Seniorengenossenschaft Riedlingen bietet bürgerschaftliche Selbsthilfe

Pflegedienstleiterin Elisabeth Hennes, Josef Martin und Praktikantin Fanny Widmann (v. l.) stehen vor der Wohnanlage der Seniorengenossenschaft. FOTOS: MARKUS FALK
Ein hohes Alter wird oft mit Pflegebedürftigkeit in Verbindung gebracht. Über die Hälfte der 85- bis 90-Jährigen benötigt aber lediglich Unterstützung im Alltag. Dazu zählen Essens- und Fahrdienst, die Hilfe im Haushalt oder das betreute Wohnen. Genossenschaftliche Einrichtungen können dazu einen Beitrag leisten.

RIEDLINGEN - Josef Martin ist Gründer der Seniorengenossenschaft, die es seit 1991 in Riedlingen gibt. Er sagt: „Die bisherigen Anbieter von Unterstützungsleistungen werden durch den demografischen Wandel in den nächsten Jahren immer mehr an ihre Grenzen stoßen.“ Für ihn ist das bürgerschaftliche Engagement die Antwort auf bevorstehende Engpässe bei der Betreuung von älteren Menschen. Die genossenschaftliche Organisation ist eine solche Form bürgerschaftlicher Selbsthilfe.

Als Mitglied der Seniorengenossenschaft Riedlingen besteht die Möglichkeit, anderen zu helfen und später bei Bedarf selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen. Martin erklärt: „Man übernimmt eine wichtige Funktion in der Gesellschaft und erhöht gleichzeitig sein Selbstwertgefühl.“ Für die Mitarbeit in der Genossenschaft wird eine Aufwandsentschädigung gezahlt. Martin hält diese Form der gegenseitigen Hilfe sowohl zur Erhaltung der Lebensqualität als auch unter finanziellen Aspekten für alternativlos. Er sagt: „Zwei Drittel aller Menschen, die nicht pflegebedürftig sind und Hilfe benötigen, bekommen keine Erstattung von den Krankenkassen.“ Darunter seien auch viele Frauen, die oft eine niedrige Rente erhalten.
Suzana Krasniqi und Adelinde Munding geben das Essen aus.
Suzana Krasniqi und Adelinde Munding geben das Essen aus.
Zu den angebotenen Diensten der Seniorengenossenschaft gehören Hilfen im Haushalt, das Einkaufen und Botengänge, Waschen, Bügeln und Gartenarbeit sowie häusliche Pflege und Betreuung. Viele Menschen sind darüber hinaus einsam und benötigen Ansprache, die sie zum Beispiel bei einem gemeinsamen Spaziergang erhalten können.

Die Seniorengenossenschaft Riedlingen bietet ihre Hilfen sowohl zu Hause als auch in der Seniorenwohnanlage an. Die 71 Wohnungen sind überwiegend barrierefrei und liegen wenige hundert Meter von der Riedlinger Altstadt entfernt. Darüber hinaus betreibt die Seniorengenossenschaft in Riedlingen zwei Tagespflegen.

Martin appelliert an nicht mehr Berufstätige, sich einzubringen und ältere Menschen in ihrem Alltag zu unterstützen. Die Strukturen in der Gesellschaft hätten sich verändert, viele Familienangehörige würden oft in größerer Entfernung wohnen und arbeiten. Dadurch könnten sie sich immer häufiger nicht mehr angemessen um ihre Angehörigen kümmern. Martin sagt: „An dieser Stelle kommt die bürgerschaftliche Selbsthilfe ins Spiel. Und der Bedarf wird wachsen.“ (mf)