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So schmeckt's in der Kürnbacher Vesperstube 

Bad Schussenried / Lesedauer: 3 min

Im Freilichtmuseum gibt’s deftige schwäbische Klassiker. Aber an Spätzle und Maultaschen fällt auf, dass sie nicht ganz so schmecken, wie sie einst wohl zubereitet wurden.
Veröffentlicht:29.07.2023, 05:00

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Das oberschwäbische Museumsdorf Kürnbach in Bad Schussenried ist ein lebendiger Ort für interessante Zeitreisen.

Ungefähr 40 Gebäude aus sechs Jahrhunderten erzählen eine Menge Geschichten darüber, wie die Leute in Oberschwaben gelebt, geliebt und vor allem geschafft haben.

Die historischen Gerätschaften werfen ein weitgehend unromantisches Licht auf die Vergangenheit, von der nur seltene Phasen das Prädikat „Gute alte Zeit“ verdienen. Diverse Exponate zeigen sogar, dass früher so gut wie alles beschwerlicher gewesen ist.

Davon abgesehen ist das Freilichtmuseum auch einfach ein schönes Plätzchen, mit vielen Gärten und alten Bäumen, in deren Schatten man sich trefflich in die Vergangenheit träumen kann.

Auf einem Spielplatz samt Baumhaus können sich jüngere Besucher von der historischen Informationsfülle erholen. Und für die Großen? Gibt’s einen ausgedehnten Biergarten, der zur Kürnbacher Vesperstube gehört.

Beim Bestellen an der Theke in die Vergangenheit blicken

Drinnen wird das Auge ein bisschen kirre, weil es gar nicht weiß, wo es zuerst hingucken soll. Denn es gibt enorm viel in den überladenen Schränken und an den Wänden zu sehen.

Vom alten Radioempfänger bis zum Nachttopf und von der Kirchenorgel–Pfeife bis zur Milchkanne. Man muss schon genau hinschauen, wenn man den knappen Aushang der Speisen entdecken will. Bestellt wird an der Theke, ist das Essen fertig, wird es unter freundlichem Lächeln von der Bedienung an den Tisch getragen.

Schwäbische Klassiker mit künstlicher Würze

Witzig: Der schwäbische Klassiker Linsen mit Spätzle und Saiten wird in einer emaillierten Kasserolle serviert. Von ähnlichem Material ist auch die kleine Salatschüssel, deren Inhalt sich als erfrischendes Gemüse–Gemisch hervortut.

Den Spätzle merkt man an Farbe und Konsistenz an, dass sie länger vorbereitet auf ihren Einsatz warten mussten. Ihr Biss ist eher teigig. Die Linsen mit Speck sind leider extrem überlagert von Suppenwürze der salzigen Art. Die ganze Portion zu essen, würde bedeuten, eine ganze Reihe von Durstlöschern brauchen zu müssen.

Leider lässt sich über den Pilzrahm zu den Semmelknödeln ebenfalls nichts anderes sagen. Die Soße ist auch hier unangenehm überwürzt. Da sehnt man sich in Blickweite des Museumsdorfs in jene Zeiten zurück, als Küchen mangels Alternativen dazu gezwungen waren, ihre Brühen und Soßen natürlich herzustellen.

Überzeugend: Maultaschen mit Kartoffelsalat

Die beste Figur im Reigen des Angebots machen da noch die Maultaschen, die reichlich Fleisch und Brät in der Fülle haben. Der dazu gereichte Kartoffelsalat ist von solider Natur mit schön speckigen Kartoffeln und reichlich Öl, was ihn angenehm schlotzig macht.

Die Zwiebelschmälze steuert röstaromatische Süße bei, womit der Maultaschengang ein guter Sattmacher ist, um die historischen Eindrücke zu verdauen. Und das zu Preisen, die wirklich an gute alte Zeiten erinnern.

Kürnbacher Vesperstube:

Griesweg 32

88427 Bad Schussenried

www.museumsdorf–kuernbach.de

geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr. Hauptgerichte 8,90 bis 14,50 Euro.