Immobilien: Baukindergeld boomt richtig

Die rustikale und gemütliche Einrichtung passt zur bodenständigen Speisekarte der Heimatküche. FOTOS: OH
Das neue Baukindergeld der Großen Koalition boomt. Nach Informationen der zuständigen kfW-Bank sind bereits etwa einen Monat nach dem Start mehr als 500 Millionen Euro Fördergeld beantragt worden. Das eingeplante Gesamtvolumen beläuft sich auf drei Milliarden Euro.

Insgesamt wurden laut KfW bis jetzt knapp 25.000 Förderanträge registriert, die bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau eingegangen sind. Demnach haben vor allem Familien mit einem oder zwei Kindern die Anträge für den Zuschuss gestellt. Anträge können ausschließlich für Baugenehmigungen und Kaufverträge gestellt werden, die zwischen dem 1. Januar 2018 und Ende 2020 abgeschlossen werden.

Das Baukindergeld wird voraussichtlich ab März 2019 ausgezahlt. Der Staat zahlt Familien jährlich 1.200 Euro pro Kind beim Bau oder Kauf einer Immobilie - für einen garantierten Zeitraum von zehn Jahren. Mit dem Baukindergeld will die Bundesregierung gegen Wohnungsmangel und weiter steigende Mieten vorgehen. Das Baukindergeld wird nur an Familien und Alleinerziehende mit einem Kind und einem jährlichen Haushaltseinkommen von bis zu 90.000 Euro gewährt. Mit jedem weiteren Kind wird die Einkommensgrenze um jeweils 15.000 Euro erhöht.

Zuschuss auch für Millionäre

Eigentlich sollen mit dem neuen Baukindergeld sogenannte Normalverdiener mit Kindern beim Erwerb von Wohneigentum finanziell gefördert werden. Deshalb ist die Einhaltung einer bestimmten Einkommensgrenze eines von mehreren Anspruchskriterien. Doch nach Erkenntnissen des Immobilien-Infoportals www.wohnen-und-bauen.de können – zumindest theoretisch – sogar Vermögensmillionäre mit sehr hohen Dividendenoder Zinseinnahmen Anspruch auf Baukindergeld haben.

Die Einkommensgrenze als eines der Kriterien für den Bezug von Baukindergeld beträgt 75 000 Euro. Dabei handelt es sich um den Durchschnitt des sogenannten zu versteuernden Einkommens im zweiten und dritten Jahr vor Antragstellung auf Baukindergeld. Da für jedes minderjährige Kind, das bei Einzug in die erworbene Immobilie im Haushalt der Eltern lebt, ein Freibetrag von 15 000 Euro gewährt wird, kann das Brutto-Haushaltseinkommen zum Beispiel einer vierköpfigen Familie durchaus deutlich mehr als 100 000 Euro im Jahr betragen.

Wer Baukindergeld beansprucht, muss anhand seiner Einkommensteuerbescheide nachweisen, dass er die Einkommensgrenze nicht überschreitet. Doch nach geltendem Einkommensteuerrecht müssen nicht alle Einkünfte abgerechnet werden. So tauchen im Steuerbescheid beispielsweise Kapitalerträge wie Aktiendividenden und Sparzinsen nicht auf. Einfacher Grund: Beide unterliegen der sogenannten Abgeltungssteuer (25 Prozent plus Soli-Zuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer). Somit werden gleich an der Quelle knapp 30 Prozent der Dividenden bzw. Zinsen abgezogen, und der Fall ist fürs Finanzamt erledigt.

Folge: Wer aufgrund eines ansehnlichen Vermögens sehr hohe Dividenden- und/oder Zinseinnahmen hat, aber ein vergleichsweise geringes Erwerbseinkommen von nur einigen 10 000 Euro in einem Kalenderjahr, hält die Einkommensgrenze ein und könnte somit Baukindergeld beanspruchen. Das ist steuerrechtlich nicht zu beanstanden und kann kuriose Folgen haben, wie das Immobilien-Infoportal www.wohnen-und-bauen.de vorrechnet:

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die das Baukindergeld organisatorisch abwickelt und die Anträge auf Einhaltung der Anspruchskriterien prüft, hat die Informationen bestätigt.