Sanierung abgeschlossen: Pflugschule veranstaltet Tag der offenen Tür

So sieht die sanierte Pflugschule heute aus. FOTOS: STADTPLANUNGSAMT BIBERACH
111 Jahre gibt es heuer die Biberacher Pflugschule und nun ist auch der über zehn Jahre andauernde Prozess der Sanierung des Gebäudes abgeschlossen. Am Freitag, 18. Mai, sind die Türen der Pflugschule für alle geöffnet, die sehen wollen, wie das 111-jährige Schulhaus nun auch innen saniert worden ist.

BIBERACH (cs/Stadt) - Siegfried Kopf-Jasiński, Leiter des Biberacher Hochbauamts, erklärt: „Das Pflugschulgebäude wurde 1906 bis 1907 von Stadtbaumeister Preiser als Mädchenschulhaus erbaut. Beim Bezug 1907 besuchten fast 600 Schülerinnen die Schule. Nach Nutzung durch verschiedene Schularten ist das Gebäude seit 1974 durch die Förderschule belegt. 1991 wurde zusätzlich die Kindertagesstätte und der Hort im Ostflügel untergebracht.“

Das ganze Dach musste neu gedeckt werden.
Das ganze Dach musste neu gedeckt werden.
Allerdings war das Gebäude in den 2000er-Jahren in keinem guten Zustand mehr: Das Dach war undicht, Putz bröckelte, der Zustand der Sanitärräume wurde als unzumutbar empfunden und es gab darüber hinaus noch weiteren Sanierungsbedarf. Ein Generalsanierungskonzept musste her. Das hat das städtische Hochbauamt erstellt und die folgende Sanierung in Eigenregie ausgeführt.

Los ging es im Jahr 2005 mit dem Einbau neuer Sanitäranlagen. 2006 und 2007 folgte in zwei Bauabschnitten die Außensanierung in Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Kopf-Jasiński sagt: „Der Putz wurde erhalten, hohl liegende Stellen abgeschlagen und anschließend sorgfältig ausgebessert. Das Ziegeldach wurde komplett neu gedeckt, die historischen Ziegel und die Lattung waren leider nicht mehr verwendbar.“

Das Gerüst reichte bis in 28 Meter Höhe, ...
Das Gerüst reichte bis in 28 Meter Höhe, ...
... denn selbst die Giebel mussten gesichert werden.
... denn selbst die Giebel mussten gesichert werden.
Die Baustelle war eindrucksvoll: Der Dachfirst befindet sich an seiner höchsten Stelle 28 Meter über dem Boden und bei der Dachsanierung musste auch der höchste Giebel mit seinen Zinnen eingerüstet und die Zinnen gegen Abkippen gesichert werden. Denn ihre Abdeckung aus Biberschwanzziegeln haben die Arbeiter ebenfalls erneuert. Der historische Dachstuhl hatte zum Glück kaum Schaden genommen. Lediglich an einer Kehle war Wasser eingedrungen und ein paar Balken mussten die Zimmerleute am Fußpunkt neu ansetzen. Die historische Uhr wurde im Zuge der Außensanierung ebenfalls überarbeitet. Im Herbst 2007, rechtzeitig zum 100-jährigen Bestehen des Schulhauses, war die Außensanierung abgeschlossen.

Eigentlich hätte es nach den Arbeiten außen bald mit der Innensanierung weitergehen sollen. Im Jahr 2008 begann jedoch die Diskussion über die weitere Entwicklung der weiterführenden Schulen in Biberach. Die Entscheidung über den neuen Standort der Realschule ließ die Idee der Schul- und Sportmeile entstehen. Um sich keine Optionen zu verbauen, wurde die Innensanierung der Pflugschule zunächst zurückgestellt.

Sicher Gut Bauen

Tag der offenen Tür

Die Pflugschule freut sich über die gelungene Generalsanierung. Aus diesem Anlass findet am Freitag, 18. Mai, 12.30 Uhr bis 14.30 Uhr, direkt im Anschluss an den Unterricht ein Tag der offenen Tür statt unter dem Motto „Was Biberach im Großen macht, das machen wir im Kleinen“.

Es gibt ein Postamt mit Luftpostaktion, ein Café, ein Restaurant, eine Waffelbäckerei, ein Stadtarchiv, ein Hochbauamt, ein Kino, eine Stadtgärtnerei, einen Wertstoffhof – und das alles im frisch renovierten Pflugschulgebäude.

Mit dieser Veranstaltung wollen die Lehrer nicht nur ihren Schülerinnen und Schülern die Einrichtungen der Stadt Biberach näherbringen, sondern auch den Besucherinnen und Besuchern das Schulprogramm und Schulkonzept vorstellen.

Absoluter Leitgedanke des pädagogischen Handelns an der Pflugschule ist die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf ein Leben im städtischen Umfeld mit Arbeit und Familie, vor allem aber mit Selbstbestimmung, Selbstbewusstsein und Würde – getreu dem Motto „klein.stark.Pflugschule“.
Florian M. Scheytt

Jetzt ist die Pflugschule auch innen schön

Ein Unterrichtsraum der Pflugschule. FOTOS: C. SCHNEIDER
Ein Unterrichtsraum der Pflugschule. FOTOS: C. SCHNEIDER
Für die neue Werkstatt wurde extra Erde ausgehoben.
Für die neue Werkstatt wurde extra Erde ausgehoben.
Es dauerte mehrere Jahre, bis sich abzeichnete, dass die Pflugschule nicht an die neue Schul- und Sportmeile beim Berufsschulzentrum ziehen, sondern an ihrem angestammten Platz bleiben würde. 2013 wurden die Sanierungsüberlegungen wieder aufgegriffen, schließlich verbesserte sich der Zustand des Gebäudes nicht mit den Jahren, und vor allem musste die Sanierung spätestens 2018 über die Bühne gehen, um die zugesagte finanzielle Förderung des Landes zu bekommen.

BIBERACH (cs/Stadt) - Anfang 2015 – zehn Jahre nach Beginn der Außensanierung – entschied der Gemeinderat, den Architekten Florian M. Scheytt mit der Planung und Durchführung Generalsanierung der Pflugschule zu beauftragen. Am selben Tag beschloss der Rat, dass die Förderschule auch in Anschluss an die Sanierung im Pflugschulgebäude bleiben sollte.

Der Architekt Scheytt erklärt: „Bei der Innensanierung wurden neben konstruktiven Mängeln insbesondere Defizite in den Bereichen Brandschutz mit Fluchtwegen, Barrierefreiheit und der Haustechnik im Zuge einer ganzheitlichen Umbau- und Sanierungsmaßnahme behoben und dem aktuellen Stand der Technik angepasst.“

Sie freuen sich über die abgeschlossene Sanierung der Pflugschule (v. r.): Schulleiterin Anika Raendchen, Hochbauamtsleiter Siegfried Kopf-Jasiński, Gebäudemanagementamtsleiter Robert Walz, Architekt Florian M. Scheytt und Siegfried Kley vom städtischen Gebäudemanagement.
Sie freuen sich über die abgeschlossene Sanierung der Pflugschule (v. r.): Schulleiterin Anika Raendchen, Hochbauamtsleiter Siegfried Kopf-Jasiński, Gebäudemanagementamtsleiter Robert Walz, Architekt Florian M. Scheytt und Siegfried Kley vom städtischen Gebäudemanagement.
Historische Elemente wie an dieser Decke wurden integriert.
Historische Elemente wie an dieser Decke wurden integriert.
Die Pflugschule bekam einen Aufzug über fünf Geschosse. Er dient nicht nur der Barrierefreiheit, sondern auch der Schützenbühne, die im Dachgeschoss untergebracht ist. Zwei Fluchttreppenhäuser wurden neu gebaut, eines im Innern im nördlichen Flügel, eines im Schulhof am Ostflügel. Schäden an der Konstruktion, insbesondere an den Betonrippendecken, wurden repariert.

Siegfried Kopf-Jasiński, Leiter des Biberacher Hochbauamts, sagt: „Die historischen Terrazzobeläge wurden – wo es möglich war – ganz im Sinne einer denkmalgerechten Sanierung freigelegt und repariert. Es war überraschend, welche Schmuckstücke in den vergangenen Jahrzehnten unter neuen Schichten von Bodenbelägen verborgen waren.“
Die alten Brunnen wurden angebracht und der Boden freigelegt.
Die alten Brunnen wurden angebracht und der Boden freigelegt.
Auch die Kaninchen fühlen sich in der Schule wohl.
Auch die Kaninchen fühlen sich in der Schule wohl.
Technisch wurde das Gebäude auf den aktuellen Stand gebracht. So wurde einerseits die Haustechnik weitgehend erneuert und die nur rudimentär vorhandene Brandmeldeanlage erneuert und auf das Ganze Gebäude erweitert. Mit Blick auf den in einer Schule herrschenden Lärmpegel wurden schallschluckende Elemente in den Fluren und Räumen eingebaut. Architekt Scheytt erklärt: „Neue erforderliche Elemente prägen den Raum, wurden aber bewusst zurückhaltend vom Bestand abgesetzt, auf diesen abgestimmt und erzeugen ein Wechselspiel zwischen Alt und Neu, so gibt es beispielsweise Deckensegel und Absorptionsflächen in den Fluren und die sogenannten Roten Kisten.“

Biberach Riss

Hochbauamtsleiter Kopf-Jasiński sagt: „Aus architektonischer Sicht bestand die herausfordernde Aufgabe, aus den erforderlichen umzusetzenden Maßnahmen ein durchgängiges gestalterisches Gesamtkonzept unter Berücksichtigung der vielfältigen technischen und funktionalen Anforderungen zu entwickeln. Hierbei standen die behutsame Zusammenführung von Bestandssubstanz und die Einbindung von modernen gestalterischen und konstruktiven Eingriffen im Vordergrund.“
J. Werner GmbH

Für die nun abgeschlossene Gesamtsanierung gab es einen Landeszuschuss in Höhe von fast 2,4 Millionen Euro. Insgesamt hat die Sanierung der Pflugschule rund 6,4 Millionen Euro gekostet und sich über 13 Jahre erstreckt. KopfJasiński sagt: „Alle Sanierungsmaßnahmen wurden bei laufendem Betrieb durchgeführt – das gelang dank der Geduld der Schule und der Kindertagesstätte, die häufig mit Einschränkungen wie Lärm und Staub zurechtkommen mussten.“