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Ratshausen

Was im Adler in Ratshausen auf den gutbürgerlichen Tisch kommt

Ratshausen / Lesedauer: 2 min

Die Speisen sind nicht ungewöhnlich, aber die Sorgfalt und das handwerkliche Können ist außergewöhnlich. Was unserem Gastro-Kritiker bei seinem Besuch in dem Gasthof im Zollernalb-Kreis besonders überzeugt hat.
Veröffentlicht:20.01.2024, 05:00

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Manchmal möchte einem das Herz vor lauter Lob übergehen. Entsprechend enthusiastisch müssen die folgenden Zeilen klingen, die eine Küche würdigen, wie man sie leider viel zu selten findet.

Der Adler in Ratshausen im Zollernalbkreis ist ein Phänomen: Was da auf der Karte steht, ist aus dem Blickwinkel gutbürgerlicher Gastronomie erstmal nichts Besonderes. Besonders wird es dadurch, dass alles - vom Gruß aus der Küche bis zum Dessert - vom Wunsch getragen ist, aus der traditionellen Idee eines Gerichts das Bestmögliche zu machen. Und zwar in solcher Konsequenz, dass der Gaumen Zubereitungen, die er schon so oft probiert hat, praktisch ganz neu lernt.

Kuttelsuppe und Ramen-Suppe überzeugen

Es beginnt bei einem Tässchen Kuttelsuppe: Schon die Nase nimmt eine Balance zwischen Säure und Fleischaromen wahr. Löffel für Löffel zeigt sich die Flüssigkeit als Konzentrat, in dem die feinen Innereien - sorgsam gewässert und lange geschmort -, als Delikatesse auftreten. Eine Scheibe hausgemachtes Brot dazu - schon ist der Mensch glücklich. Solche Momente ziehen sich durchs ganze Menü, auch beim exotischen Ausreißer, einer asiatischen Ramen-Suppe, die so viel rustikales Umami-Aroma mitbringt, dass es auf der Zunge nur so prickelt. Die Verdichtung von Geschmack ist offenbar das Markenzeichen von Küchenchef Klaus Sauter, der den Adler gemeinsam mit seiner Frau Martina sowie den Kindern als Familienbetrieb führt. Das ist der Grund, warum sich der Gast herzlich umsorgt fühlt und die 1000 kleinen Details im Gastraum mit Fachwerk-Romantik liebevoll und stets frisch gewienert glänzen. Sorgfalt durch Familienbande - ein Restaurant mit der verbindlichen Atmosphäre eines Wohnzimmers.

Aromenspektrum wird zur Gaumenfreude

Zurück zu den Tellern: Da liegen zwei punktgenau gebratene Schnitzel vom Reh in zartestem Rosa. Dazu reicht die Chefin „Quarkknepfle“ - eine lockere Spätzlevariation. Das bravourös geschmorte Blaukraut versammelt intensive Aromen von Beeren und Rotwein. Dazu gesellen sich Pürees - etwa von der Petersilienwurzel. In einem Tässchen wartet eine Jus, die in ihrer Ausprägung mehr Lack als Soße ist und ein ganzes Aromenspektrum auffächert, mit Anklängen von Lebkuchen und vor allem Fleisch. Wo andere ihre Soße stundenlang kochen, sind es im Adler wohl Tage. Selbst das glasierte Gemüse betont den Eigengeschmack, wobei die Küche immer mit Kawumm würzt. Ein geradezu barocke Gaumenfreude.

Die Philosophie, den Geschmack auf die Spitze zu treiben, zeigt sich auch beim Dessert. Die Nocke vom hausgemachten Pistazieneis enthält derart viel von den grünen Kernen, dass die Masse einen ausgeprägten Marzipan-Charakter mit eisigem Schmelz vermählt. All das verdient mehr als nur Anerkennung, sondern ein lautes Bravo!

Gasthof Adler

Hohner Str. 3

72365 Ratshausen

Tel. 07427-2260

www.adler-ratshausen.de

Geöffnet Donnerstag bis Sonntag ab 17.30 Uhr, sonntags zusätzlich von 11.30-14 Uhr. Hauptgerichte 21-48 Euro