Umfrage

Was macht die Krise mit uns? Weltweite Umfrage will Leben während Corona beleuchten

Themen / Lesedauer: 5 min

In einer Umfrage will die Uni Konstanz von Menschen in der Region wissen: "Wie leben Sie mit Corona"? Erste Ergebnisse gibt es sogar bereits - und sie sind teilweise erstaunlich.
Veröffentlicht:12.06.2021, 12:15
Aktualisiert:12.06.2021, 12:16

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Wie hat sich Ihr Leben durch Corona verändert? Mit ihrer weltweit angelegten Umfrage "Life with Corona" - also "Leben mit Corona" - wollen die Entwicklungsforscherin Anke Hoeffler von der Universität in Konstanz und ihre Mitstreiter herausfinden, wie Menschen mit den Herausforderungen der Corona-Krise umgehen.

  • Wie sind Sie der Krise ausgesetzt?
  • Welchen Folgen hatte der Lockdown auf die körperliche und die mentale Gesundheit?
  • Wer ist besonders von Depressionen betroffen?
  • Wie ist die Einstellung zur Regierung und der Politik?

Das sind nur einige der Fragen, die bislang rund 32.000 Menschen auf der ganzen Welt (Stand 1. Juni) beantwortet haben. Den Fragebogen hat die Universität Konstanz mit Partnern entwickelt. Aus dem Südwesten waren die Rückläufe bisher nicht besonders hoch. Das soll sich jetzt ändern.

Wenn Sie an der Umfrage teilnehmen möchten, können Sie das hier tun:

Sollte die Umfrage nicht korrekt angezeigt werden, dann klicken Sie

Die Umfrage, die Anke Hoeffler gemeinsam mit ihren Kollegen Professor Tilman Brück und Professorin Patricia Justino aus Berlin und München erstellt hat, läuft bereits seit März vergangenen Jahres, seit Beginn der Pandemie in Deutschland. Die Forscherinnen und Forscher konnten sogar bereits erste Erkenntnisse gewinnen.

Der Stress, der durch die Umstände der Pandemie hervorgerufen wird, ist eine größere mentale Last als durch die Krankheit selbst.

Entwicklungsforscherin Anke Hoeffler

Ein überraschendes Ergebnis für Hoeffler: Obwohl alte Menschen gesundheitlich am ehesten durch Corona gefährdet sind, sind es doch die Jungen, die unter den Umständen der Krise leiden. "Der Stress, der durch die Umstände der Pandemie hervorgerufen wird, ist eine größere mentale Last als durch die Krankheit selbst", erklärt Hoeffler im Gespräch mit Schwäbische.de .

Das ist weltweit so. Auf 27 Sprachen haben Menschen auf der ganzen Welt den Fragebogen bisher ausgefüllt. Die Ergebnisse sind überall überraschend ähnlich, sagt Professorin Anke Hoeffler, und das nicht nur in Bezug auf Stress. So hat die Umfrage auch ergeben, dass in allen Ländern Frauen mehr unter der Krise leiden als Männer .

"Sie müssen im Lockdown den Haushalt stemmen und die Männer können zu einem größeren Teil zur Arbeit gehen", sagt Hoeffler.

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Anke Hoeffler, Uni Konstanz (Foto: Uni Konstanz)

Auch ein Ergebnis: Frauen leiden während der Krise eher unter Depressionen als Männern. Männer wiederum werden mit zunehmenden Maßnahmen im Lockdown eher aggressiv.

Verglichen hat das Forscher-Team die Zeit des "Light Lockdown" im Herbst 2020 und des harten Lockdowns im Winter 2020/2021. So waren Frauen auch schon vor der Krise eher anfällig für Depressionen und Männer für Aggressivität - dennoch hat beides bei den jeweiligen Gruppen verstärkt zugenommen.

Welche Herausforderungen kommen nach der Krise auf uns zu?

Eine Besonderheit der Studie: Sie fragt Menschen auf lokalen Ebenen.

Aus Berlin , München und Sachsen hat das Team bereits viele Fragebögen beantwortet bekommen und daraus Rückschlüsse ziehen können. Berliner haben zum Beispiel mehr Vertrauen in die Regierung, als Menschen aus Sachsen .

Der Grund dafür könne sein, dass die Regierung den Berlinerinnen und Berlinern "näher ist". In ländlicheren Strukturen, wie in Sachsen, fühle man sich eher mit Familie, Nachbarn oder Bekannten, verbunden, so die Forscher.

Was die Wissenschaftler auch interessiert: Welche Auswirkungen auf die Krise hat es, wenn Menschen kein Vertrauen mehr in die Regierung haben? Während in Baden-Württemberg die Ausgangssperre zum Beispiel hingenommen wurde, gab es in Amsterdam Ausschreitungen: Menschen gingen auf die Straße oder schlugen Schaufenster ein.

Warum kam es zu Ausschreitungen in den Niederlanden?

Um mehr darüber sagen zu können, wie es zu den Ausschreitungen kommen konnte, brauchen die Forscherinnen und Forscher mehr Daten - auch aus dem Südwesten.

Womit rechnet Hoeffler? "Ich bin sehr erstaunt, wie viele Querdenker es hier zu geben scheint", sagt die Sozialwissenschaftlerin, die selbst vor zwei Jahren nach Konstanz gezogen ist. Das könnte sich dann im Ergebnis bei dem Thema "Vertrauen in Regierung und Ordnungskräfte" niederschlagen, glaubt sie. Aber noch ein anderes Thema interessiert sie besonders: Das Klima.

Mit welchem Ergebnis rechnen sie bei dem Thema Impfbereitschaft in Baden-Württemberg?

Die bisherigen Teilnehmer der Umfrage halten die Klimakrise für eine größere Herausforderung als die Coronapandemie. "Spannend wäre es für uns zu schauen, ob das in Baden-Württemberg sogar noch mehr in diese Richtung geht", sagt Hoeffler. "Schließlich regieren die Grünen seit einigen Jahren hier mit."

Um über ein bestimmtes Thema etwas aussagen zu können, brauchen die Experten 1000 bis 2000 ausgefüllte Bögen. Dennoch: Repräsentativ ist die Umfrage nicht, sagt Anke Hoeffler.

Denn die Teilnahme ist freiwillig. Die größte Gruppe, die bisher teilgenommen hat, sei gebildete Menschen und mehr Frauen zuzuordnen. Das mache aber nichts. "Weil uns das klar ist, können wir dementsprechend damit umgehen", sagt Hoeffler. "Wir bewerten das so und gewichten die Gruppe höher, die seltener teilnimmt."

Die Befragung läuft bis mindestens Ende des Jahres . Spätestens dann sollen auch erste Daten zur Region veröffentlicht werden können. Sobald es diese Daten gibt, werden wir sie bei Schwäbische.de präsentieren.