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Gastrokritik

Pâtisserie de Pierre in Wangen: Eine Sensation - und ein Ausrutscher

Wangen / Lesedauer: 3 min

Französische Konditorenkunst vom Feinsten begeistert in der Pâtisserie de Pierre Freunde süßer Köstlichkeiten — vom Croissant über Schokoladen–Eclair bis zur Pistazienrosette.
Veröffentlicht:22.04.2023, 05:00

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Manchmal, wenn man Glück hat, geschieht es: Man betritt ein Lokal — und sofort umspülen angenehme Gefühle die Seele. Nostalgisches Empfinden, das den Eindruck von heiler Welt weckt.

Genau das passiert, wenn man in Wangens Altstadt die Türe zur Pâtisserie de Pierre öffnet.

Ein heller Raum, ein paar Tische und Stühle und eine Theke. Sie hält hinter Glas die köstlichen Kunstwerke von Pierre–Julien Rebuzzi bereit, während die Luft erfüllt ist vom Duft nach Butter.

Der Platz würde nicht reichen, Rebuzzis internationale berufliche Stationen aufzuzählen, bevor er schließlich in Wangen seine Heimat gefunden hat. Nur so viel: Der Name Paul Bocuse spielt eine Rolle.

Woraus sich schließen lässt, dass da kein kulinarischer Leichtmatrose in der Backstube steht, sondern vielmehr ein Schwergewicht. Apropos schwer: Sich auf Rebuzzis Unwiderstehlichkeiten einzulassen, bedeutet auch, sich auf die hochkalorische Mischung der Grundzutaten Butter, Zucker und Weißmehl einzulassen.

Doch der Kalorienflüsterer Pierre beherrscht die Kunst, seinen Kuchen, Törtchen, Tartelettes und Petit Fours eine Ästhetik der Leichtigkeit zu verpassen.

Herzhaft: Croque–Monsier und Quiches

Dabei ist die Auswahl gewaltig — rund zwei Dutzend süße Variationen umfasst die Vielfalt.

Doch zuerst ein Blick auf die herzhafte Kost zur Mittagszeit. Croque–Monsieur und Quiches kommen heiß auf den Tisch, begleitet von Blattsalat. Der ist auch hübsch frisch. Allerdings ist das Dressing aus sehr grobem und scharfem Dijon–Senf unausgewogen. Es fehlt eine süßliche Komponente, sodass die Soße beißend–unangenehm auf den Gaumen prallt.

Tatsächlich schmeckt das Dressing an diesem Tag wie ein Versehen. Das Croque–Monsieur indes könnte durch seine betörende Üppigkeit direkt süchtig machen: Brioche–Brot, rahmiger Käse und Schinken.

Die Quiche Lorraine überzeugt mit buttrigem Mürbeteig und reicher Fülle samt Speck und Käse. Damit empfiehlt sich die kleine Pâtisserie als Stopp für eine genussvolle Mittagspause.

Süße Törtchen mit Raffinesse

Doch die eigentlichen Highlights sind die süßen Sachen. Einfach großartig ist etwa die Pistazien–Rosette. Mit ihr gelingt es Pierre–Julien Rebuzzi mustergültig, die reichen Aromen von weißer Schokolade und Pistazie in einem Törtchen mit mehreren Texturen zu verschmelzen.

Gut gekühlt wirkt jeder Happen leicht und frisch. Mit dem klassischen Schokoladen–Eclair — versehen mit ein wenig Blattgoldflitter — zeigt der Maitre Finesse.

Ebenso mit dem Pekannusstörtchen, in dem die angenehme Säure von Joghurt an der Fruchtigkeit von Orangenschale köstlich widerhallt.

Beeindruckend beim Reigen der süßen Sünden: Keine Variation zeigt handwerkliche Schwächen, alles ist mit geradezu penibler Sorgfalt arrangiert, als seien die Törtchen gar nicht zum Verzehr geeignet, sondern für einen Hochglanzkatalog bestimmt. Und die Aromen treffen — egal ob mit Frucht oder Schokolade.

Pâtisserie de Pierre:

Schmiedstr. 33

88239 Wangen

Tel. 07522—7724916

www.patisserie–de–pierre.de

geöffnet Dienstag bis Samstag 8 bis 18 Uhr, sonntags bis 17 Uhr, Montag Ruhetag.