung wurde instand gesetzt, die bleiverglasten Fenster repariert. Zudem wurde ein Nebengebäude als Lagerraum auf dem Parkplatz errichtet. Die Maßnahmenliste umfasst beinahe 50 Punkte und kann im Detail auf der liebevoll gepflegten Homepage der Pfarrgemeinde eingesehen werden. Hier sind zudem viele interessante Geschichten rund um die Sanierung zu finden.

Hohe Wertschätzung

Die Kosten beider Bauabschnitte zusammen betrugen 845000 Euro. Zehn Prozent davon musste die Kirchengemeinde selbst mittels Spenden finanzieren – unter dieser Voraussetzung gab es 632000 Euro als Investitionszuweisung aus dem Ausgleichsstock der Diözese Rottenburg-Stuttgart. 83000 kamen aus Eigenmitteln und 45000 Euro mussten als Schulden aufgenommen werden.

In den vier Jahren seit Sanierungsbeginn sind bereits rund 80 Prozent der notwendigen Spendensumme zusammengekommen – durch Privatpersonen, Firmen, Vereine, Kollekte, und durch die großzügige Unterstützung der Gemeinde Achberg sowie der Dornier Stiftung. Zudem wurden Aktionen gestartet, wie Benefizkonzerte, Adventsbasare, Kuchen- und Plätzchenverkauf. Das zeigt, wie wichtig den Einheimischen ihre Pfarrkirche ist, wie nachhaltig sie für ihre Pfarrkirche einstehen und mit dafür sorgen, dass sie auch für ihre Kinder und Enkel erhalten wird.

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