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Gastro-Kritik: Nicht alles ist große Oper im La Scala am Bodensee

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

Was macht ein italienisches Ristorante aus? Gemütlichkeit und eine große Auswahl an Gerichten gibt’s im La Scala im Bodensee Center. Was zum echten Spitzenauftritt noch fehlt.
Veröffentlicht:03.02.2024, 05:00

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Im Italienischen steht „La Scala“ für die Treppe. Wer das gleichnamige Ristorante im Bodensee Center Friedrichshafen betritt, sieht zuvor noch den Treppenaufgang, der zu den Kinos führt. Ob das der Grund für die Namensgebung war, müsste man die Betreiber fragen. Abgesehen davon hat „La Scala“ einfach einen guten Klang und weckt Assoziationen zum mondänen Opernhaus in Mailand.

In Friedrichshafen geht es architektonisch nicht ganz so prunkvoll zu. Während der Gebäudekomplex äußerlich wie ein gläsernes Parkhaus für Raumschiffe aussieht, versucht es das Restaurant mit italo-schicker Gemütlichkeit: dunkles Holz, Fotografien italienischer Stars in schwarz-weiß und ein Bereich, wo dazu noch Kronleuchter von der Decke hängen.

Riesige Auswahl an Speisen

Um sich ein einigermaßen gerechtes Urteil über die Fähigkeiten der Küche zu bilden, muss man freilich bedenken, dass das Scala enorm viele Tische bespielt. Ist der Laden voll, muss hinter den Kulissen ein ziemlich gut geöltes Uhrwerk arbeiten. Sonst bricht ziemlich schnell Chaos aus.

An einem späten Sonntagmittag ist das Scala davon weit entfernt. Der überaus freundliche Kellner, der immer ein Auge auf den Tisch hat, wirkt sehr entspannt, als er die - deutlich abgegriffene - Speisekarte auf den Tisch legt und nach den Getränkewünschen fragt.

Die exorbitante Auswahl umfasst - ohne Getränke - rund 150 Positionen. Um es kurz zu machen: Alles, was für italienische Küche steht, ist vertreten. Risotto, Fleisch, Fisch und Meerestiere inklusive, Pizza und Pasta sowieso. Darüber hinaus macht die Empfehlungskarte Appetit auf saisonale Gerichte, die es naturgemäß nicht immer gibt.

Potpourri aus Meeresfrüchten und Bandnudeln mit Wildschwein

Es beginnt mit einem schönen Potpourri aus Meeresfrüchten auf Salat. Da tummeln sich Garnelen, Oktopus und Tintenfisch, die allesamt säuerlich angemacht sind. Knusperfrischer Staudensellerie liefert herbe Aromatik und Crunch, Olivenöl balanciert die Vorspeise schön aus.

Die Brotperlen aus Pizzateig werden in Zeiten allgemeiner Teuerung nicht mehr einfach so dazu serviert, sondern müssen extra bestellt und bezahlt werden, was sich aber durchaus lohnen kann. Der große Mischsalat mit rohem Schinken ist gleichwohl ein frischer Sattmacher, allerdings ertrinkt er fast in der zu üppigen Menge an Dressing, das auch eigentümlich fettig wirkt und den Genuss etwas einbremst.

Wie zur Ehrenrettung punkten die breiten Bandnudeln mit Wildschweinragout umso mehr. Da ist viel Fleisch und wildtypischer Geschmack in der Soße, obwohl die Optik weniger verspricht, als das Aroma hält.

Die Pizza Margherita mit ihrem ausgewogen gesalzenen Teig ist guter Standard. Sie wird auf Wunsch und Aufpreis auch mit echtem Mozzarella statt mit Edamer belegt. Das französische Dessert Crème brûlée erfreut mit Knusperkruste und reiht sich ins solide Gesamtbild ein. Wahrlich nicht schlecht, aber doch auch keine große Oper.


La Scala

Meisterhofer Str. 14

88045 Friedrichshafen

www.pizzeria-la-scala.de

Geöffnet täglich durchgehend ab 11:30 Uhr. Hauptgerichte 8,40-32,50 Euro.