Wohnqualität statt Krankenhaus-Flair

Erste WG für Intensivpflichtige in der Region – Tag der offenen Tür am Samstag

Wohnqualität statt Krankenhaus-Flair
Rudolf Wiedmann, Geschäftsführer von Lebenswert Wohnen, und Pressesprecher Thomas August (links) sind von der gemütlichen Atmosphäre in der Intensivpflege-Wohngemeinschaft begeistert. FOTOS: MELANIE SCHIELE
In Ellwangen-Neunheim ist die erste ambulant betreute Wohngemeinschaft (WG) für intensivpflegebedürftige Menschen in der Region entstanden. Die Lebenswert Wohnen GmbH & Co. KG bietet in der Adolf-Schneider-Straße 1 Platz für acht Bewohner, die rund um die Uhr betreut werden und dennoch selbstbestimmt ihr Leben gestalten können.

ELLWANGEN-NEUNHEIM (ms) - Gemäß des Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetzes (WTPG), das 2014 vom Landtag verabschiedet wurde, darf eine ambulant betreute Wohngemeinschaft weder baulich, organisatorisch noch wirtschaftlich Bestandteile einer stationären Einrichtung haben. Dies wird regelmäßig von der Heimaufsicht überprüft. „Der Charakter einer WG muss gegeben sein und das ist uns hier sehr gut gelungen“, sagt Rudolf Wiedmann, Geschäftsführer der 2016 neu gegründeten Lebenswert Wohnen GmbH & Co. KG mit Sitz in Ellwangen. Als Anbieter der Pflegewohngemeinschaft für intensivpflichtige Patienten in Neunheim stellt die Gesellschaft somit den Vermieter der Räumlichkeiten dar. Laut WTPG muss der Anbieter der ambulanten Wohngemeinschaft unabhängig von einem Leistungserbringer sein, das heißt der Bewohner kann den Pflegedienst frei wählen. Auf Wunsch der Mieter übernimmt die Versorgung der gleichnamige Intensivpflegedienst, der sich bereits seit 2014 um die Patienten der Pflegewohngemeinschaft in Wört kümmert.

Das Gebäude in der Adolf-Schneider-Straße 1, das einst das Elektrofachgeschäft Papert beherbergte, wurde für über 300 000 Euro innerhalb von fünf Monaten vollständig entkernt und saniert. Die Fassade und die Terrasse wurden erneuert und auch beim Betreten des Hauses erinnert heute nichts mehr an den Laden: Es wurden neue Wände gezogen, sodass die WG nun über acht großzügige Einzelzimmer, zwei komfortable Bäder, eine moderne Küche, gemütliche Gemeinschaftsräume für Patienten und ihre Angehörigen sowie über mehrere Lager- und Stauräume verfügt. Helle Farben und edle Materialien lassen die WG freundlich und zeitgemäß wirken. In jedem Bereich wurde an die Funktionalität für die meist in Rollstühlen sitzenden Patienten gedacht, was das Leben enorm erleichtert – sei es durch einen neigbaren Spiegel im Bad, einen gut zu erreichenden Kühlschrank und Backofen oder extra breite Türen. „Die WG liegt sehr zentral im gesellschaftlichen Leben und bietet eine sehr angenehme Atmosphäre für kleine Ausflüge ohne Auto. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Einkaufszentrum, das barrierefrei zu erreichen ist“, so Wiedmann.

In der WG werden die Bewohner rund um die Uhr von Fachkräften betreut und anders als in einer stationären Einrichtung gestalten sie hier ihr Leben selbstbestimmt und individuell. Sie haben Mitspracherecht bei der Auswahl von neuen Mietern und bei der Gestaltung der Wohnsituation und des Zusammenlebens. „Außerdem ist hier das Gemeinschaftsgefühl sehr stark, da Menschen mit ähnlichen Einschränkungen zusammenleben. All diese Aspekte sorgen für eine sehr hohe Wohnqualität“, so Pressesprecher Thomas August. Dass zudem Angehörige mithilfe des Konzepts nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich entlastet werden, spricht für die hohe Nachfrage: Am 27. Februar ziehen bereits die ersten drei Bewohner ein. „Wir rechnen damit, dass in den nächsten Wochen auch die restlichen Zimmer vermietet sein werden“, sagt der Geschäftsführer. Um dem darüber hinausgehenden Bedarf an Intensivpflege-Wohngemeinschaften nachzukommen, soll der Baubeginn für eine weitere WG im Raum Aalen noch im Frühjahr erfolgen.

Programm

Bei der offiziellen Eröffnung der Wohngemeinschaft am Freitag, 16. Februar, um 16 Uhr begrüßt zunächst der Geschäftsführer des Intensivpflegedienstes Lebenswert, Rudolf Wiedmann, die Gäste. Nach dem Vortrag von Stefan Kroneder, Vorsitzender des IPV Deutschland, über die Außerklinische Intensivpflege schließen sich Ellwangens Bürgermeister Karl Hilsenbek, Landtagsabgeordneter Winfried Mack, SPD-Stadtrat Herbert Hieber und AOK-Geschäftsführer Josef Bühler mit Grußworten an. Am Samstag, 17. Februar, findet von 11 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür statt.