Neues Ärztehaus in Hettingen ist ein Glücksfall für die Region

Einst Schul-, jetzt Ärztehaus. Das Gebäude an der Inneringer Straße wurde für 800.000 Euro komplett ausgebaut.                   FOTOS: SCHWARZ
Der Ärztemangel auf dem Land ist mittlerweile dramatisch. Deswegen ist das neue Ärztehaus in Hettingen nicht nur für die 1800-Einwohner-Stadt im nördlichen Landkreis Sigmaringen ein absoluter Glücksfall, sondern auch gleich noch für die ganze umliegende Region, freut sich Hettingens Bürgermeisterin Dagmar Kuster. Drei Hausärzte mit Facharztausbildung werden das Ärztehaus beziehen und am 4. Juni dort ihren ersten Arbeitstag in der neuen hausärztlich-internistischen Praxis haben. Als geeigneter Standort für das neue Ärztehaus wurde schnell die Alte Schule in der Stadtmitte ausgemacht. Die Stadt, der das denkmalgeschützte Gebäude gehört, baute es für rund 800.000 Euro um.

HETTINGEN - Im Sommer vergangenen Jahres bekommt Bürgermeisterin Dagmar Kuster Kontakt zu den zwei Ärzten Johannes Bader und Dr. Christoph Locher, die sich von der internistischen Abteilung des Sigmaringer Krankenhauses kennen und sich mit Dr. Patrizia Schuchter in Winterlingen selbstständig machen wollen. Kuster fragt an, ob sie bereit wären, auch nach Hettingen zu kommen. Nachdem es sich Hettingen angeschaut hat, sagt das Trio zu.
Während Johannes Bader im Oktober vergangenen Jahres seine neue Praxis in Winterlingen eröffnet und mit seinen beiden Kollegen zusammen betreibt, ebnet der Gemeinderat in Hettingen den Weg für das neue Ärztezentrum. Weil es tatsächlich ein absoluter Glücksfall ist, gleich drei Ärzte in den ländlichen Raum zu bekommen, geben die Räte schnell grünes Licht. Dann werden passende Räumlichkeiten gesucht, was aber gar nicht so einfach ist. „Irgendwann kamen wir dann auf die Alte Schule“, erzählt Dagmar Kuster. Jetzt macht es sich bezahlt, dass die Stadtverwaltung schon seit 2012 mit dem Gedanken spielt, das ortsbildprägende Alte Schulhaus an der Inneringer Straße, zurückzukaufen und seither mit dem Besitzer in Kontakt ist. Diese Gespräche ebnen den Weg für ein rasch über die Bühne gehendes Geschäft.

Die Stadt beginnt, das denkmalgeschützte, dreistöckige, innen etwas marode Gebäude, das um 1900 herum erbaut wurde, einer Komplettsanierung zu unterziehen. Die Hülle bleibt, ansonsten wird alles neu gemacht: Ständerwände, Heizung, Elektrik, EDV, Sanitäranlagen, etc. Gesundheits- und Hygienevorschriften müssen genauso beachtet werden wie umfangreiche Brandschutzmaßnahmen. Erdgeschoss (in dem sich die hausärztlich-internistische Praxis befindet) und Obergeschoss werden barrierefrei gemacht. Im Außenbereich muss eine Drainage gelegt werden, um die Feuchtigkeit aus dem Haus zu bekommen, auch die Außenanlage wird neu gestaltet, Parkplätze werden angelegt.

Fast fertig: die neuen Praxisräume im Erdgeschoss mit den nötigen sanitären Anlagen.
Fast fertig: die neuen Praxisräume im Erdgeschoss mit den nötigen sanitären Anlagen.
„Wegen des Denkmalschutzes war es uns wichtig, das Gebäude außen original zu erhalten“, erläutert die Bürgermeisterin. „So haben wir beispielsweise die alte, allererste Haustür so perfekt auf eine neue draufgesetzt, dass die ursprüngliche Optik erhalten werden konnte.“

Rund 800.000 Euro

Rund 800.000 Euro kostet die Baumaßnahme. Da das neue Ärztezentrum aber im Sanierungsgebiet der Stadt Hettingen liegt, wurde die Maßnahme ins SSP-Programm (Bund-Länder-Programm Soziale Stadt, das Fördermittel für städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen in kommunalen Sanierungsgebieten gewährt) aufgenommen. Dagmar Kuster weiß noch nicht genau, wieviel Fördergeld es gibt. „Aber wir gehen von etwa 50 Prozent der Gesamtsumme aus. Die Zuschussmittel könnten nicht besser eingesetzt sein.“

Die historische Eingangstür wurde so perfekt auf eine neue draufgesetzt, dass man es nicht erkennen kann.
Die historische Eingangstür wurde so perfekt auf eine neue draufgesetzt, dass man es nicht erkennen kann.
Kuster spricht sogar vom „Ärztezentrum Laucherttal“, dessen Attraktivität bis weit in die umliegenden Gemeinden strahle. In diesem Zusammenhang weist sie nochmals explizit darauf hin, dass es sich beim Ärztehaus Hettingen um eine Neugründung handelt. „Die Ärzte beginnen nicht mit einem Patientenstamm. Hier haben also alle Bürger die Chance, einen Hausarzt zu finden.“ Zumal Johannes Bader betont, dass das Ärztehaus Hettingen kein Ableger der Winterlinger Praxis werden soll. „Das ist kein Außenstandort, sondern eine voll funktionierende Praxis, in der immer mindestens einer der Ärzte vor Ort ist.“

Doch die hausärztlich-internistische Praxis in Hettingen soll erst der Anfang für eine künftig bessere medizinische Versorgung in Hettingen und den umliegenden Laucherttal-Gemeinden sein. Ein Neurologe hat bereits Interesse angemeldet, ebenso ein Investor, der vor Ort ein Seniorenheim bauen möchte. Ohne Ärzte vor Ort wäre dieses Interesse ausgeblieben, ist sich Kuster sicher und hofft, dass auch noch Physiotherapeuten und eine Apotheke folgen. „Das Ärztehaus wird in Hettingen vieles zum Positiven wenden.“ CHRISTIAN SCHWARZ

Tag der offenen Tür am 31. Mai

Am Donnerstag, 31. Mai (Fronleichnam) können die Praxisräume im Rahmen eines Tags der offenen Tür zum erstenmal öffentlich besichtigt werden. Das Ärztehaus ist von 11 bis 17 Uhr geöffnet, die Ärzte werden vor Ort sein. Der TSV Hettingen bewirtet.
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