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Restaurant-Test

Aufgegabelt: Bei den Spätzle hat der „Wilde Wirt“ aufholbedarf

Ulm / Lesedauer: 3 min

Rustikal mit Rindsroulade und Gulasch ist das Angebot beim „Wilden Wirt‟ in Ulm. Aber ausgerechnet beim schwäbischen Klassiker schwächelt der Gastronom.
Veröffentlicht:15.04.2023, 05:00

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Es ist schon verwunderlich, dass fahrende Gastronomen erst relativ spät auf die Idee kamen, schwäbische Küche in Foodtrucks respektive Imbissstationen anzubieten.

Denn typische Gerichte wie Maultaschen oder Linsen mit Saiten lassen sich verhältnismäßig verlustfrei vorbereiten und warm halten. Darum bleibt rätselhaft, warum die schwäbische Küche Döner, Pizza und Co. das Feld lange kampflos überlassen hat.

Schwäbische Küche to go

In der Ulmer Innenstadt gibt es mit dem Wilden Wirt eine Adresse, die sich äußerlich nicht groß von anderen Imbissen unterscheidet. Vom kulinarischen Angebot her aber schon. Im rustikal angeschwäbelten Inneren gibt es ein paar Stehtische, draußen auf der Gasse Biergartenbestuhlung.

Eine Tafel listet Gerichte auf, die es teils auch in kleiner Portion gibt. Bestellt wird bei dem freundlichen Herrn hinterm Tresen, der sich dann auch gleich ans Werk macht und die Teller belädt oder die Bestellung in Pappschalen zum Mitnehmen füllt.

Rindsrouladen statt Wildbraten

Am Tag des Besuchs ist der Wildbraten mit Spätzle und Preiselbeeren leider aus, was für ein Unternehmen, das den Begriff „Wild“ schon im Namen trägt, ein bisschen unglücklich erscheint. Dann eben die Rindsrouladen, ebenfalls mit Spätzle.

Während das Fleisch mit der Füllung aus Speck, Zwiebeln und Gurke mit ausgewogener Würze sozusagen Oma–Qualität für sich in Anspruch nehmen kann, sind die Spätzle doch etwas enttäuschend. Egal ob haus–, hand– oder sonst wie gemacht — sie sind blass, ohne nennenswerten Kauwiderstand und fühlen sich im Mund mehlig an. All das mag dem langen Warmhalten geschuldet sein.

Doch wer sich als Verfechter der schwäbischen Küche begreift, muss es gerade bei den Spätzle schon ein wenig genauer nehmen. Denn weil die Teigwaren fast bei jedem Gericht Bestandteil sind, wirken sich ihre Schwächen auch auf diese Speisen aus. Immerhin: Die Bratensoße verfügt über geschmackliche Tiefe und hätte ihr Potenzial bei besseren Spätzle ganz anders entfalten können.

Was den Spätzle fehlt

Und die Maultaschen? Werden auf einem durchaus soliden, wenn auch ein bisschen zu süßlichen Kartoffelsalat geladen, mit einer Kelle von der bereits erwähnten Bratensoße übergossen und mit Schmälzzwiebeln gekrönt. Da ist sogar die kleine Portion ein veritabler Sattmacher.

Selbst die kleine Portion mach satt. Maultaschen aus dem "Wilden Wirt" in Ulm.
Selbst die kleine Portion mach satt. Maultaschen aus dem "Wilden Wirt" in Ulm. (Foto: Erich Nyffenegger)

Sehr erfreulich — denkt man sich die Spätzle besser — schlägt das Gulasch vom Hohenloher Rind am Gaumen ein. Schön mürbe entfalten die gut durchwachsenen Stücke viel Geschmack. Die Soße hat ordentlich Paprika intus, da kommt der Klacks Schmand zur Abrundung gerade recht und sorgt für Ausgewogenheit.

„Schön mürbe‟, findet unser Restaurant-Kritiker das Gulasch vom „Wilden Wirt‟.
„Schön mürbe‟, findet unser Restaurant-Kritiker das Gulasch vom „Wilden Wirt‟. (Foto: Erich Nyffenegger)

Dass die Kässpätzle mit Zwiebeln naturgemäß kein besonderes Highlight sein können, versteht sich von selbst. Aber wenn der „Wilde Wirt“ noch eine Lösung für bessere Spätzle findet, kommt kaum ein Schwabe mit Geschmack mehr um ihn herum.

Schwächen bei den Spätzle machen sich auch bei den Käsespätzle bemerkbar. Da hat das Haus noch Luft nach oben.
Schwächen bei den Spätzle machen sich auch bei den Käsespätzle bemerkbar. Da hat das Haus noch Luft nach oben. (Foto: Erich Nyffenegger)

Weitere Informationen Wilder Wirt:

  • Hafenbad 10, 89073 Ulm
  • Tel. 0151—57683318
  • geöffnet Montag bis Samstag von 11—18 Uhr, Sonntag Ruhetag. Hauptgericht 8,90—13,90 Euro.
  • www.derwildewirt.de