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Gastro-Kritik "Aufgegabelt"

Was die Besenwirtschaft "Schönauer Rädle" in Lindau zu bieten hat

Lindau / Lesedauer: 3 min

Zusammenhocken, Wein trinken, dazu Schlachtplatte oder Schmalzbrot. Ob sich ein Besuch der Lindauer Besenwirtschaft lohnt, weiß unser Gastro–Kritiker.
Veröffentlicht:29.04.2023, 05:00

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Rädle– und Besenwirtschaften gehören zu unserer regionalen Kultur, sind herrlich unberechenbar und basieren oftmals auf dem Geschäftsmodell, dass der hauseigene Wein oder Most umso besser schmeckt, je mehr man davon in geselliger Runde trinkt.

Auch diese spezielle Form der Gastronomie hat in der Pandemie existenziell gelitten. Denn wenn der Landwirt seine Erzeugnisse selbst ans trinkfreudige Publikum ausschenkt, hat er naturgemäß die beste Marge. Entsprechend ungünstig ist es, wenn Gäste lange nicht mehr einkehren dürfen.

Zufällige Tischgenossen in der Besenwirtschaft

Zudem dürfen Besenwirtschaften nur phasenweise öffnen, um den regulären Gasthäusern keine Konkurrenz zu machen. Der Effekt ist bei gut geführten Lokalen, dass die Leute teilweise vor der Türe anstehen müssen.

Außerdem sitzen am Tisch ganz selbstverständlich Menschen zusammen, die sich gar nicht kennen. Je nach zugewürfelter Tischbekanntschaft kann das eine Bereicherung für den Abend sein — allerdings birgt es auch das Risiko, von Tischgenossen eingekreist zu werden, die erst gar nicht versuchen, ohne Alkohol lustig zu sein.

Wurstsalat und Schlachtplatte

Das Schönauer Rädle der Familie Brög in Lindau gehört zu den äußerst beliebten Lokalitäten und verfügt über relativ viele Sitzplätze. Wer dabei sein mag, muss trotzdem Geduld aufbringen, um auf einen freien Platz zu warten. Und er muss sich informieren, ob und wann überhaupt offen ist.

Insofern steht das Schönauer Rädle exemplarisch für diesen Typus Gastronomie. Es liegt sozusagen in der DNA solcher Wirtschaften, einfache Gerichte und Brotzeiten aufzutischen. Dafür ist bei Brögs die Karte recht üppig bestückt. Neben Wurst– und Käseplatten gibt’s Wurstsalate in verschiedenen Garnituren.

Aber auch Schlachtplatte mit Blut– und Leberwurst, Schmalzbrot, heiße Seelen oder auch Maultaschen mit Sauerkraut und den mehr als reichlichen Bauerntoast. Der sieht eher aus wie ein überdimensionierter Hamburger, aus dessen Rändern geschmolzener Käse quillt.

Günstig und reichliche Kost im Schönauer Rädle

Diese rustikale Hausmannskost zeichnet sich durch eine auskömmliche Üppigkeit aus — schließlich muss man ja eine gute Grundlage für den Wein schaffen. Doch auch inhaltlich kann das Essen mit normalen Gasthäusern mithalten. Das Angebot ist erfreulich frisch. Außerdem achtet Familie Brög offenbar darauf, was auf die Teller kommt. Denn eine Besenwirtschaft verfügt über keine Küchenbrigade, die alles selbst machen könnte — inklusive Käse, Speck Brot und Wurst.

Die Gerichte kosten selten über zehn Euro pro Portion, der Wein von eigenen Reben zwischen 12 und 15 Euro. Damit ist das Konzept Rädlewirtschaft auch ein Erlebnis für den kleineren Geldbeutel — sofern man maßvoll genießt. Was beim „Rotling“ der Familie Brög, einem ausgewogenen Tropfen aus weißen und roten Trauben mit heller Frucht und wenig Säure, gar nicht so einfach ist.

Infos zum Schönauer Rädle in Lindau:

Kellereiweg 30

88131 Lindau

Tel. 08382—4410

www.broeg–schoenau.de

Aktuelle Öffnungszeiten immer erfragen.

Hauptgerichte 8 bis 11 Euro.