Salzsäckchen erinnern an Fuhrleute

6. bis 14. Juli 2019

Am Sonntag, 14. Juli, wird abends das Feuerwerk zum Jubiläum gezündet. FOTO: SHUTTERSTOCK
Die Mengener Fuhrleute und ihre Frauen haben 1200 Salzsäckchen genäht, gestempelt und in einer gemeinsamen Aktion mit Salz gefüllt. 1200, weil sie in Ennetach beim Historischen Festumzug am Sonntag, 14. Juli, wegen des Jubiläums 1200 Jahre Ennetach an die Zuschauer verteilt werden.

MENGEN - Bisher hatten die Fuhrleute bei den Fuhrmannstag-Umzügen rund 500 Salzsäckchen dabei, berichtet Oberfuhrmann Volker Steinhart. Am Samstag 13. Juli, findet in Mengen der Fuhrmannstag mit Handwerkermarkt statt. Dort werden die Fuhrleute vor der Martinskirche rasten.

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Fuhrleute haben in der Geschichte der Stadt Mengen bis zur Eröffnung des Eisenbahnverkehrs eine große Rolle gespielt. Mengen liegt an einem wichtigen Straßenknotenpunkt: Hier trafen schon im Mittelalter die Fuhrleute mit ihren schwer beladenen Wagen ein. Sie machten in den Wirtshäusern Rast, ließen ihre Pferde beschlagen, luden die Fracht ab und um. Auch für die Bäcker, Metzger, Wagner und Sailer war die Versorgung der Fuhrleute ein einträgliches Geschäft.
          
Der Handwerkermarkt findet am Samstag, 13 Juli in Mengen statt. Für die Zuschauer wird es viel zu sehen geben. FOTOS: STADT MENGEN, VERANSTALTER
Der Handwerkermarkt findet am Samstag, 13 Juli in Mengen statt. Für die Zuschauer wird es viel zu sehen geben. FOTOS: STADT MENGEN, VERANSTALTER
Fuhrleute transportierten Wein, Harz, Eisen, Gips und Mühlsteine aus dem Elsass und dem Markgräfler Land nach Ulm über die alte Römerstraße am Bussen vorbei, weiter nach Böhmen und Tirol. Auf dem Rückweg brachten sie meist Salz aus Halle bei Innsbruck mit und Unschlitt zur Herstellung von Seifen, Salben und Kerzen. Die Fracht wog bei einem zweirädrigen Karren rund 35 Zentner, der vierrädrige Karren konnte bis zu 60 Zentner und mehr transportieren. Dazu brauchte es vier bis sechs Pferde. „Die Wagen fuhren niemals leer“, betont Oberfuhrmann Steinhart. Für manche Wagen, die in Mengen hielten, ging es nach Memmingen über Herbertingen, Saulgau, Ochsenhausen. Ab dem 13. Jahrhundert habe es selbstständige Fuhrleute gegeben, vorher begleiteten die Kaufleute selbst ihre kostbaren Frachten. In einem Bericht aus dem Jahr 1564 steht: „Die Fuhrleute erfüllen die Stadt mit ihren rohen Rufen, es schrillen ihre aus Leder gewonnenen Peitschen.“
             
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Gefährliche Strecken

Mengen war nicht nur ein Knotenpunkt, an dem die Fuhrleute Rast machten, sondern auch ein Ort, an dem es Fuhrleute gab, die über die steilen Aufstiege halfen. Der Ziegelberg nach Pfullendorf, der Rulfinger Berg nach Krauchenwies, der Gögginger Stich oder der Leutishofer Berg waren für schwere Frachten gefährliche, fast unüberwindliche Steigungen. Die Mengener Fuhrleute spannten ihre Pferde davor und halfen den fremden Fuhrleuten bei der Durchfahrt. Das war ein einträgliches Gewerbe. Die Mengener Fuhrleute waren nie als Zunft organisiert. Im 19. Jahrhundert ersetzte der Güterverkehr auf Schienen die Fuhrleute. 1976 gründete Bürgermeister Hermann Zepf einen Stammtisch. Ab 1978 nannte sich dieser Stammtisch „Mengener Fuhrleute“ in Erinnerung an frühere Zeiten. „Es war und ist ein Stammtisch für Männer, überkonfessionell und parteilos“, sagt Steinhart. Die Mitglieder treffen sich jeden zweiten Montag im Monat zum Essen im Ennetacher Adler. Aufgenommen werde man nur auf Vorschlag der Mitglieder, so der Oberfuhrmann. Der Stammtisch verfolgt keine sozialen Zwecke, ist aber an der Bürgerstiftung beteiligt und unterstützt das Projekt „Lichtblick“. Bürgermeister Zepf war bis 1997 der erste Oberfuhrmann, ihm folgte Helmut List. Seit 2007 ist Volker Steinhart Oberfuhrmann.
            
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2001 nahmen die Fuhrleute zum ersten Mal am Historischen Umzug an den Heimattagen mit einem Salzwagen teil. Dann 2005 und 2009 wieder. 2011 organisierte Bürgermeister Stefan Bubeck den ersten Fuhrmannstag, der nun alle vier Jahre im Wechsel mit den Heimattagen stattfindet, damit alle zwei Jahre ein Stadtfest gefeiert wird. Damals haben die Fuhrleute als kleine Geschenke für die Zuschauer zum ersten Mal die Salzsäckchen gefüllt. „Insgesamt haben wir bis jetzt 4500 Salzsäckchen verteilt“, sagt Steinhart. Die Salzsäckchen sind beliebt und begehrt. In der Gemeinschaft mache es Spaß, die vielen Salzsäckchen zu füllen, sagen die Fuhrleute und ihre Frauen. Sie haben viel zu lachen.

Am Fuhrmannstag, der am Samstag, 13. Juli, in Mengen zusammen mit einem Handwerkermarkt stattfindet, werden die Fuhrleute in ihrer Tracht bei der Martinskirche mit ihrem Salzwagen Rast machen und an langen Tischen einkehren. Dann wird es für die Zuschauer viel zu sehen geben! red
          

Ennetacher

Den Taler zu „1200 Jahre Ennetach“ gibt es in vier Varianten.

1. Unlimitiert, solange Nachfrage da ist: Münzen aus Zinn für je 4,50 Euro.
2. Limitierte und nummerierte Auflage in 999 Feinsilber für je 29 Euro.
3. Limitierte und nummerierte Auflage in 333 Gold mit Zertifikat, Münzdose und Etui für je 329 Euro.
4. Ebenfalls limitiert: Münzen in 999 Gold für je 729 Euro. Heike Leven von der Stadt Mengen nimmt Bestellungen unter Tel: 07572/607106 entgegen.

Taler

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