„Frühzeitig für den Fall einer gesundheitlichen Krise vorsorgen“

Siglinde von Bank koordiniert die Versorgung schwer kranker Menschen im Landkreis Biberach. FOTO: CHRISTOPH SCHNEIDER
Wenn eine gesundheitliche Krise eintritt, sind die Betroffenen meist geschockt, unsicher und reagieren teils kopflos. Angehörige wissen oft nicht, wie sie dem Erkrankten praktisch helfen können und sind nicht auf den Abschied vorbereitet. Das muss nicht sein, sagt Siglinde von Bank. Die examinierte Krankenschwester hat entsprechende Weiterbildungen absolviert und ist seit neun Jahren Palliativpflegefachkraft bei der Spezialisierten Ambulanten Palliativen Versorgung (SAPV) in Biberach. Dort koordiniert sie die Versorgung schwer kranker Menschen zusammen mit ihrer Kollegin Heike Heß.

Frau von Bank, wie sieht diese Koordination aus?

Unsere Aufgabe ist es, dass der schwer kranke Mensch im eigenen Umfeld bestmöglich versorgt ist. Wir koordinieren das Zusammenspiel der einzelnen Fachdisziplinen aus Haus- und Fachärzten, Pflegedienst, ambulanten Hospizhelfern und wir organisieren Hilfsmittel wie Pflegebett und Toilettenstuhl. Eben Dinge, die der kranke Mensch in seiner aktuellen Situation benötigt. Wir sind für die Angehörigen bei einem Notfall rund um die Uhr erreichbar. Das allein nimmt ihnen schon viel Angst.

Sie fordern die Menschen auf, sich rechtzeitig mit einem möglichen gesundheitlichen Krisenfall zu beschäftigen, warum?

Wir stellen fest, dass sich die meisten erst damit beschäftigen, wenn eine schwere Krankheit eingetreten ist. Dann müssen aber oft Entscheidungen getroffen werden und wenn nicht klar ist, welche Entscheidung im Sinne der betroffenen Person wäre, führt das zu Stress bei den Angehörigen. Man kann eine schwere Krankheit zwar nicht voraussehen, aber man kann vorsorgen, indem man mit den Menschen, die einem nahe stehen, über dieses Thema redet. Nach dem Motto „Was wäre wenn ...?“

Über was kann man denn dann reden?

Es kann beispielsweise um die Frage gehen, woraus für einen Lebensqualität besteht. Meine Freunde und Angehörigen wissen zum Beispiel, dass mir sowohl Essen sehr wichtig ist als auch die Möglichkeit, mit anderen zu sprechen. Deswegen wäre es mir äußerst unangenehm, über einen längeren Zeitraum künstlich ernährt und künstlich beatmet zu werden. Das weiß nicht nur mein Umfeld, das steht auch in meiner Patientenverfügung.

Aber wenn Sie einmal in eine Notlage geraten, in der sie länger künstlich beatmet oder ernährt werden müssen und Sie sich lieber dafür entscheiden würden?

Eine Patientenverfügung greift ja nur, wenn die Person nicht mehr kommunizieren kann. Solange ich mich irgendwie verständlich machen kann, gilt die Entscheidung, die ich aktuell treffe. Aus der täglichen Praxis weiß ich, dass es sich bei den meisten schweren Fällen um längere Krankheitsverläufe handelt, in deren Verlauf durchaus die Gelegenheit und auch die Notwendigkeit besteht, sich über Fragen wie „was soll mit mir in welcher Situation passieren“ auszutauschen.

In welchen Situationen weicht man von der Patientenverfügung ab, überlegt man es sich anders?

Der überwiegende Teil meiner Patienten möchte sein Leben im vertrauten Umfeld beschließen. Dabei unterstützen wir sie natürlich. Aber es gibt Situationen, in denen wir die Patienten in eine Klinik bringen müssen, beispielsweise wenn der Patient sich den Oberschenkelhals gebrochen hat. Denn das verursacht heftigste Schmerzen und muss umgehend operativ versorgt werden. In so einem Fall gibt es keine Alternative. Da greift auch keine Patientenverfügung. In allen anderen Fällen evaluieren wir gemeinsam mit den Patienten, welche Wege es gibt und welchen Weg sie einschlagen wollen.

Was motiviert Sie, sich mit Entscheidungen zum Lebensende zu beschäftigen und auch andere anzuhalten, sich damit zu beschäftigen?

Ich möchte Mut machen, darüber zu reden, was mit mir im Krisenfall geschehen soll. Denn nur im Gespräch kann ich meine Schwerpunkte setzen und auch verstehen, was für den anderen wichtig ist. Außerdem habe ich die Möglichkeit, bei Unklarheiten nachzufragen. Das erleichtert es uns allen, Entscheidungen zu treffen. Das gibt uns allen Sicherheit und Struktur. Diese beiden gehen ja verloren, wenn es schwierig wird. Wenn wir vorbereitet sind, können wir auf sie zurückgreifen und in der Krisensituation besser handeln. (cs)

Infoabend: Letzte Hilfe am Lebensende

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„An das Thema Digitalisierung herantasten“

Ernst Peter Ritzel leitet das Sales-und Promotionteam der Schwäbischen Zeitung in den Landkreisen Biberach und Alb-Donau. FOTO: PRIVAT
Ernst Peter Ritzel leitet das Sales-und Promotionteam der Schwäbischen Zeitung in den Landkreisen Biberach und Alb-Donau. FOTO: PRIVAT
Ernst Peter Ritzel leitet das Sales-und Promotionteam der Schwäbischen Zeitung in den Landkreisen Biberach und Alb-Donau. Er versucht Menschen, die nicht mit dem Internet aufgewachsen sind, den Zugang zur digitalen Welt zu erleichtern.

Herr Ritzel, was hat Sie veranlasst, sich diesem Thema zu widmen?

Ich spreche auf vielen Vorträgen über das Thema Digitalisierung. Nach einem solchen Vortrag kam ein Herr zu mir und sagte: „Ich habe Angst, weil ich sehe, dass wir Älteren durch die rasante digitale Entwicklung vom Leben abgeschnitten werden.“ Nun bin ich selbst 67 Jahre auf dieser Welt und diese Aussage stimmte mich nachdenklich. Ist uns Älteren wirklich bewusst, in welche Lebensbereiche die Digitalisierung schon heute tief eingreift und viele Abläufe des täglichen Lebens erheblich verändert?

In welche Bereiche greift sie denn besonders ein?

Das fängt schon beim Einkaufen an. Schließlich kann man inzwischen nahezu alles bequem im Netz bestellen. Die Kehrseite der Medaille sind von Lieferfahrzeugen verstopfte Straßen, geschlossene Geschäfte in den Innenstädten und ein drastischer Anstieg der Marktmacht der Online-Handelsplattformen. Oder denken Sie an den Bereich Verkehr. Wer hätte vor zehn Jahren geahnt, welche Fortschritte das autonome Fahren inzwischen gemacht hat. Auch im ÖPNV gibt es enorme Veränderungen: Sie können inzwischen neben der herkömmlichen ausgedruckten Fahrkarte auch ein digitales Ticket auf Ihr Mobiltelefon laden. Letzteres ist oft auch deutlich günstiger als der Ausdruck. Meine Frau und ich waren im vergangenen Sommer viel mit der Bahn unterwegs und haben gesehen, dass ein erheblicher Teil der jüngeren Fahrgäste dem Kontrolleur nur noch das Handy zeigte. Ich glaube, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die einzig verbleibende Möglichkeit des Fahrkartenerwerbs die über das Handy sein wird.

Was folgern Sie daraus?

Das Digitale wird rasant zunehmen in allen Bereichen unseres Lebens. Die Menschen, die damit aufgewachsen sind, finden sich leichter mit den Veränderungen zurecht. Ältere tun sich da schwerer. Aber gerade sie sollten sich mit dem Thema beschäftigen, allein um nicht abgehängt zu werden, wie der ältere Herr von meinem Vortrag befürchtete.

Und wie können diese Menschen sich da herantasten?

Einige sind ja total fit unterwegs in der digitalen Welt. Ihnen rate ich: Seien Sie trotzdem vorsichtig und immer etwas misstrauisch. Und verlieren Sie nie die ethischen Fragen, die solche Techniken aufwerfen, aus den Augen. Denjenigen, die bis jetzt wenig bis gar nichts mit digitaler Technik zu tun hatten, empfehle ich, sich in „geschützen Räumen” an die Materie heranzutasten. Beispielsweise könnten sie beginnen, ihre Tageszeitung künftig online zu lesen, am PC, auf dem Tablet oder dem Mobiltelefon. So lernen sie Schritt für Schritt und ohne Risiko den Umgang mit diesen Medien. (cs)