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Gastrokritik

Aufgegabelt: Was Lamm und Hase im Wirtshausnamen zu suchen haben

Lindau / Lesedauer: 3 min

Tierische Gasthausnamen sind hierzulande enorm verbreitet. Nur Einfallslosigkeit - oder steckt mehr dahinter?
Veröffentlicht:08.04.2023, 06:00
Aktualisiert:08.04.2023, 10:32

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Tierische Gasthausnamen sind hierzulande enorm verbreitet. Ganz an der Spitze steht im Südwesten der Adler, der praktisch in jedem Dorf mindestens einmal vorkommt. Ebenfalls oft anzutreffen sind der Hirschen, der Hasen, der Löwen, das Lamm, der Ochsen und seltener der Bären, Schwanen oder die „Goldene Gans“. Für was aber stehen diese Namen?

Historiker sind sich bei den Ursprüngen der Namensgebung nicht immer ganz einig. Je nach Region hat es zur Orientierung gedient als sogenannte Hauszeichen, weil es noch keine Straßennamen mit Hausnummern gab. Also Symbole, mit deren Hilfe Anwesen im Mittelalter unterschieden worden sind.

Dass es oft Tiersymbole gewesen sind, ist zum Teil auf die Evangelisten zurückzuführen. Kirchenvater Hieronymus hat den Evangelien der vier Apostel im vierten Jahrhundert Symbole zugeordnet. Das Evangelium nach Markus kennzeichnet der Löwe. Der Stier steht für das Evangelium des Lukas, der Adler für jenes von Johannes. Und das Symbol für das Matthäus–Evangelium ist der Mensch selbst.

Die „Goldene Gans“ liefert einen Hinweis darauf, nach welchen Prinzipien Häuser mit Symbolen und im weiteren Verlauf Gasthäuser mit Namen versehen wurden. Die goldene Gans ist ursprünglich ein uraltes Märchen, das auch in der Sammlung der Gebrüder Grimm auftaucht. In vielen Regionen im Süden des Landes haben die Wirte auf Begrifflichkeiten der Romantik zurückgegriffen, was sowohl die „Goldene Gans“, das „Waldhorn“, der „Frohsinn“als auch die „Schöne Aussicht“ belegen.

Bleibt die Frage, warum das eine öfter und das andere viel seltener vorkommt. Vielleicht erfreute sich seinerzeit das Evangelium des Johannes größerer Beliebtheit in unseren Regionen, sodass der Adler als entsprechendes Symboltier enorme Verbreitung fand. Andererseits ist es vorstellbar, dass der Adler als stolzes Tier von besonderer Schönheit und Grazie auch ohne biblischen Hintergrund erste Wahl war. Schließlich ist er als Wappentier fast omnipräsent verbreitet. Das würde auch erklären, warum so wenige Gasthäuser „Zum Eichhörnchen“ oder „Zum Spatzen“ heißen.

Hasenjagd als etwas Erhabenes

Womit wir noch keine stichhaltige Erklärung für den Wirtshausnamen „Zum Hasen“ gefunden hätten. Also zu jenem Tier, das uns jetzt zu Ostern ganz besonders beschäftigt. Im Mittelalter sahen die Menschen den Hasen in erster Linie als Symbol für mangelnde Keuschheit und überbordende Fruchtbarkeit.

Mehrere Überlieferungen legen nahe, dass die Hasenjagd dadurch auch etwas besonders Erhabenes gewesen sein muss — schließlich stellte man dabei als gottesfürchtiger Jäger einem Tier nach, das die Sünde symbolisierte. Ganz nebenbei hat es früher, bevor ihre Lebensräume durch den Menschen immer kleiner wurden, viel mehr wild lebende Hasen in unseren Breiten geben.

Am Ende kann es dem Hasen als Namenspatron egal sein, ob Wirtsleute Reisende darauf aufmerksam machen wollten, dass es bei ihnen schmackhaftes Hasenragout gibt. Oder Meister Lampe einfach als schickes Haussymbol zeigt, wie der Hase läuft.