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Ravensburg

Alkoholfreie Cocktails für einen klaren Kopf

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Es geht auch ohne Alkohol: Viele Rezepte für leckere Drinks in einem neuen Buch. Unser Gastro–Kritiker hat es sich angeschaut.
Veröffentlicht:25.02.2023, 05:00

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Der Aschermittwoch hat uns wieder auf den nüchternen Boden der Tatsachen zurückgeholt. Aus ist’s mit der ausgelassenen Fasnets–Feierei — der Körper verlangt nach Entschlackung, der Geist nach Reinigung und die Leber nach Entlastung. Was also böte sich besser an, als die 40 Tage der Fastenzeit ohne Alkohol auszukommen?

Es gibt diesen lustigen Spruch, dass man zwar auch ohne Alkohol lustig sein könne, aber lieber auf Nummer Sicher gehen sollte. Wie bedeutsam die berauschende Wirkung beim Genuss von Getränken auch sein mag: Die Gleichung „Cocktail — Alkohol = totale Langeweile“ stimmt sicher nicht. Denn obwohl Alkohol im Wechselspiel mit Aromen eine verstärkende Wirkung haben kann, so ist er isoliert betrachte für den Genuss nicht allein ausschlaggebend. Um das unter Beweis zu stellen, haben sich Eva Derndorfer und Elisabeth Fischer die Mühe gemacht, das Buch „Alkoholfreie Drinks“ zu schreiben. Mit dem Titel scheint eigentlich alles gesagt. Doch für die im doppelten Sinne nüchterne Ansage bräuchte es sicher kein Buch mit 184 Seiten. Aber es geht eben auch um mehr, als beim Weinschorle einfach den Wein wegzulassen.

Genuss ohne Kater

Die Autorinnen hangeln sich in fünf Kapiteln durch „maßlosen Genuss ohne Kater“. Konkret betitelt mit Sommerbar, Fruchtbar, Weinbar, Cocktailbar und Winterbar — womit sich unschwer die Zuordnung der Lustbarkeiten im Glas ergibt. Und das gelingt mit verschiedenen Methoden erfrischend gut. Eine Strategie ist es, klassische Drinks behutsam zu amputieren — also etwa aus dem klassischen Gin Fizz einen Wachholder–Fizz zu machen, indem der Wachholderschnaps Gin durch einen selbst gemachten Wachholder–Zitronen–Ingwer–Sirup ersetzt wird. Kombiniert mit Zitronensaft und prickelndem Mineralwasser gaukelt diese Luxuslimo mit ihrer herb–bitteren Aromatik den Gin–Geschmack wirkungsvoll vor, ohne Alkohol vermissen zu lassen.

Raffiniert gemixt

Ähnlich funktioniert die Scharade, die aus einem Aperol Spritz einen „Aperollo Spritz“ macht, der mit Rhabarbernektar und Granatapfelsirup zumindest optisch die perfekte Illusion zum Alkohol–Original schafft. Und so zieht sich die Null–Promille–Strategie durch das komplette Buch und bleibt dabei mehrheitlich im Bereich des Sinnvollen, auch wenn wenige Ausrutscher wie bemühtes Füllmaterial wirken. Zum Beispiel der „Gemischte Satz“, was nichts anderes als ein Traubensaftschorle ist, ergänzt um einen Wedel Rosmarin.

Erfreulich ist die Einbeziehung verschiedener Tees, die bei diversen Drinks als Grundierung dienen, auf der dann mit Sirupen, Gewürzen und Essenzen fröhlich weiter gemixt wird. Fast immer sind Eis und oft auch prickelndes Mineralwasser wichtige Zutaten, um sich von der Gewöhnlichkeit eines Schorles oder einer Limo abzuheben. Dass man Lust bekommt, selbst alkoholfrei zu experimentieren, liegt auch an der poppigen Ästhetik der Bilder von Stefan Mayer. Ein Buch, eigentlich viel zu beschwipst, um komplett nüchtern zu sein.

Eva Derndorfer u. Elisabeth Fischer: Alkoholfreie Drinks

Brandstätter, 2022, 184 Seiten, 28 Euro.


Alkoholfreie Drinks