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Fahrspaßgarantie

Mazda MX-5 ist ein Cabrio mit Fahrspaßgarantie

Ravensburg / Lesedauer: 4 min

Losfahren und lächeln. Der neue Mazda MX-5 hat den Charme des alten bewahrt.
Veröffentlicht:24.09.2022, 05:00

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Das Urteil der Töchter fällt schnell, knapp und durchaus positiv aus. „Süß. Ziemlich oldschool.“ Dazu muss man wissen: Beide sind über 20 Jahre alt – aber eine Handbremse, die wie ein Stock aus der Mittelkonsole ragt und an der man ziehen muss, kennen sie nicht. Nie bedient. In ihrem Kosmos sind Handbremsen Knöpfe, die man drückt, und über Gangschaltungen und Radioantennen wissen sie ebenso wenig Bescheid. Digital Natives kennen meist nur noch Automatikgetriebe, und Autoradios funktionieren halt irgendwie – im Zweifelsfall übers Internet. Beim Mazda MX-5 aber ragt die Antenne hoch aufgereckt aus dem Heck hervor und das Getriebe wird mit sechs Gängen handbedient.

Auch das Stoffverdeck lässt sich mitnichten per Knopfdruck öffnen oder schließen, wie das schon seit vielen Jahren üblich ist. Hier ist ebenfalls Handarbeit gefragt. Entriegeln, aushaken, nach hinten schieben und versenken. Oder wieder zurück.

Oldschool, alte Schule, ist bei einer Generation, die auf Vintage, Second Hand und Downshifting steht, ein großes Kompliment. Und so kommt dieser kleine, hübsche Zweisitzer sehr gut an. Durchaus auch bei der Mutter. Einfach reinsetzen und losfahren – das erlebt man nur noch selten bei Testwagen. Normalerweise braucht man minimum eine einstündige Einweisung in all die Elektronik, Assistenzsysteme und Geheimnisse von Elektroladesäulen.

Weniger ist mehr

Beim Mazda MX-5 startet der Spaß sofort. Klar, es gibt einen kleinen Sieben-Zoll-Bildschirm für Navigation, Sound, Musik, Unterhaltung und den Anschluss des eigenen Handys. Aber sonst: drei Rundinstrumente, zwei davon analog für Geschwindigkeit und Drehzahl, ein digitales für den kleinen Bordcomputer. Drei runde Knöpfe für Heizung und Klima sowie drei Schalter für die Assistenzsysteme Spurhaltung, Spurwechel und Notbremsung. That’s it.

Das ist alles sehr, sehr übersichtlich und leicht zu bedienen. Das war sicher auch die Absicht der Entwickler bei Mazda: Das ursprüngliche Cabrio von 1989, das sich als einziger asiatischer Roadster ganz schnell in die Herzen der Deutschen gefahren hatte, technisch nach und nach weiterzuentwickeln und trotzdem den alten Charme zu bewahren.

Das hat geklappt. Zwar ist unter anderem von der neuen Kinematic Posture Control zum Modelljahr 2022 die Rede, ein innovatives System, das die Seitenneigung in Kurven reduziert, aber das nimmt man eher so nebenbei zur Kenntnis.

Keine elektrische Variante

Man fühlt viel lieber, wie der Wind durch die Haare wirbelt, denn es bläst erstaunlich stark in diesem Sportwagen – trotz Windschott. In den allermeisten modernen Cabrios will man zwar oben ohne unterwegs sein, soll es aber so wenig wie möglich spüren. Man genießt viel lieber das Go-Kart-Feeling ganz nah über dem Asphalt und den flotten Antritt des 184 PS starken Leichtgewichts von 0 auf 100 km/h in 6,5 Sekunden. Man erfreut sich viel lieber an der Musik aus dem Bose-Soundsystem (serienmäßig!) mit den Kopfstützenlautsprechern und der Fahrgeräuschkompensation. Und man spürt viel lieber die Handlichkeit und Leichtfüßigkeit des Fahrverhaltens, das durch die beiden hochverdichtenden und drehfreudigen Skyactiv-G-Benzindirekteinspritzer geprägt ist. Eine Elektrovariante wird nicht angeboten – natürlich nicht. Die – ausnahmsweise – digitale Anzeige weist am Ende der zwei Testwochen einen Schnitt von 5,9 Litern Benzin je 100 Kilometer aus.

Genug geschwelgt. Es ist sehr viel sehr gut am Mazda MX-5, aber eben auch nicht alles. Beim Navigationssystem stößt man schnell an Grenzen. Zunächst ist ihm kein Ton zu entlocken, dann ist man plötzlich per Apple Car Play in Google Maps. Das geht besser. Nicht zufriedenstellend ist außerdem, dass die beiden Fenster, die sich beim Runter- und Hochklappen des Faltdachs automatisch etwas nach unten bewegen, jedes Mal von Hand wieder hochgefahren werden müssen. Auch endet die Freude am Retro ganz schnell bei höherer Geschwindigkeit. Zwar würde der Flitzer 219 Sachen schaffen, doch spätestens bei 160 versagt das Deo. Der Kleine ist mit 1100 Kilogramm einfach zu leicht, um noch satt auf der Straße zu liegen. Aber keiner hat je gesagt, dass man mit neuen Oldtimern schnell fahren muss.