Faktencheck

Faktencheck: Wie gefährlich ist das Tragen von Atemmasken wirklich?

Themen / Lesedauer: 3 min

In den Sozialen Medien wie auch in Zusendungen an Schwäbische.de hält sich die Behauptung, das Tragen der Masken sei gesundheitsschädlich. Das sind die Fakten.
Veröffentlicht:04.08.2020, 12:43
Aktualisiert:10.08.2020, 07:29

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Politiker und Gesundheitsexperten betonen die Notwendigkeit von Mund-Nase-Schutzmasken im Kampf gegen die Corona-Pandemie und eine zweite Infektionswelle. Kritiker der Corona-Maßnahmen führen dagegen auch weiterhin eine gesundheitliche Gefahr durch die Atemmasken an.

Doch sind diese Warnungen begründet? Der Faktencheck.

BEHAUPTUNG:

In den Sozialen Medien wie auch in Zusendungen an Schwäbische.de hält sich die Behauptung, das Tragen der Atemmasken führe zu einer erhöhten Konzentration von schädlichem Kohlendioxid (CO2) und Stickoxid (NOx) im Blut des Trägers. Zudem begünstige eine Keim-Ansammlung im Maskenstoff die Entstehung von Krankheiten. Des Weiteren kursiert die Meinung, das Tragen der Masken würde die Sauerstoffzufuhr verhindern und so die Lunge schädigen .

BEWERTUNG:

In keinem der drei Fälle ist auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse tatsächlich eine konkrete Gesundheitsgefahr gegeben. Die Meldungen dienen nicht dem Schutz der Gesundheit, sondern befördern das Gegenteil. Die falschen Behauptungen verunsichern die Menschen und führen im schlimmsten Fall dazu, dass sie sich gegen das Tragen einer Maske entscheiden, was wiederum das gesamtgesellschaftliche Ziel gefährdet, die Corona-Pandemie einzudämmen, um Leben zu schützen.

FAKTEN:

  • Kohlendioxid (CO2) und Stickoxid (NOx) im Blut

Bei dieser Behauptung berufen sich Kritiker häufig auf eine Doktorarbeit an der TU München. In dieser wurde nach der Benutzung von OP-Masken ein leicht erhöhter CO2-Gehalt im Blut festgestellt. Eine Erhöhung der Atemfrequenz oder ein Abfall der Sauerstoffsättigung wurde dabei aber nicht nachgewiesen . Die Verfasserin der Doktorarbeit, Ulrike Butz, sagte der Deutschen Presse-Agentur am 4. Mai 2020: "Man kann aus der Arbeit keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen ableiten. Das wäre unseriös."

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Bei gängigen OP-Masken und auch selbst hergestellten Atemmasken sei eine signifikante Erhöhung von CO2 im Blut unwahrscheinlich , betont auch die Deutsche Atemwegsliga , da diese Masken am Gesicht nicht völlig abschließen. Bei professionellen Masken vom Typ FFP2 oder FFP3 könne der Kohlendioxid-Anteil im Blut hingegen ansteigen, da das Atmen mit diesen Masken schwerer fällt. Allerdings sind FFP2- und FFP3-Masken im Alltag nicht weit verbreitet und Betroffene werden sie rechtzeitig absetzen, sollten sie Atemnot verspüren, so die Deutsche Atemwegsliga. Ein bedrohlicher Anstieg von Kohlendioxid sei auch hier nicht gegeben .

  • Masken führen zu Lungenkrankheiten

Zu dieser Behauptung sagte Dr. Önder Yildirim , Direktor des Instituts für Lungenbiologie am Helmholtz Zentrum München, bereits Mitte Mai der Deutschen Presse-Agentur: " Das stimmt so nicht . Es gibt keine Studien darüber, dass eine Maske eine Lungenerkrankung verursachen würde."

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Lediglich bei den professionellen Masken-Typen FFP2 und FFP3 gebe es Besonderheiten, da sie bei Patienten mit Atemerkrankungen eine stärkere Müdigkeit hervorrufen können. "Aber die Müdigkeit bedeutet nicht, dass eine Krankheit gefördert wird", so Yildirim. Auch hier gilt, dass ein Abnehmen der Maske umgehend eine Verbesserung herbeiführt. "Das Tragen von Masken wird keine Lungenerkrankungen verursachen ", meint Yildirim. Das Gegenteil sei der Fall. Masken würden vor einer schweren Lungenerkrankung schützen: Covid-19.

  • Keime im Maskenstoff machen krank

Auch dazu ist die Einschätzung von Dr. Önder Yildirim klar. Es sei normal, dass man beim Atmen Bakterien in die Atemwege aufnehmen würde. Diese seien aber "nicht unbedingt pathogen" - also krankheitserregend. Einmalmasken sollten einfach nach ihrem Zweck verwendet werden, nämlich nur ein Mal. Stoffmasken sollten regelmäßig gewaschen werden. Normalerweise reichen 60 Grad aus, um das Coronavirus zu töten. Das gilt auch für die meisten Bakterien, die sich auf einem Stoff-Mundschutz ansammeln können. "Im Prinzip sind das Bakterien, die wir eh schon in der Lunge oder im Mund haben", meint Yildirim.

ANMERKUNG:

  • Masken dienen in erster Linie nicht dem Schutz des Trägers, sondern dem Schutz seines Umfeldes vor dem Träger. Halten sich alle an die Maskenregel, ist dieser Schutz auch für alle effektiv.
  • Personen mit schweren Atemwegserkrankungen sollen nach Maßgabe des RKI von der Maskenpflicht ausgenommen werden können.