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Restaurantkritik

So schmeckt es im Weinstadl in Bad Schussenried

Bad Schussenried / Lesedauer: 2 min

Manchmal wird der Besuch eines Gasthauses zur Reise in die Kindheit: Was unseren Gastro-Kritiker im Schussenrieder Weinstadl an Speisen früherer Tage erinnert.
Veröffentlicht:10.02.2024, 05:00

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Es gibt Speisen, die es eigentlich gar nicht mehr so richtig gibt. Dazu zählt auch der grellrote sogenannte Lachsersatz. Zu finden ist er nur noch schwer.

Nicht zuletzt, weil das teure Lebensmittel, das er einst imitieren sollte, inzwischen oft billiger ist als das Plagiat. Umso tiefer taucht das Lachsersatz-Brot den Gast in die Vergangenheit - beim Blick auf den reichlich mit roten Zwiebeln, gekochtem Ei und Kapern garnierten Teller.

Insofern lebt im Weinstadl in Bad Schussenried noch der Geist der 1970er- und 80er-Jahre, als Lachsersatz selbstverständlich in den Kühlschrank gehörte. Wie das schmeckt? Dazu später.

Gemütlichkeit und altmodisches Vesper

Knarzende und pure Nostalgie ist auch die gemütliche Gaststube aus Vollholz von der Diele bis zur Decke. Mittendrin steht eine plüschige Sofa-Kombination, wie die Oma sie schon schön fand.

Was jetzt noch fehlt, ist eine Bedienung mit einer gehörigen Portion Herzenswärme - und zum Glück kümmern sich gleich zwei Frauen dieser Sorte um die Tische, die sich im Laufe eines Abends unter der Woche rasch füllen. Ein klares Indiz, dass sich die Gäste dieser Tage sehr gut mit dem Altmodischen anfreunden können, ja regelrecht Sehnsucht danach haben.

Stadlsalat mit Schwarzwurst und Käse

Und fürwahr - die ganze Speisekarte bietet davon reichlich, auch und gerade in Vesper-Fragen. Da wäre zum Beispiel der „Stadlsalat“, der Schwarzwurst, Schinkenwurst, Emmentaler, Essiggurken und Zwiebeln zu einer zünftig-säuerlichen Köstlichkeit auftürmt. Das Dressing zeigt dabei keinerlei Hemmungen, was stramme Würze angeht.

Schlau und glücklich ist, wer dazu die außergewöhnlich röschen Bratkartoffeln bestellt. Denn die Küche verwendet eine speckige Sorte, die sie dann offenbar in einer Eisenpfanne ausreichend lange bis zur Perfektion brät. Schnitzel und Steaks in verschiedenen Garnituren sowie zwei, drei Nudelgerichte runden das zutiefst schwäbisch-gutbürgerliche Programm ab.

So schmeckt das Brot mit Lachsersatz

Das Jägerschnitzel mit Spätzle kommt auf Empfehlung der Bedienung paniert auf den Tisch. Die Hülle ist schön souffliert, Saft und Würze stimmen - nur die Soße ist fad und offenbar nicht ganz frei von industrieller Schützenhilfe. Lockere Spätzle mit buttrigem Unterton machen dafür satt und glücklich.

Das Dessert - Apfelküchle mit Eis und Sahne - scheint mit zwei Ringen doch ein bisschen unterdimensioniert zu sein. Davon abgesehen sind sie ein wenig pappig und hätten mit frischem Teig viel lockerer und besser schmecken können. Über Sprühsahne aus der Dose legen wir lieber den Mantel höflichen Schweigens.

Und wie hat es jetzt gemundet, das Brot mit Lachsersatz? Furchtbar salzig, ein bisschen fasrig und völlig unmodern - aber doch so gut, wie die besten Erinnerungen an eine vergangene Zeit nur schmecken können.

Weinstadl

Wilhelm-Schussen-Strasse 24

88427 Bad Schussenried

Tel. 07583-926674

www.weinstadl-schussenried.de

geöffnet Dienstag bis Sonntag, Montag Ruhetag. Hauptgerichte 12,80-30,60 Euro.