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Gastrokritik „Aufgegabelt“

Restauranttest: Im Nonnenhorner Adler wird gutes Handwerk zur Kunst 

Nonnenhorn / Lesedauer: 3 min

In dem Gasthaus am Bodensee kommt noch solides Essen auf den Tisch, das ordentlich zubereitet ist. Was unseren Gastro-Kritiker besonders überzeugt hat.
Veröffentlicht:09.12.2023, 12:00

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Im Prinzip sehnen wir uns, wann immer wir eine Wirtschaft betreten, nach dem Schlichten und Echten. Und danach, dass uns ein Koch keine künstliche Plörre als „Kraftbrühe“ verkauft. Oder auf der Karte etwas von „regionalem Fleisch“ faselt, während er das Schnitzel in Wahrheit aus dem Plastiksack im Tiefkühler zieht.

Und wir wünschen uns, dass die Bratkartoffeln nicht aus industriell vorgegarten Knollen geschnitten werden, sondern dass sich jemand die Mühe macht, Kartoffeln in der Küche zu kochen und langsam zu rösten.

Die gute Nachricht ist: Es gibt sie noch, diese Orte. Wo man unter Handwerk nicht die Kunst, Tüten aufzureißen, versteht. Wo man aus natürlichen Rohstoffen eine Mahlzeit zu bereiten versteht. Nicht mehr, aber auch kein bisschen weniger.

In diesem Sinn muss man das Gasthaus Adler in Nonnenhorn am Bodensee vorbehaltlos beglückwünschen. Denn obwohl die Karte für moderne Verhältnisse recht umfangreich ist, vollbringt die Küche das Kunststück, diese Vielfalt nicht auf Kosten der Qualität an den Tisch zu bringen.

Festtagssuppe mit viel Einlage

Es ist wohltuend, wenn auf dem Teller das liegt, was die Karte verspricht: Eine wunderbare Brühe von schönster Klarheit ist die Festtagssuppe mit viel Einlage. Der Sud strotzt vor lauter Fleischaromen, feinste Gemüsewürfel mit Biss konkurrieren mit Brätknödeln, Flädle und Maultaschenstreifen um das intensivste Aroma. Ein Wettbewerb, bei dem es nur Sieger gibt - denn alle Komponenten zeigen Geschmack und starke Würze, ohne durch leidige Hefeextrakte gedopt zu sein.

Eine Festtagssuppe, wie sie im Buche steht. Kraftvolle Brühe ohne künstliche Zutaten, sagenhafte Flädle und Brätknödel wie man sie sich wünscht.
Eine Festtagssuppe, wie sie im Buche steht. Kraftvolle Brühe ohne künstliche Zutaten, sagenhafte Flädle und Brätknödel wie man sie sich wünscht. (Foto: Erich Nyffenegger)

Das kulinarische Ringelreihen wird auch bei den Hauptgängen nicht schwächer. Ein knuspriger Rollbraten vom mageren Schweinebauch ist mit einer fleischigen Fülle versehen. Der Bratensaft, auf dem die Scheiben liegen, hebt den unverfälschten Fleischgeschmack. Und die Bratkartoffeln verdienen ihren Namen, weil sie weder lätschig noch fettig sind, sondern hübsch angeröstet.

Fisch - schlicht, aber lecker

Der vom Fang des Fischers abhängige Bodenseefischteller zeigt, dass neben Felchen noch mehr Köstliches existiert. Im konkreten Fall sind es Zander und Saibling, die in schlichter Zubereitung maximalen Genuss bereiten. Der Zander ist auf der Haut gebraten und steht in vollem Saft. Wie auch der Saibling in einer zarten Panierung. Dem ist nichts weiter als eine Remoulade mit Dill sowie ein paar Petersilienkartoffeln beigefügt.

Hauptspeisen in Bestform: knuspriger Rollbraten mit Bratkartoffeln (hinten) und Zander und Saibling mit Petersilienkartoffeln.
Hauptspeisen in Bestform: knuspriger Rollbraten mit Bratkartoffeln (hinten) und Zander und Saibling mit Petersilienkartoffeln. (Foto: Erich Nyffenegger)

Keine aufregende Komposition – durch die makellose Frische aller Komponenten, souverän abgeschmeckt, aber doch sehr besonders. Ein kühles i-Tüpfelchen bekommt das Menü durch eine Kugel vom schmelzigen Joghurteis, veredelt von etwas Basilikumzucker. Wobei das Würzkraut aromatisch nicht durchschlägt. Hätte jemand von Spinatzucker gesprochen – der Gaumen hätte es genauso geglaubt. Aber Spinat hin – Basilikum her: Im Adler wird Handwerk zur Kunst.

Kontakt

Gasthaus Adler

Sonnenbichlstr. 25
88149 Nonnenhorn
Tel. 08382-8234
www.hotel-adler.de
geöffnet täglich von 11.30-13.45 Uhr und ab 17.30 Uhr.

Hauptgerichte 14,90-29,90 Euro.