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Alltagsfragen im Check

Gefahr durch die Sitzheizung - Sekundenschlaf und Impotenz?

Wissen / Lesedauer: 2 min

Wir blicken auf Wahrheiten, Halbwahrheiten und Irrtümer im Alltag. Diesmal: „Schtimmt dees…‟, dass Sitzheizungen den Sekundenschlaf fördern und gleichzeitig unfruchtbar machen?
Veröffentlicht:26.11.2023, 12:00

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Sitzen Männer länger auf einem beheizten Autositz, wirkt sich das tatsächlich negativ auf die Produktion von Spermien aus. Das hat eine Studie der Universität Gießen bereits 2008 bewiesen.

Idealerweise liegt die Temperatur der Hoden nämlich nicht bei 37 Grad Celsius, sondern nur bei rund 35 Grad Celsius. Das ist auch der Grund dafür, warum sie außerhalb des Körpers hängen.  Ist das Skrotum permanent überhitzt, kann das zu einer drastischen Verringerung der Spermiendichte führen. Dieser Zusammenhang wurde bereits 1968 bewiesen.

Spermien sterben bei zu großer Hitze

Dabei erwärmten Forscher für eine Studie die Hoden von 14 Probanden einmal pro Woche. Dazu stellten sie eine 150 Watt Lampe rund acht Zentimeter vor dem jeweiligen Skrotum auf. Die Folge: Die Spermiendichte fiel schon nach vier bis acht Wochen auf die Hälfte der Ausgangswerte. Nach dem Ende des Experiments erholten sich die Werte aber wieder.

Die Forscher der Uni Gießen kamen in Bezug auf Sitzheizungen zu ähnlichen Ergebnissen. Bei einer Fahrzeit von 90 Minuten mit laufender Sitzheizung, erwärmte sich der Hoden um zwei bis drei Grad. Der regelmäßige Betrieb der Sitzheizung kann die Spermienproduktion also tatsächlich stören.

Die Sitzheizung als Verkehrsrisiko?

Doch das ist nicht der einzige Mythos, der mit der Sitzheizung in Verbindung steht. Oft ist auch zu hören, dass der warme Sitz den Fahrer schläfrig mache.

„Der Sekundenschlaf ist eine der häufigsten Ursachen für tödliche Unfälle“, sagt Jörg Lindemann, Oberarzt und Leiter des Schlaflabors am Universitätsklinikum Ulm. Dass die Sitzheizung den Fahrer dazu verleitet, einzuschlafen, verneint der Mediziner aber. Es gebe zumindest keine Daten und Studien, die so einen Zusammenhang belegen würden.

„Die Gründe sind viel eher Übermüdung, keine Pausen und die Monotonie beim Fahren“, sagt Lindemann. Deswegen rät der Experte eindringlich dazu, sich nur ausgeschlafen ins Auto zu setzen. Es sei nämlich auch eine Ordnungswidrigkeit, mit dem Auto loszufahren, obwohl man wisse, dass man nicht in der Lage sei zu fahren.

Schlafapnoe sei das größere Risiko

Zwar sei die Sitzheizung kein Faktor, wenn es um Sekundenschlaf gehe, ein großes Risiko stelle aber die Schlafapnoe dar: Starkes Schnarchen und Atemaussetzer würden dazu führen, dass die Betroffenen oft schlecht schlafen und deswegen am nächsten Tag müde sind.

Dabei ist es laut Lindemann einfach zu erkennen, ob man von Schlafapnoe betroffen ist: „Da kann man die einfache schlafmedizinische Frage stellen: Haben sie in der Nacht schon einmal den Ellenbogen ihres Partners gespürt?“ Das Zustoßen mit dem Ellenbogen habe nämlich den Effekt, dass das Schnarchen kurzzeitig aufhöre.