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Gastro-Kritik "Aufgegabelt"

Was die Traufganghütte in Albstadt kulinarisch zu bieten hat

Albstadt / Lesedauer: 3 min

Die Traufganghütte Brunnental ist Startpunkt verschiedener Wanderwege auf der Zollern–Alb. Aber ein Besuch lohnt sich auch, wenn man nur einkehren will.
Veröffentlicht:04.03.2023, 05:00
Aktualisiert:11.03.2023, 12:31

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Bei der Traufganghütte Brunnental in Albstadt–Laufen ist der Name Programm: Mit aller Kraft inszenieren die Inhaber ein alpines Lebensgefühl, das bei jedem Schritt auf dem unbehauenen Holzboden nur so zu knarzen scheint.

Die Stühle verfügen über das obligatorische ausgesägte Herz in der Lehne und man möchte ständig in spontanes Schuhplattln ausbrechen. Dirndl und Lederhosen gehören folgerichtig zu den Servicekräften, die niemanden lange warten lassen.

Das reibungslose Timing in der Menüfolge trotz bumsvoller Hütte lässt vermuten, dass die Betreiberfamilie Hailfinger nicht gerade auf der gastronomischen Brennsuppe daher geschwommen ist. Vielmehr zeigt sich bei den Gerichten schnell, dass da Profis am Werk sind - mit erkennbarer Leidenschaft.

Die Traufganghütte ist Startpunkt verschiedener Wanderwege auf der Zollern–Alb. Zum Haupthüttengebäude gehört im Sommer der große Biergarten. Außerdem eine kleine Fondue– sowie eine Grillhütte. Nicht zu vergessen ein Backhäusle, aus dem regelmäßig das eigene Brot gezogen wird.

Speisekarte: kurz, aber nicht eintönig

Die Speisekarte fasst sich einigermaßen kurz, ohne eintönig zu sein. Regionale Produkte spielen eine wichtige Rolle, darüberhinaus gibt es Flammkuchen. Aus dem nicht allzu fernen Schwarzwald kommt zum Beispiel der Hirsch, dessen dünn geschnittene rohe Scheiben ein hübsches Carpaccio abgeben. Der würzige Eigengeschmack findet im Wildkräutersalat eine schöne Ergänzung, das Dressing zeigt Mut zur Säure. Ein paar Kleckse Schaum von der Esskastanie verleihen der Vorspeise zusätzlich eine interessante Note.

Dazu passt - um im waldeslustigen Bild zu bleiben - der alkoholfreie Aperitif, genannt „Latschen Tonic“. Der erste Eindruck an der Nase erinnert an Badewannenzusätze, doch am Gaumen sorgt die Latschenkiefer in Verbindung mit dem Tonic für eine angenehme Bitterkeit, die den Appetit anregt.

Lachsforelle und Ofenschlupfer

Da kommt das Filet von der Stunzachtaler Lachsforelle gerade recht. Sie ist knusprig auf der Haut gebraten, die Küche hat sorgfältig jede Gräte entfernt. Der Garpunkt trifft den Moment sehr schön, in dem sich Saft und Geschmack besonders konzentrieren. Gebettet ist das Fischlein auf sahnigem Wirsinggemüse mit erfreulich festem Biss.

Die dazu servierten Kartöffelchen hätten gerne auch geschält sein dürfen. Dann wäre der Wurm, der es sich in einem der Exemplare hat gutgehen lassen, wahrscheinlich schon in der Küche aufgefallen. Ansonsten funktioniert das Gericht tadellos.

Der Traufganghüttenbesuch findet in einem saftigen Ofenschlupfer seine Abrundung: Mürbe Äpfel bringen eine angenehme Süße mit und passen sehr gut zu dieser Brotresteverwertung bester Art. Nur die wässrige Sahne hätte es nicht gebraucht. Fazit: Viel mehr authentische Hütten–Kulinarik passt kaum in ein Menü.

Traufganghütte Brunnental

Raiten 1

72459 Albstadt–Laufen

Tel. 07435—1500

www.traufganghuette–brunnental.de

geöffnet von Donnerstag bis Sonntag durchgehend ab 11.30 Uhr, Montag, Dienstag, Mittwoch sind Ruhetage. Hauptgerichte 10,90—25,90.