Musikverein Wasserburg im Überblick

Der Musikverein Wasserburg zählt nach 175 Jahren Vereinsgeschichte etwa 60 aktive und 120 passive Mitglieder. FOTO: AESTHETIC LIGHTS ALINA GIERER
75 Jahre ist es her, dass sich der Musikverein Wasserburg gegründet hat. Zu diesem Anlass lädt der Verein vom 19. bis 21. Juli zum Uferfest ein, das ganz im Zeichen des Jubiläums steht. Wie alles angefangen und was sich verändert hat, darüber spricht Stefan Hilger, Erster Vorstand des Musikvereins Wasserburg, im Interview.

Von Viktoria Benz

Herr Hilger, seit wann sind Sie im Musikverein Wasserburg aktiv?

Im Jahr 2001 bin ich dem Verein beigetreten und seit zehn Jahren bin ich in der Vorstandschaft aktiv. Als erster Vorstand befinde ich mich nun im sechsten Jahr.

„Der Altersdurchschnitt liegt bei 30 Jahren“

Können Sie uns einen kleinen geschichtlichen Einblick geben?

Der Verein wurde 1844 von dem 19-jährigen David Schäfler gegründet, der zahlreiche Männer aus Wasserburg, Nonnenhorn, Hege und Bodolz für das gemeinsame Musizieren begeistern konnte. Im Laufe der Jahre stieg der Bekanntheitsgrad, und der Ruf der Wasserburger Blasmusik ging weit über die Grenzen der Pfarrei hinaus. Etwa 78 Jahre später wurden erstmals Holzblasmusikinstrumente ins Repertoire mitaufgenommen. Wenige Jahre später folgten einheitliche Musikeruniformen, Kopfbedeckungen und zur Aufbesserung der finanziellen Mittel die Aufnahme von passiven Mitgliedern. Ab 1935 musste die Kapelle aufgrund des Zweiten Weltkriegs pausieren bis 1948 das Vereinsleben fortgeführt werden konnte. Am 110-jährigen Jubiläum feierte der Verein erstmals ein Musikfest am Bodensee und seit 1965 kümmert sich die vereinsinterne Jugendarbeit um die Nachwuchsförderung, welche die Bläserschule VJBW e. V. 1999 übernommen hat.

Früher bestand der Verein lediglich aus Männern. Wie schaut die Besetzung heute aus?

Anfang der 80er Jahre sind die ersten Frauen in den Verein eingetreten. Inzwischen besteht er zur Hälfte aus Frauen. Das hat das Vereinsklima durchaus positiv verändert.
  
Stefan Hilger, Erster Vorstand des MV Wasserburg. FOTO: OH
Stefan Hilger, Erster Vorstand des MV Wasserburg. FOTO: OH
Wie viele Mitglieder zählt der Musikverein?

Wir haben insgesamt 60 aktive und rund 120 passive Mitglieder, die den Verein finanziell unterstützen.

Und wie ist der Altersdurchschnitt im Verein?

Der liegt bei etwa 30 Jahren. In den letzten Jahren sind viele langjährige Mitglieder gegangen. Dadurch hatten wir einen Generationenwechsel.

Wie schaffen Sie es, den doch etwas ungewöhnlich jungen Altersdurchschnitt zu erreichen bzw. zu halten?

Die Zusammenarbeit mit der Bläserschule VJBW e. V. bietet die Möglichkeit, uns selbst um den Nachwuchs zu kümmern. Mit der Bläserschule kooperieren wir bereits seit 20 Jahren mit dem Ziel, eine eigene Jugendkapelle zu gründen und den Musikverein mit Nachwuchs zu versorgen. Das gelingt uns auch sehr gut, denn drei Viertel unserer Musiker rekrutieren wir von dort. Außerdem bilden wir unseren Nachfrage aus den beiden Bläserklassen an den Grundschulen in Wasserburg und Bodolz aus. Trotzdem herrscht auch bei uns, wie in vielen anderen Musikvereinen, eine hohe Fluktuation, da junge Leute verstärkt höhere Bildungsabschlüsse anstreben und studieren gehen. Obwohl ich erwähnen muss, dass wir auch einige junge Musiker haben, die ihr Leben so gestalten, dass sie noch lange dem Verein erhalten bleiben. Einige Jugendliche haben zum Beispiel ihr Studium in der Nähe begonnen und können so weiterhin im Verein aktiv sein.

Welche Instrumente sind am stärksten vertreten?

Generell haben wir eine gute Mischung an Instrumenten und sind in allen Registern gut besetzt. Das Trompeten- und Tubaregister würde sich aber sicher über eine Verstärkung freuen. Wir sind ein offener Verein. Wer die Liebe zur Musik mitbringt, ist bei uns immer willkommen.

Welche Musik spielt Ihr im Verein überwiegend?

Musikalisch sind wir sehr flexibel. Das macht ja die Blasmusik aus, dass man von Traditionell über Konzertant, Bigband und Unterhaltungsmusik alles spielen kann. Unser Anspruch ist es, in all diesen Bereichen gute Musik zu machen.

Wie viele Auftritte haben Sie im Jahr?

Wir haben etwa 25 Auftritte im kirchlichen und im weltlichen Bereich. Dazu gehören auch Auftritte an Fronleichnam, an welchem wir beispielsweise den Gottesdienst mitgestalten. Unser musikalischer Höhepunkt ist das Drei-Königs-Konzert. Außerdem geben wir einige Promenadenkonzerte in Nonnenhorn und Wasserburg. Hinzu kommen viele Auftritte mit kleineren Besetzungen. Auch unsere vereinseigene Polkabesetzung, unsere 11 Halbe spielen in und um Wasserburg herum.

Und wo probt der Verein?

Wir proben immer freitags im Bürgerbegegnungshaus in Wasserburg. Das Gebäude wurde 2015 von der Gemeinde fertiggestellt und bietet uns, aber auch anderen Vereinen wie etwa der Streichmusik und dem Liederkranz, die perfekten Räumlichkeiten für Proben mit guter Akustik.

Sie pflegen auch Partnerschaften zu anderen Vereinen. Wie halten Sie den Kontakt aufrecht?

Ja, wir pflegen seit 60 Jahren Partnerschaften zu Wasserburg am Inn, Wasserburg an der Günz, Tschars in Südtirol und Hartpenning, indem wir uns gegenseitig besuchen, gemeinsam musizieren und ausgiebig feiern.

Was ist das Besondere an den Vereinspartnerschaften?

Partnerschaften können Vereine unheimlich attraktiv machen. Besonders spannend war es noch vor 60 Jahren: damals hatte man sich per Brief eingeladen, um zu musizieren oder zu festen. Es war etwas ganz Besonderes wenn die Südtiroler nach Wasserburg kamen oder die Wasserburger Musiker die Partnervereine besuchen durften. Die Begegnungen waren immer so nachhaltig und intensiv, dass wir bis heute noch eine gute Partnerschaft pflegen.

Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial im Verein?

Es ist wichtig, dass wir unsere Vereinsstrukturen weiterhin so gestalten, dass wir zukunftsfähig bleiben. Voraussetzung ist es, dass wir uns damit auseinandersetzen und die Strukturen etc. immer wieder neu überdenken. Auch die Nachbesetzung des Ehrenamts wird eine Herausforderung darstellen. Es wird nicht einfacher werden, jüngere oder generell Vereinsmitglieder zu gewinnen, die Lust darauf haben, verantwortungsvolle Ämter zu übernehmen oder zu begleiten. Im nächsten Jahr müssen wir zum Beispiel auch den Dirigentenwechsel meistern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Vereins?

Ich hoffe, dass wir in der Stärke, in der wir sind, weiterhin bestehen bleiben. Und natürlich wünsche ich mir auch für die nächsten Jahre eine gute musikalische Weiterentwicklung und einen tollen kameradschaftlichen Zusammenhalt im Verein. Was uns verbindet, ist die Liebe zur Musik. Und das wird uns hoffentlich auch in die nächsten Jahre tragen.