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Wahres Fine Dining in der Krone Schlier

Schlier / Lesedauer: 2 min

Tester Erich Nyffenegger zeigt sich begeistert vom Tasting–Menü in der Krone Schlier
Veröffentlicht:01.04.2023, 05:00

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Bei einem Haus in einem kleinen Ort stellt sich die Frage, was Geßler in Schlier sein will: Anlaufstelle für Gourmets oder lieber Treffpunkt für Stammtischbrüder?

Den Gastraum haben die Geßlers behutsam entrustikalisiert. Das Alte bleibt spürbar, während das Neue ein wenig Eleganz einhaucht. Schön zum Beispiel das Fischgrätparkett im Kontrast zu modernen Leuchten. Ein bisschen irritierend wirkt das zeitweilige Panflöten–Gedudel.

Viel besser klingt da schon die kompakte Speisekarte mit Tas–ting–Menü. Den Auftakt machen Küchengrüße, darunter eine Kalbspraline mit saftig–fleischigem Kern, die sehr versiert abgeschmeckt ist.

Hausgemachtes Brot ist ein Genuss

Das Bäckchen vom Spanferkel steht dem etwas nach, weil Frischling und Ananaskraut die Aromen nicht so deutlich auf den Punkt bringen wie das Kalb. Köstlich dazu: die zweierlei hausgebackenen Brote mit Brunnenkresse–Butter.

Bei der Vorspeise wird deutlich, dass Geßler trotz seines hohen kulinarischen Anspruchs die Absicht verfolgt, seine Gäste reichlich zu sättigen: Drei auf den Punkt gebratene, riesige Riesengarnelen unterstreichen das.

Stimmig dazu: asiatisches Gemüse mit milder Soße auf Chili–Basis. Hübsch arrangiert, ohne gleich prätentiös zu wirken. Das gelingt auch bei der großartig komponierten Tartelette von der Gänseleber, wo sich die Innerei in feinen Texturen mit Schmelz am Gaumen offenbart. Kombiniert mit Apfel, Mango und Wachtelbrust ist das ein Teller, der im Gedächtnis bleibt, nicht zuletzt des witzigen Lollys wegen.

Der Spagat gelingt in der Krone Schlier

Schön gelungen auch der bretonische Steinbutt auf Jakobsmuscheln. Mit von der Partie: Blattspinat und schwarzer Trüffel, der im Aroma aber kaum zu spüren ist. Der Fisch mit seiner feinen Struktur ist der Star. Perfekt in Garpunkt und Saftigkeit, überzeugt auch das Rinderfilet im Hauptgang, serviert mit wildem Brokkoli und getrüffeltem Püree.

Begleitet von einer aromatisch tiefgründigen Jus, die davon zeugt, dass Geßler jede Kleinigkeit noch selbst macht. Sämtliche Küchengrüße und Gänge zusammengenommen, kommt das Tasting–Menü auf stattliche zehn Teller. Mit 78,50 Euro ist das viel mehr wert, als es kostet. Übrigens: Den Geßlers gelingt der Spagat zwischen Fine Dining und Dorfwirtschaft. Denn der voll besetzte Stammtisch in der Ecke sorgt für ländliches Kolorit.