Mit Service und Regionalität in die Zukunft

Der private Briefdienstleister Südmail in Weingarten wächst stetig und feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen

Viorica Batog, Teamleiterin Wareneingang, ist konzentriert bei der Sache. FOTO: DANIEL DRESCHER
Die Deutschen schreiben immer weniger Briefe – der Briefmarkt entwickelt sich insgesamt leicht rückläufig. Das ist allerdings kein Grund zur Sorge zumindest für die privaten Briefdienstleister. Denn sie graben immer mehr an der Marktmacht des ehemaligen Monopolisten, der Deutschen Post.

Seit dem Wegfall des Briefmonopols im Jahr 2008 steigerten die privaten Briefdienstleister laut Bundesnetzagentur im Briefmarkt ihren Marktanteil am Gesamtumsatz auf inzwischen 15,8 Prozent. In einem schrumpfenden Gesamtmarkt schafften es die Wettbewerber der Deutschen Post ihr Sendungsvolumen kontinuierlich zu steigern. „Wir sehen nach wie vor Potenzial“, sagt Thomas Reiter, Geschäftsführer der Südmail GmbH mit Sitz in Weingarten, optimistisch. Als privater Briefdienstleister blickt Südmail inzwischen auf 20 Jahre Unternehmensgeschichte zurück.

Die Zahlen sprechen für sich: 25 Millionen Briefe beförderte Südmail 2018, das sind im Schnitt täglich 100 000 Sendungen. 4 500 gewerbliche Kunden und 250 Neukunden pro Jahr nutzen Südmail. Inzwischen gibt es fast 400 blaue Südmail-Briefkästen und etwa 300 Verkaufsstellen für Briefmarken vom Allgäu über den Bodensee bis zum Schwarzwald und der Schwäbischen Alb. 1 800 Zusteller bringen die Post zu ihrem Empfänger.

Logistische Vorteile
  
Loredana Baragan arbeitet an der Hochleistungssortiermaschine. FOTO: DANIEL DRESCHER
Loredana Baragan arbeitet an der Hochleistungssortiermaschine. FOTO: DANIEL DRESCHER
Dabei fing alles ganz klein an: 1999 wurde der Briefservice „Stadt Express Today“ (SET) in Friedrichshafen gegründet. Damals stellte man die Post nur im Stadtgebiet von Friedrichshafen zu. 2000 wurde der Dienst ins Medienhaus Schwäbisch Media eingegliedert. Daraus ergaben sich später logistische Vorteile.

2005 erfolgte eine Ausdehnung des Liefergebiets auf das gesamte Verbreitungsgebiet der Schwäbischen Zeitung. Außerdem übernahmen die Zeitungszusteller auch die Briefzustellung. Ein weiterer Schritt war die Gründung von „P2 – Die Zweite Post“ 2008. Gemeinsam mit zehn weiteren privaten Briefdienstleistern gründete Südmail den Briefverbund. Somit wurde das Zustellgebiet auf ganz Baden- Württemberg und sechs weitere Bundesländer ausgedehnt. „Inzwischen wird die gesamte Fläche in Deutschland über Kooperationen bedient und die weltweite Post über internationale Logistikkonzerne transportiert,“ sagt Reiter.

Neubau für Wachstum

Die Voraussetzungen dafür schaffte das Unternehmen in der Vergangenheit. 2009 wurde eine Hochleistungssortiermaschine für die industrielle Briefverarbeitung gekauft. „Die schafft 40 000 Briefe in der Stunde“, sagt Reiter. Der 54-Jährige ist seit 2008 Geschäftsführer. Gemeinsam mit Alexander Bachmann leitet er die Geschicke von Südmail.

Um die Briefe zu sortieren, bleibt den Mitarbeitern nur ein kleines Zeitfenster. „Wir beginnen am Nachmittag mit der Sortierung. Gegen Mitternacht kommen die Briefe in die Transportfahrzeuge“, sagt Reiter. Durch die Eingliederung ins Medienhaus Schwäbisch Media ergaben sich bei der Logistik Synergieeffekte.

Als jüngsten Meilenstein der 20-jährigen Unternehmensgeschichte bezeichnet Reiter den Bau des neuen Briefund Logistikzentrums in Weingarten. Auf 2 600 Quadratmetern arbeiten rund 100 Mitarbeiter. Der Umzug erfolgte im März. „Endlich haben wir den Platz, den wir für effiziente Warenflüsse brauchen“, sagt Reiter zufrieden. In den bisherigen Räumlichkeiten, ebenfalls in Weingarten, sei es zu eng geworden.

Um auch in Zukunft weiter zu wachsen, setzt Südmail auf digitale Transformation, von der viele Kunden bereits heute profitieren. 2011 stieg das Unternehmen mit dem Onlinebrief in den digitalen Briefversand ein. Der Kunde übermittelt dabei die Post digital, entweder per Online-Upload, über einen Druckertreiber oder automatisch aus dem EDV-System, Südmail übernimmt das Drucken, Falzen, Kuvertieren sowie die Zustellung.

„Wir drucken mittlerweile in der Region in Deutschland, wo der Brief zugestellt werden soll. Somit reduzieren wir deutlich den CO2-Ausstoß und sparen so noch mehr Zeit für den Transport des Briefs. In der Regel erreichen Briefe über diesen Weg nämlich bereits am Folgetag die Empfänger“, sagt Reiter. Außerdem bietet Südmail die digitale Sendungsverfolgung für Briefe an. Somit kann nachvollzogen werden, wann der Brief wo ist.

Regionale Briefmarkenserie

Im neuen Brief- und Logistikzentrum werden im Schnitt täglich 100 000 Sendungen verarbeitet. FOTO: FELIX KÄSTLE
Im neuen Brief- und Logistikzentrum werden im Schnitt täglich 100 000 Sendungen verarbeitet. FOTO: FELIX KÄSTLE
Als eine Besonderheit bringt Südmail jährlich eine Briefmarkenserie mit regionalen Motiven heraus. Die diesjährige Serie „Unsere Heimat“ zeigt unter anderem die Klosterkirche Birnau am Bodensee und die historische Altstadt von Ravensburg. Vier weitere Marken geben unter dem Titel „Schwäbische Mundart“ einen Blick in die Welt der schwäbischen Begriffe. Die Marken sind ab sofort in den Briefmarken-Verkaufsstellen und im Onlineshop erhältlich.

Tag der offenen Tür

Am Samstag, 29. Juni, öffnet Südmail von 10 bis 18 Uhr die Pforten zum neuen Brief- und Logistikzentrum in der Herknerstraße 17 in Weingarten. Neben Führungen, Gruß- und Versandaktionen gibt es um 13 Uhr ein Meet & Greet mit Käpt’n Blaubär aus dem Spieleland. An den Foodtrucks können sich die Besucher stärken.

„Die Zeichen stehen ganz deutlich auf Wachstum“

Interview: Thomas Reiter, Geschäftsführer von Südmail, über die digitale Transformation und die Stärken als regionales Unternehmen

Die privaten Briefdienstleister steigern kontinuierlich ihren Marktanteil. Und das obwohl die Deutschen immer weniger Briefe schreiben. Weiterhin großes Potenzial sieht Thomas Reiter, Geschäftsführer der Südmail GmbH in Weingarten. Im Interview mit der „Schwäbischen Zeitung“ spricht er über die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre und die Herausforderungen der Digitalisierung.

20 Jahre Südmail, Sie sind seit elf Jahren Geschäftsführer. Wie lautet Ihr Fazit?

Wir sind mit 20 Briefkästen, 20 Verkaufsstellen für unsere Briefmarken und 30 Prozent Flächenabdeckung gestartet. Inzwischen haben wir fast 400 Briefkästen im Verbreitungsgebiet der Schwäbischen Zeitung, rund 300 Briefmarken-Verkaufsstellen und beliefern über Kooperationspartner ganz Deutschland mit Briefen. An Spitzentagen verarbeiten wir über 200 000 Sendungen für unsere Kunden und sind vor Kurzem in unser neu gebautes Brief- und Logistikzentrum eingezogen. Verlässliche und hoch motivierte Mitarbeiter runden das Bild ab. Die Zeichen stehen also auch nach 20 Jahren ganz deutlich auf Wachstum.

Mit dem Wegfall des Monopols der Deutschen Post geriet die Branche in Bewegung. Wie waren die Anfänge?

Die Branche hat vor 20 Jahren ja erst begonnen. Damals wagte es noch niemand, wirklich verbindliche Aussagen zur Entwicklung zu treffen. Wir haben jedoch schon damals großes Potenzial im Briefmarkt gesehen, was wir bis zum heutigen Tag nutzen, um organisches Wachstum zu generieren.

Was waren die wichtigsten Entwicklungsschritte?

Wir haben bereits im vierten Jahr nach Firmengründung die maschinelle Brieferfassung eingeführt. Das war der erste Meilenstein, weil seit diesem Tag jeder einzelne Brief mit Barcode und Sendungs-ID versehen wird und damit nachverfolgbar ist. Nachdem wir in den Folgejahren Briefkästen und Verkaufsstellen in der Region und den nationalen Briefversand aufgebaut haben, wurde der Kauf unserer Hochleistungssortiermaschine für die industrielle Briefbearbeitung unerlässlich. Die schafft 40 000 Briefe in der Stunde. Ohne diese Technologie hätten wir gar nicht weiter wachsen können. Bereits vor acht Jahren sind wir gemeinsam mit einigen unserer Kunden den Weg in die Digitalisierung gegangen und haben seither mit der Produktwelt von Südmail digital sehr viel Know-how aufgebaut. Und natürlich der Bau unseres neuen Brief- und Logistikzentrums in Weingarten. Am jetzigen Standort haben wir genügend Platz, um effiziente Warenflüsse sicherzustellen und um weiter wachsen zu können.

Wo geht die Reise noch hin?

Wir haben mehrere Themen, die uns und unsere Branche in den nächsten Jahren beschäftigen werden. Unsere Aufgabe wird weiterhin sein, motivierte Mitarbeiter zu finden und zu halten. Das versuchen wir, indem wir alle Mitarbeiter wie eine große Familie führen und eine faire Entlohnung sicherstellen. In der Logistikbranche spielt das Thema Umweltschutz immer eine große Rolle. Neben dem klimaneutralen Briefversand Green Mail, mit dem wir bereits jährlich mehrere hundert Tonnen CO2 einsparen, haben wir auch Elektromobile bei der Briefzustellung im Einsatz. Darüber hinaus gehen wir seit kurzem bei Südmail digital den Weg des sogenannten verteilten Druckens. Das heißt, Briefe werden dort in Deutschland gedruckt, wo diese zugestellt werden sollen. Wir sparen dadurch neben der Zeit erhebliche Mengen CO2, weil Briefe nicht mehr von A nach B gefahren werden müssen.

Wie funktioniert der digitale Briefversand genau?

Briefe werden nicht wie bisher auf dem herkömmlichen Weg am Arbeitsplatz gedruckt, kuvertiert und dann zur Post gebracht. Über Südmail digital werden Briefe zwar am Arbeitsplatz geschrieben, jedoch digital an uns übermittelt, bei uns gedruckt, kuvertiert und als echter Brief beim Empfänger zugestellt. Der Versender spart sich damit den kompletten Aufwand für Papier, Kuverts, Drucken, Kuvertieren und Personalaufwand. Laut einer Studie der Bundesnetzagentur bedeutet das für den Kunden über 50 Prozent Ersparnis pro Brief. Ende des Jahres wollen wir mit der sogenannten „secure-mail“ dann die komplette digitale Zustellung mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umsetzen und die digitale Transformation gemeinsam mit unseren Kunden konsequent weiterführen.

Wie wichtig ist Ihnen Regionalität?

Wir kommen aus der Region und bieten Service für die Region. Wir wollen eine breite Wahrnehmung in der Bevölkerung. Das ist uns auch durch unsere regionalen Briefmarkenserien gelungen. Außerdem bieten wir mit der Abholung bei Geschäftskunden, Frankierung und Sendungsverfolgung bei Briefen einen besonderen Service.

Wo sehen Sie noch Wachstumspotenzial?

Wir gehen von weiterem Wachstum im Werbemarkt aus. Dort findet seit gut fünf Jahren eine Renaissance im physischen Bereich statt. Unternehmen kehren neben ihrem E-Mail-Marketing wieder zu Katalogen, Briefen und Postkarten zurück. Wir kümmern uns zudem um die regionalen Warenversender. Der gesamte E-Commerce-Sektor ist ein wachsender Markt. Diesem werden wir mit attraktiven Angeboten gerecht.

Experte für Briefe und Logistik

Mit Service und Regionalität in die Zukunft Image 1
Thomas Reiter (54, Foto: Derek Schuh) ist seit 2008 Geschäftsführer der Südmail GmbH in Weingarten. Der Diplom-Betriebswirt arbeitet seit mehr als 25 Jahren in der süddeutschen Verlagsbranche.


  

Ein Cent für den guten Zweck

Südmail setzt auf klimaneutralen Versand und sauberes Trinkwasser

Intensive Gespräche mit Auszubildenden. 
Intensive Gespräche mit Auszubildenden.
 
Die Diskussion um den Klimawandel und seine Ursachen beschäftigt auch die Briefdienstleister. „Bei der Beförderung und Zustellung von Briefen entsteht natürlich CO2“, sagt Südmail-Geschäftsführer Thomas Reiter selbstkritisch.

Gleichzeitig betont er, dass der CO2-Ausstoß des Unternehmens äußerst gering sei, da 80 Prozent der Zustellwege zu Fuß und zehn Prozent mit dem Fahrrad absolviert werden. Durch den gemeinsamen Transport von Briefen und Tageszeitungen halbiert sich nach Angaben von Südmail der Ausstoß von Kohlendioxid pro Brief.

Zudem stellt Südmail seit Neuestem mit dem Elektrofahrzeug namens „Paxster“ Briefe zu. 200 Kilogramm Briefe können im Ökoflitzer, der speziell für die Zustellung entwickelt wurde, zugeladen werden. Mit maximal 45 Stundenkilometern steuert der Zusteller regengeschützt sein Ziel an. Nach frühestens 40, spätestens nach 100 Kilometern braucht das Fahrzeug eine Verschnaufpause an der Steckdose.

Wasserfilter für Familien

Mit dem digitalen Briefversand von Südmail digital wird der CO2-Ausstoß nochmals deutlich reduziert. Über regionale Druckstandorte in ganz Deutschland druckt Südmail mittlerweile in der Region, wo der Brief zugestellt werden soll. In der Regel erreichen Briefe über diesen Weg bereits am Folgetag die Empfänger deutschlandweit.

Außerdem können Großkunden von Südmail freiwillig einen Cent Aufschlag pro Sendung bezahlen. Green Mail heißt das Projekt. „Dank unserer Kunden schaffen wir es, jährlich über 200 Tonnen CO2-Emissionen auszugleichen“, sagt Reiter. Dafür erwirbt Südmail Emissionszertifikate.

In der Praxis funktioniert das so: Eine der Aktionen ist das Wasserfilter-Projekt in Kenia. Dort erhalten Familien Filter für sauberes Wasser. Dadurch entfällt das sonst notwendige Abkochen des Wassers, wofür oft Holz aus illegalem Einschlag verbrannt wird.

Das wiederum bedeutet, weniger CO2-Ausstoß, weniger Geld für Brennholz und weniger Kriminalität durch illegales Roden. Das Wasserfilter-Projekt liefere sauberes Trinkwasser und sorge dafür, dass weniger Kinder an verseuchtem Wasser sterben, so Reiter. (sz)